Die wichtigsten 3 Reise-Fotografie Tipps für Einsteiger

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Wie machst Du technisch bessere Reisefotos? Du musst nur 1 Einstellung und 2 Modi an Deiner Kamera kennen, um sofort bessere Bilder zu machen.

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Gewollte Bewegungsunschärfe an der Winkekatze

Richtig belichtete, scharfe Fotos

Das schönste Bild ist wertlos, wenn die technischen Mängel zu gravierend sind. Fotos müssen richtig belichtet und scharf sein.

Fotografieren ist mit modernen digitalen Kameras sehr einfach geworden. Theoretisch übernimmt die Kamera vollautomatisch alle Einstellungen.

Meistens bekommst im Automatik-Modus richtig belichtete und fokussierte Fotos und Du kannst Dich darauf konzentrieren gute Bilder zu machen.

Aber manchmal bekommt es die Kamera eben nicht automatisch hin oder Du willst den Gestaltungs-Spielraum nutzen, der sich erst durch manuelle Einstellungen auftut.

Lerne als Anfänger nur 1 Einstellung und 2 Modi an Deiner Kamera kennen. Mit diesen Minimalkenntnissen kannst Du sofort losziehen und tolle Fotos machen.

Dein Smartphone ist Deine Reisekamera? Diese Tipps gelten für alle Kameras und alle Smartphones, mit manuellen Einstellungen.

belichtungskorrektur

Belichtungskorrektur-Stellrad an der Canon G7X

1. Die Belichtungskorrektur

Die eine Einstellung, die Du beherrschen solltest, ist die Belichtungskorrektur. Dies ist die einfachste Möglichkeit um Belichtungsfehler zu korrigieren.

Bilder mit einer digitalen Kamera belichtest Du so richtig:

  1. Foto schiessen
  2. Bildschirm anschauen
  3. Falls überbelichtet am +/- Regler um 2 Klicks auf -2/3 korrigieren und zurück zu 1.
  4. Fertig!

Wie siehst Du, dass das Bild überbelichtet ist? Schalte die Überbelichtungskontrolle (Highlights) im Display an (DISP Knopf). Überbelichtete Flächen blinken.

Meistens ist es der Himmel, der überbelichtet ist und Fotos mit einem blassen Himmel ohne Struktur kannst Du eigentlich wegwerfen.

Manchmal zeigt die Überbelichtungskontrolle nichts an, obwohl der Himmel trotzdem farblos ist. Dann ist wahrscheinlich nur der Blaukanal überbelichtet, während Grün oder Rot nicht überbelichtet sind. Achte also auch auf den Farbton des Himmels oder benutze statt der Überbelichtungsanzeige das RGB-Histogramm.

Mehr Infos zur Belichtungskorrektur. Wenn Du nur eine Erkenntnis aus diesem Artikel mitnimmst, lass es bitte die Belichtungskorrektur sein!

Die 4 Schritte gelten nicht nur für die richtige Belichtung, sondern auch für Komposition, Fokus, Schärfe usw. Nutze Deinen Bildschirm zur sofortigen Kontrolle und mache das Foto im Zweifelsfall nochmal.

Du musst das Foto nicht beim 1. Mal richtig hinbekommen, egal ob Belichtung oder Bildgestaltung. Beim 2., 3. oder 10. Mal reicht auch noch. Am Ende zählt nicht das erste sondern das beste Ergebnis.

schnappschuss

Schnappschuss aus dem fahrenden Bus in Äthiopien

2. P-Modus wie Personen oder schnapPschuss

Ok, manchmal musst Du das Foto eben doch beim 1. Mal richtig hinbekommen. Wenn Personen im Bild sind und bei Street-Fotografie allgemein, hast Du meistens nur eine Gelegenheit.

Viele Fotografen sind regelrechte Kontroll-Freaks und gestalten am liebsten jedes Bild bis in’s Detail. Das macht bei Architektur, Landschaften und Studiofotografie viel Sinn.

Wenn Du das gleiche bei Street-, Festival-, Sport- oder Tier-Fotografie versuchst, dann lässt Du den perfekten Moment verstreichen und stehst am Ende ganz ohne Foto da.

