Meinen Regenschirm habe ich vor 7 Monaten in Nepal verloren. Es war Anfang Oktober und die Regenzeit war von einem Tag auf den Anderen zu Ende. Ich habe den Schirm seitdem nicht vermisst.
Eines Tages fing es zu Regnen an und hörte vier Monate nicht mehr auf.
(Forrest Gump)
Das hat sich in den letzten 2 Wochen geändert. Seit Anfang Mai regnet es fast jeden Abend und manchmal auch tagsüber. Es ist der Beginn der Regenzeit in Südvietnam, Kambodscha und Thailand.
 Letzte Regenzeit in Kathmandu, September 2011
Ich bin kein großer Freund von Jahreszeiten und habe bisher den ewigen Sommer auf Weltreise sehr begrüsst.
Es regnet nicht nur in der Regenzeit
es schüttet aus Kübeln nur so runter
(2Raumwohnung – Nimm mich mit)
Ewigen Sommer mit ewigem Regen mag ich aber gerade nicht.
 Der Eimer ist voll in Bangkok, Mai 2012
Ich will keinen neuen Regenschirm. Es ist also höchste Zeit vom Äquator wegzukommen (-;
Gerade habe ich meine Flugrikscha über den Pazifik gebucht, nächste Woche.
Da reist man ans andere Ende der Welt um fremde, exotische Erfahrungen zu machen und was sieht man?
Kirchen!
Gerne auch mit Jesus und Maria …
… im Park oder auf dem Markt.
Manche Kirchen schauen eher aus wie Tempel …
… nur im Innern nicht:
Auch Kreuzwege und Marienfiguren gibt es.
Vietnamesen stehen total auf Kitsch, auch die 8% Christen.
Etwas Besonderes sind die Kirchen der vietnamesischen Cao Đài Religion. Cao Đài ist eine Mischung aus Christentum, Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus. Cao Đàisten meinen, dass alle Religionen das Gleiche lehren.
Das meine ich auch…
Man kann gehen wohin man will, aber den Religionen entkommt man nicht.
Nicht einmal dem Christentum entkommt man, selbst in Vietnam und der Mongolei nicht (-:
Ein Synonym für Vietnam? Ganz einfach:
- Saigon – Hanoi
oder:
- Hanoi – Saigon
je nach politischer oder magnetischer Gesinnung…
Ich bin Vietnam 2x abgefahren:
Saigon – Hanoi – Saigon
Warum?
 Saigon - Hanoi = Vietnam = Hanoi - Saigon
Von Saigon im Süden bin ich 2,5 Wochen in den Norden gereist. Von Hanoi im Norden bin ich 3,5 Wochen zurück in den Süden gereist. Südwärts hatte ich äußerst nette Begleitung.
It’s not the places you go.
It’s the people you meet.
Es geht im Leben und auf Reisen um andere Menschen. Für mich gilt das besonders in diesem Fall. Meine Begleitung ab Hanoi war das Herzensbrecher Mädchen aus Laos.
 Vietnam mit Hanoi - Saigon Achse © 2010 Google
Mein Herz ist wieder ganz, aber ich habe es verloren. Um mein Herz und die neue Besitzerin wiederzusehen, muss ich zurück nach Bangkok reisen.
Das heisst, kein China und kein Japan.
Das heisst nach Bangkok, in die Stadt der Städte (und Engel).
Das heisst ein Flug von der einen in die andere Stadt der Engel (Bangkok nach Los Angeles).
Die Bangkok Preisspirale ist doch noch geplatzt, aber ausnahmsweise ging es diesmal eh nicht ums Geld sparen..
Billige 7-Eleven China Kopien gibt es nicht nur in China.
Es gibt sie in fast jedem Land der Welt, auch in Vietnam.
In Vietnam wird sowieso alles gefälscht, was erfolgreich ist.
z.B. der Easyrider Motorrad Club für Touristentrips in Dalat
Angeblich sind alle Easyrider Clubs Fälschungen.
Auch das Peace Cafe nebenan hat 2 Kopien in derselben Strasse.
Die krasseste Fälschungswelle findet man im alten Viertel in Hanoi:
Der Reiseveranstalter Sinh Cafe
in blau oder rot
oder mit Halong Bucht Bild
und manchmal 2 davon nebeneinander.
Sinh Cafe ist mit dem Opentours Konzept so erfolgreich, es gibt mehr als 50 Kopien.
Das originale Sinh Cafe musste sich deswegen umbenennen zu Sinh Tourist:
Opentours in Vietnam sind extrem beliebt. Man kauft einmal ein Busticket von Hanoi nach Saigon oder umgekehrt und gibt an, wieviele der vorgegebenen Stops man machen will. Mit dem Ticket kann man dann zeitlich ungebunden weiterreisen.