Lass lieber die Kamera alle Einstellungen übernehmen und konzentriere Dich auf das Wesentliche: Darauf ein gutes Bild zu machen!

Nutze dazu den Programmautomatik-Modus Deiner Kamera (P). Im P-Modus nimmt die Kamera Dir alle Arbeit ab. Das Ergebnis ist nicht immer perfekt, aber zumindest hast Du ein Ergebnis.

Ich lasse meine Immer-Dabei-Kamera möglichst im P-Modus, um Schnappschuss-bereit zu sein.

blende

Großer Unterschied bei Blende (3 Stops Unterschied)

3. A-Modus wie Architektur, nAtur und Alles Andere

Du kannst Dein ganzes Leben lang in der Programmautomatik fotografieren und wirst damit sicher viele gute Bilder machen.

Aber für manche Bilder und manche Lichtverhältnisse ist der P-Modus leider ungeeignet. Mehr Gestaltung-Spielraum bekommst Du, wenn Du manuell Einfluss auf die Belichtung nimmst.

Es gibt nur 2 Möglichkeiten Einfluss auf die Belichtung zu nehmen:

  • Blende
  • Belichtungszeit

Schau Dir die Bilder von der Winkekatze über und unter diesem Absatz an. Einmal wird die Blende um 3 Stops variiert und einmal die Belichtungszeit:

  1. Die Belichtungszeit macht keinen Unterschied auf die Bildgestaltung, ab einem gewissen Wert.
  2. Die Blende macht einen sehr großen Unterschied durch Bildschärfe und selektive Tiefenschärfe.

Stelle also auf den Blenden-Modus (A). Am Wählrad ist das der A-Modus beziehungsweise bei Canon der Av-Modus.

Lasse Deine Kamera die Belichtungszeit regeln. Moderne Kameras belichten automatisch mit einem Wert, der Bewegungsunschärfe vermeiden soll, nach der Faustformel 1/Brennweite.

Die Blende regelst Du selbst am Stellrad. Die Blendenzahl wird logarithmisch als „f-Zahl“ mit f/x angegeben und wirkt sich auf die selektive Tiefenschärfe so aus:

  • Je kleiner x, desto geringer die Tiefenschärfe, z.B. um Portraits freizustellen oder für Food-Fotografie mit verträumt unscharfem Hintergrund.
  • Je größer x, desto größer die Tiefenschärfe, z.B. für durchwegs scharfe Landschaftsaufnahmen und Architektur mit scharfem Vorder- und Hintergrund.

Versuche also x so weit wie möglich Richtung 1 zu bringen für selektive Tiefenschärfe und Richtung 8-11, für einen scharfen Vorder- und Hintergrund.

So einfach ist das mit dem A-Modus.

belichtungszeit

Kein sichtbarer Unterschied bei Belichtungszeit (3 Stops Unterschied)

Einmalige Einstellungen

Das waren schon die 3 minimalen Foto-Kenntnisse. Gleich kannst Du losziehen und tolle Bilder machen.

Schau vorher einmalig folgende Einstellungen durch und ändere sie bei Bedarf:

  1. Nutze außer bei Langzeitbelichtungen am Tag und bei sehr schlechten Lichtverhältnissen grundsätzlich Auto-ISO. Stelle als Maximalwert die „Sports (Low-Light ISO)“-Zahl Deiner Kamera ein, siehe DXOMark (~500 für 1 Zoll, ~800 für MFT, ~1400 für APS-C, ~3200 für KB)
  2. Stelle den Autofokus auf Deine Lieblingseinstellung. Jede Art des Fokussierens hat Vor- und Nachteile und es ist Geschmackssache, was Du machst.

    Ich verwende gerne den einzelnen Autofokuspunkt in der Bildmitte und ziehe die Kamera nach dem Fokussieren mit halb durchgedrücktem Auslöser in die richtige Komposition. Dazu musst Du unbedingt auf Einzelfokus stellen, nicht auf kontinuierlichen Fokus.

  3. Stelle die Belichtungsmessung auf Deinen Lieblingswert. Ich verwende die Mehrzonenmessung oder auch Matrixmessung genannt. Wie beim Autofokus, ist es eine Frage Deiner persönlichen Vorliebe, ob Du vielleicht lieber Spot oder mittenbetont messen lässt.
  4. Ob Du JPG oder RAW verwendest, ist Dir überlassen. Es gibt für beide Dateiformate Vor- und Nachteile. In JPG zu schießen ist schwieriger, Du musst es gleich in der Kamera richtig machen. RAW verzeiht mehr Fehler. Dafür ist die Nachbearbeitung mit JPG schneller und einfacher (oder unnötig) und JPGs sind viel kleiner. Wenn Du Dir nicht sicher bist, kannst Du auch beide Dateiformate ausgeben lassen.

    Ich kann mir als Dauerreisender mit miesen Internetgeschwindigkeiten die riesigen RAW-Dateigrößen nicht leisten und fotografiere ausschließlich JPG.

  5. Stelle die Kamera auf Auto-Weissabgleich. Moderne Kameras sind sehr gut darin den richtigen Weißabgleich zu finden. Wenn Du JPG fotografierst, musst Du bei künstlichem Licht manchmal manuell umstellen. Mit RAW geht das auch in der Nachbearbeitung.
  6. Wenn Du in JPG fotografierst, schalte den erweiterten Dynamikbereich an. Je nach Hersteller heißt diese Einstellung anders: Sony – DRO, Nikon – D-Lighting, Canon – Auto Lighting, Samsung – Smart Range, Fuji – D-Range, …
  7. Schalte den Kamera-Blitz aus. Der Aufhellblitz an der Kamera richtet vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen viel öfter Schaden an, als er hilft. Eine Ausnahme ist ein Portrait gegen die Sonne bei hellem Tageslicht.

Alle diese Einstellungen, musst Du nur einmal machen: Set and forget!

fotograf

Fertig, Bilder machen!

Fertig, Bilder machen!

Das war es schon, was Du als Anfänger mindestens über die technische Seite der Fotografie wissen musst. Schnapp‘ Dir Deine Kamera und geh fotografieren.

Wenn Du wissen willst, was es noch für Modi gibt oder Dich für Details und Erklärungen interessierst, lies die insgesamt 8 Exkurse weiter oder springe zur kurzen Kamera-Kaufberatung am Ende des Textes.

Wenn Dir das alles zu trocken ist, dann kann ich Dir den Fotokurs von 22 Places empfehlen. Jenny und Sebastian erklären Reise-Fotografie für Anfänger anschaulich und größtenteils anhand von kurzweiligen Videos.

Die technischen Informationen im 22 Places Fotokurs gehen natürlich über meine 3 Tipps hinaus. Die Technik ist außerdem nur ein Kapitel von 5:

  1. Technische Grundlagen
  2. Bildgestaltung
  3. Lichtsituationen
  4. Nachbearbeitung
  5. spezielle Anwendungsfälle

Schau rein!* in den 22 Places Fotokurs.
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Exkurs #1: S-Modus wie Stativ, M-Modus wie Mauer

Die beiden verbleibenden klassischen Modi sind hauptsächlich für Langzeitbelichtungen nützlich. Das heißt, Du brauchst ein Stativ oder eine feste Auflage, wie eine Mauer.

Der manuelle Modus (M) macht fast ausschließlich für die Fotografie des Sternenhimmels Sinn. Mehr Infos zur Sternenfotografie bei blickgewinkelt.

Der Belichtungszeit-Modus (S/Tv) macht für alle anderen Langzeitbelichtungen Sinn, zum Beispiel um einen Wasserfall oder die Meeresbrandung schön weichzuzeichnen, aber bitte mit Stativ oder fester Auflage!

In seltenen Fällen ist der S-Modus auch ohne Stativ sinnvoll:

  • sehr geringer Wert (<1/1000 s) um Bewegungen einzufrieren, zum Beispiel für Schnappschüsse aus dem fahrenden Bus oder Sportfotografie.
  • mittelhoher Wert (1/5 s bis 1/30 s) um Bewegungsunschärfe darzustellen, zum Beispiel wenn eine Person vorbeigeht (Kamera mitziehen!)