Die Opentours führen dazu, dass die allermeisten Vietnam Touristen sich auf die wenigen Stops auf der 1700km Nord-Süd Achse verteilen:
- Hanoi (Hauptstadt)
- Hue (alte Hauptstadt)
- Hoian (chin. Hafendörfchen)
- Nha Trang (Strandresort)
- Dalat (Berge)
- Muine (Strandresort)
- Saigon (Metropole)
Ein Banana Pancake Trail par excellence (-;
Die nächsten 1.000 Euro sind weg.
Seit dem Beginn der Weltreise vor genau 11 Monaten habe ich insgesamt 8.000 Euro ausgegeben.
Lebenshaltungskosten in Laos, Kambodscha und Vietnam waren vergleichbar mit ca. 12 Euro pro Tag. Während man dafür in Kambodscha dekadent leben kann, verbraucht man das Geld in Vietnam schon für das Wesentliche.
Der 166 USD Ladyboy Diebstahl in Phnom Penh ist gut in der Statistik zu erkennen. Diese Dummheit hat mich gut eine Woche gekostet.
Die 9.000 Euro werden schnell folgen. Ein Flug nach Nordamerika kostet fast 500 Euro…
Vorgestern verließ mein Kreuzfahrtschiff Peking in Richtung Vancouver. Ich war nicht an Bord.
Kein Kreuzfahrer wollte mitkommen und der doppelte Fahrpreis von 2x 1065EUR für eine 2er Kabine war mir zu hoch.
Plan B ist eine Transpazifik Passage auf einer Segelyacht und bisher aussichtslos. Meine Reisepläne liegen in Scherben.
 Fliegen ist die einfachste Art zu reisen
Südamerika bleibt aber mein nächstes Ziel. Nach bald 11 Monaten Asien, bin ich bereit für einen neuen Kontinent. Ich stelle mich also auf einen Flug ein. Der Traum vom Nichtfliegen ist wieder geplatzt.
Vor dem Sprung über den großen Teich, will ich Anlauf nehmen in China und Japan. Japan reizt mich in der Welt der Drachen und Tiger noch am meisten. China war mit Nepal und Thailand ein Highlight der Reise. 6 Wochen China waren nur ein Tropfen auf dem heissen Stein angesichts einer Landfläche vergleichbar mit Europa.
 geplante Route um Asien zu verlassen © 2010 Google
Wahrscheinlich begleitet mich Reiseradler Marcel in China ein Stück des Weges. Er hat sein Rad letzte Woche an ein Weisenhaus gegeben und die Packtaschen gegen einen Rucksack getauscht.
Auch was Südamerika angeht, habe ich einen neuen, alten Begleiter: Mein Weltreisepartner Greg ist wieder am Start!
Auf ein Neues!
100 Fische
am Meermorgen
Meeresluft
atmen
100 Stimmen
am Meermittag
Meermarkt
lauschen
100 Inseln
am Meernachmittag
Meerwasser
fühlen
100 Schiffe
am Meerabend
Meerblick
nehmen
100 Lichter
zur Meernacht
Meerbier
schmecken
100 Tage
war ich nicht mehr am Meer.
Schon hat das unendliche Blau wieder eine gewaltige Faszination.
Bangkok war bisher mein Städte Highlight. Mit der Stadt der Engel kann nicht einmal Kathmandu mithalten. Ich sehne mich danach zurückzukehren, seitdem ich Bangkok verlassen habe.
Chiang Mai war auch nett, aber ich habe fast täglich überlegt über Nacht nach Bangkok zurückzufahren. In Chiang Mai gibt es einfach nichts Besonderes. Trotzdem habe ich es unglaubliche 3 Wochen ausgehalten, bei einem Buspreis von 7 EUR nach Bangkok.
 Preis für eine Busfahrt nach Bangkok in EUR
Laos hat mir weniger gefallen, und schon ging der Buspreis nach oben um meine Bangkok Sehnsucht in Schach zu halten. In Pakse, im Süden von Laos und in Kambodscha wurde der Buspreis wieder einstellig. Prompt waren die Orte angenehmer und ich bin geblieben.
In Vietnam wuchs die Sehnsucht nach Bangkok fast um eine Größenordnung. Der Preis für eine Busfahrt nach Bangkok zog gleich, weil nun ein Kambodscha Visum zum Gesamtpreis dazukam. Je weiter man in Vietnam nach Norden kommt, desto nerviger werden die Leute. Das kann man natürlich auch am Preis für eine Busfahrt nach Bangkok in Hanoi ablesen.
 Sehnsucht nach Bangkok auf dem Banana Pancake Trail in Indochina © 2010 Google
Seit 75 Tagen korreliert der Buspreis nach Bangkok fast genau negativ mit meiner Zufriedenheit.
Nur Siem Reap ist ein Ausreisser. Von dort hätte ich nicht einmal eine geschenkte Busfahrt nach Bangkok genommen.