Wenn Du Fotografie-Anfänger und sowieso überwältigt bist, vergiss den S/Tv-Modus und den M-Modus erstmal. Das ist am Anfang nicht so wichtig.

stativ

Langzeitbelichtung bitte nur mit Stativ, Mauer, o.ä.

Exkurs #2: HDR-Modus

Der HDR-Modus erweitert den Dynamikbereich Deiner Kamera, indem 3+ Bilder mit verschiedener Belichtungskorrektur aufgenommen werden, z.B. +2, 0, -2 Stops.

Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn Du starke Kontraste hast und sich nichts bewegt. Eine klassische Situation für den Einsatz von HDR in der Reisefotografie ist Angkor Wat.

Von keinem anderen Reiseziel gibt es so viele Bilder mit überbelichtetem (weißem) Himmel, wie von den kambodschanischen Ruinen tief im Urwald. Das schaut furchtbar aus und wäre mit HDR nicht passiert.

HDR funktioniert nicht mit Bewegung, zumindest nicht in der sequentiellen Variante, mit 3+ aufeinanderfolgenden Bildern.

Bei manchen Kamera-Herstellern ist der HDR-Modus auf dem Modus-Wählrad. Das macht eigentlich keinen Sinn. Der HDR-Modus sollte zum P- oder A-Modus zuschaltbar sein.

Wenn Deine Kamera keinen zuschaltbaren HDR-Modus hat oder der HDR-Modus nichts taugt, wie an der Canon G7X, kannst Du auch Exposure Bracketing verwenden.

Du musst die Bilder später am Computer zu einem HDR zusammenrechnen, das geht mit Hugin per Stapelverarbeitung. (enfuse_align_droplet.bat)

Ein Tutorial zu HDR per enfuse-align mit Bracketing folgt.

angkor

Anwendungsfall für HDR: Falsch belichtetes Angkor Foto

Exkurs #3: Panorama-Modus

Der Panorama-Modus erweitert Deinen Weitwinkelbereich. Die wenigsten von uns haben ein Weitwinkelobjektiv und so endet unsere Brennweite spätestens bei 24mm KB. Das ist für Architektur und Landschaften zu wenig.

Du kannst Dir damit behelfen, mehrere Aufnahmen zu machen und sie zu einem Panorama zusammenzurechnen. Moderne Kameras können das oft on the fly in der Kamera berechnen.

Bei manchen Kamera-Herstellern ist der Panorama-Modus auf dem Modus-Wählrad. Das macht eigentlich keinen Sinn. Der Panorama-Modus sollte zum P- oder A-Modus zuschaltbar sein.

Wenn Deine Kamera keinen zuschaltbaren Panorama-Modus hat, wie die Canon G7X, kannst Du auch manuell mehrere überlappende Aufnahmen machen, aus denen anschließend ein einziges Panorama-Bild wird (Fokus und Belichtung gleich lassen).

Du musst die Einzelbilder später am Computer zu einem Panorama zusammenrechnen. Das geht unter Windows superschnell mit ICE oder ansonsten mit Hugin.

Mawe-Web hat ein gutes Tutorial für Hugin.

Exkurs #4: Pseudo-Modi

Egal ob Sport, Kerzenschein, Portrait, Feuerwerk oder andere lustige Namen. Vergiss diese Pseudo-Modi bitte ganz schnell. Was die zu erreichen versuchen, bekommst Du im A-Modus oder S-Modus besser hin.

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HDR und Panorama kombiniert

Exkurs #5: Manueller Modus als goldener Gral

Die Belichtungskorrektur macht den manuellen Modus weitestgehend überflüssig. Du hast im Blenden-Modus (A) mit Hilfe der Belichtungskorrektur einen „smarten manuellen Modus“.

Statt alle Werte absolut einzustellen nimmst Du als Grundlage die Einstellungen der Kamera-Automatik und stellst relativ dazu ein. Das geht viel schneller und Du hast den gleichen Spielraum.

Gerade alteingesessene Fotografen misstrauen der Automatik. Du hast vielleicht schon von Fotografen gehört, die behaupten

Nur im manuellen Modus hast Du die volle Kontrolle.

Viele Fotografen sind in ihrem Workflow festgefahren, und wollen möglichst alles selbst kontrollieren. Leider lehnen sie dadurch auch technische Hilfen mit echtem Mehrwert ab.

Auch gibt es ein elitäres Gehabe um den manuellen Modus:

Ich bin ein guter Fotograf, weil ich manuell fotografiere.

Das ist eine viel zu mechanische Sicht auf eine kreative Kunst.

Inspirierende Reisebilder haben so viel mit der Technik zu tun, wie Malen mit der richtigen Pinselführung. Pinseltechnik ist zwar nötig, aber macht allein kein Meisterwerk.

Ein Wissenschaftler würde sagen, dass die richtige Technik in der Fotografie eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für ein gutes Bild ist.

Soll heißen: Du kannst Deinen großen Zeh noch so knackscharf und farbgenau ablichten, aber das interessiert höchstens Deinen Orthopäden.

Lass Dir also so einen Mist nicht einreden. Es ist überhaupt keine Schande, sich auf die Automatik einer modernen Kamera zu verlassen.

Erst wenn die Automatik Dich limitiert und nicht Deine gewünschten Ergebnisse liefert, musst Du manuell nachhelfen.

film

"Film is not dead"?

Exkurs #6: ISO

Manchmal spricht man vom Belichtungsdreieck mit ISO, Blende und Belichtungszeit oder der ISO wird gar als Gestaltungsfaktor angeführt. Das ist ein Relikt aus Filmzeiten, wie vieles in der Fotografie.

Bei digitalen Kameras bezeichnet der ISO nicht mehr die Sensitivität des Films, sondern die Signalverstärkung im A/D-Wandler, also ähnlich wie der Helligkeitsregler in der Nachbearbeitung.

Viele moderne Sensoren (Ausnahme: Canon) sind „ISO-frei“. Das heißt, es macht bei RAW keinen Unterschied, ob Du einen höheren ISO einstellst und von der Kamera aufhellen lässt oder stattdessen um einige Stops unterbelichtest und in der Nachbearbeitung selbst aufhellst.

Je höher der ISO, desto mehr wird also das Foto unterbelichtet, um es später durch aufzuhellen. Ein Bild extrem unterzubelichten ist keine gute Idee, denn dadurch leidet die Qualität bei:

  • Bildrauschen
  • Dynamikbereich
  • Farbtiefe

Trotzdem ist es bei schwachen Lichtverhältnissen immer noch besser ein verrauschtes Bild zu haben, als ein verwackeltes oder gar keins.

Wenn Du zum Beispiel auf einem Konzert oder auf einem Nachtmarkt fotografieren willst, dann jage den ISO ruhig manuell hoch, aber vergiss nicht ihn danach zurückzustellen, sonst verrauscht es Dir auch die Bilder am nächsten Tag.

Besser als naiv aufzuhellen, ist es natürlich selektiv aufzuhellen, also verstärkt in den Schatten. Das machen die meisten modernen Kameras automatisch, zumindest wenn Du es aktivierst (Sonys DRO, Nikons D-Lighting, Canons Auto Lighting, Samsungs Smart Range, Fujis D-Range, …)

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Unterschiedliche ISO (3 Stops Unterschied)

Exkurs #7: Sensorgröße

Welcher ISO-Wert noch eine gute Bildqualität liefert, hängt von der Sensorgröße Deiner Kamera ab. Die Sensorgröße ist nicht nur deswegen der wichtigste Faktor beim Kauf einer Kamera.

Es gibt eine nützliche Faustformel, die sagt, dass die Qualität quadratisch mit dem Crop-Faktor (CF) des Sensors abnimmt.

Als Beispiel für diese Formel ein Vergleich der qualitativen Äquivalenz zwischen einer Kompaktkamera mit 1 Zoll Sensor (CF 2,7) wie der Canon G7X und einer professionellen Vollformatkamera (CF 1,0) wie der Sony A7:

  • ISO 100 bei der Kompaktkamera ist qualitativ äquivalent zu ISO 729 (2,7² x 100) bei der Vollformatkamera
  • ISO 550 bei der Kompaktkamera ist qualitativ äquivalent zu ISO 4010 (2,7² x 550) bei der Vollformatkamera

Deswegen schleppen Profis solche großen und teuren Kameras herum: Je größer der Sensor, desto größer die Schwachlicht-Leistung und desto besser die Bildqualität unter Optimalbedingungen beim Basis-ISO.