In Hanoi bin ich gerade kurz davor die 53 EUR auszugeben (-;
Die Tempel in Vietnam machen nicht viel her.
Das Crazy House in Đà Lạt macht einiges her!
Das Crazy House ist berühmt für seine ungewöhnliche Architektur.
Erkunden kann man es auf verschlungenen Luftwegen
mit grandioser Aussicht über Đà Lạt.
Auch ein Blick ins Innere lohnt sich.
und in den Zaubergarten mit Cafe
Tiere tummeln sich
und Besucher auch.
Am Crazy House wird seit 1990 gebaut.
Das Crazy House muss einer der schönsten Flecken der Welt sein. Man kann sich stundenlang verlieren in Gängen und auf Wegen ohne rechten Winkel. Dabei erkundet man ein modernes Märchenhaus.
Nach dem Designer Cafe in Indien und dem Designer Guesthouse in Kambodscha musste ich unbedingt zum Crazy House nach Đà Lạt in Vietnam.
Das Hằng Nga guesthouse hat es sogar in die Liste der World’s Strangest Buildings geschafft. Diese Liste ist in Zukunft mein Reiseführer (-;
In Hue fährt der Kneipenboss keinen großen BMW. Er schaut zu Fuss nach dem Rechten im Backpackerviertel. In seinen Kneipen begrüssen ihn die Bardamen in Formation und entschuldigen sich gestenreich bei ihm.
Die Happy hour ist schon vorbei und es ist tote Hose. Das ganze Viertel ist wie leergefegt. Der Kneipenboss knurrt:
Das gottverdammte Festival…
 Hue Festival 2012 in Vietnam
Nicht nur die Touristen lassen die Kneipen heute links liegen. Ganz Hue ist auf den Beinen, um eine Woche lang mit Tänzen und Musik zu feiern. Selbst 2 jährige Kinder werden zu den riesigen Bühnen am und im Parfüm-Fluss mitgeschleppt. Es wird getrunken und gegessen, gelacht und geschaut.
Ein riesiger, 3km langer Streifen beidseitig des Flusses wird alle 2 Jahre zum Festivalgelände. Tanz- und Musikgruppen kommen aus ganz Asien, Frankreich, Belgien, Mexiko, Panama, Kuba, Argentinien, Australien und Russland.
 Bühne im Fluss
“Na gut”, denke ich mir nach 2 Tagen auf den riesigen Volksfesten am Parfüm-Fluss. “Die Organisatoren sollten sich einmal das König Narai Festival in Thailand anschauen”. “So wird das gemacht.”
Erst am 3. Tag kaufe ich Geizhals mir ein 3$ Ticket für die Hauptveranstaltungen in der alten Zitadelle. Ich laufe den ganzen Abend mit offenem Mund durch ein Zauberreich und versuche die Zeit anzuhalten.
 Zitadelle in Hue
Die Zitadelle in Hue ist genau so, wie man sich die verbotene Stadt in Peking wünscht. Der vietnamesische Kaisersitz ist auch als verbotene Stadt bekannt, beschämt aber das Vorbild in Peking.
Innerhalb der massiven Mauern finden sich auf 2km² wunderschöne Gärten, Paläste, Plätze, Seen und Pagoden. Alles wurde nach den Indochina Kriegen restauriert. Die Franzosen haben die Zitadelle zerstört und die Amerikaner sie in Grund und Boden gebombt.
 aufwendig dekoriert
In dieser spektakulären historischen Kulisse, finden jeden Abend Musik- und Tanzveranstaltungen, Ausstellungen, Modeshows und Bankette statt. Es gibt Bühnen, Bier- und Essensstände und sogar eine Kammer für Kammermusik.
Das große imperiale Gelände ist mit riesigem Aufwand dekoriert und in ein Lichtermeer verwandelt. Es ist ein wunderschöner Zaubergarten, der zum Verlorengehen einlädt. Das König Narai Festival in Thailand lässt grüssen, aber in einem gigantischen Maßstab.
 Eine der vielen Bühnen
Um nicht nur in Lobpreisungen zu schwelgen:
- Südostasiatische Musik klingt noch weichgespülter als die Gotthilf Fischer Chöre.
- Die Organisation ist asiatisch: Veranstaltungen sind 1 Stunde zu spät oder zu früh (!) Oder gar nicht oder woanders.
- Ein ordentlicher Essensmarkt, wie bei jedem Thai Festival fehlt leider (-;
- Der Parfüm-Fluss riecht, aber nicht nach Parfüm.
 Publikumsmagnet Modenschau
Ich bin rastlos durch Vietnam gehetzt, als ich in Saigon vom Hue Festival erfahren habe und habe es nicht bereut.
Warum ringe ich eigentlich so um Worte. Das Festival in Hue lässt sich absolut nicht beschreiben, man muss es erleben! Schaut euch die Bilder an und geht da hin in 2014!
 2014 ist wieder Festival in Hue
|