Egal welche Kamera Du hast, merke Dir einfach, dass Du bei guten Lichtverhältnissen mit einem möglichst niedrigen ISO fotografieren solltest. Je kleiner der Sensor, desto kleiner Dein Arbeitsbereich.

Aber mach Dir keinen Kopf. Die Kamera macht das mit der Einstellung Auto-ISO von ganz allein. Ein guter Richtwert für den maximalen Auto-ISO ist die „Sports (Low-Light ISO)“-Zahl Deiner Kamera, siehe DXOMark.

Die Werte bei DXOMark sind gemessen, die Faustformel ist nur ein grober Richtwert.

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Übliche Sensorgrößen mit Crop Faktor

Exkurs #8: Gesamtschärfe

Im A-Modus ist nicht nur die Tiefenschärfe interessant, sondern auch die gesamte Bildschärfe. Die Blendenzahl wird logarithmisch als „f-Zahl“ mit f/x angegeben und wirkt sich auf die Gesamtschärfe so aus:

  • x zu hoch heißt Unschärfe durch Diffraktion, vor allem ab f/11
  • x zu niedrig heißt Unschärfe durch zu offene Blende, vor allem beim Minimalwert von x

Eine nützliche Faustformel besagt, dass bei vielen Objektiven die beste Gesamtschärfe etwa 2 Stops über der weit offenen Blende liegt. Das heißt Du musst den Minimalwert von x verdoppeln.

Ein Objektiv mit f/1,8 hat seinen Sweet Spot also ca. bei f/3,6. Wenn Du es exakt wissen willst, kannst Du den genau gemessenen Sweet Spot für Dein Objektiv auf DXOMark herausfinden.

Wenn Deine Kamera etwas taugt, dann sucht sie im P-Modus automatisch einen Blenden-Wert nahe dem Sweet Spot und passt ISO und Belichtungszeit entsprechend an. Das ist gut und richtig so.

Wenn Dir die Tiefenschärfe für ein Motiv relativ egal ist, solltest Du das auch im A-Modus manuell so machen.

Wenn die Blende weit offen ist, nehmen auch chromatische Apperationen und Vignettierung zu. Das ist beides mit modernen Bildbearbeitungsprogrammen kein Problem.

Die Schärfe allerdings ist verloren und noch dazu ist es mit weit offener Blende viel einfacher falsch zu fokussieren, weil der Circle of Confusion extrem klein wird.

Übrigens: Je kleiner x, desto größer ist wegen der logarithmischen Skala die Differenz, was einfallende Lichtmenge und damit Tiefenschärfe, Belichtungszeit und Gesamtschärfe angeht.

Zum Beispiel ist der Unterschied zwischen f/1,0 und f/1,1 4 Mal so groß wie der zwischen 2,0 und 2,1 und 64 Mal so groß, wie der zwischen 8,0 und 8,1.

Eine moderne Kamera mit elektronisch geregelter Blende sorgt dafür, dass jeder Klick einer lineare konstanten Differenz von 1/3 Stop entspricht. Das ist viel intuitiver, Menschen denken linear.

dxomark

Low-Light ISO-Werte © DXOMark

Welche Kamera?

Du hast noch gar keine Kamera oder bist mit Deiner Kamera nicht zufrieden? Es ist nicht mehr das Jahr 2012, also kaufe bitte als Reisekamera keine Digitale SPiegelreflexkamera (DSLR).

Profi-Kompaktkameras und spiegellose Kameras leisten das Gleiche, haben die gleichen Einstellungen und kosten mittlerweile auch nicht mehr die Welt, bei kompakter Größe und viel weniger Gewicht.

Wenn Du ein größeres Budget hast, Dich gerne auf Portrait, Architektur oder Tierfotografie spezialisierst und es Dir nichts ausmacht Objektive zu wechseln, dann schau Dir spiegellose Kameras an:

Wenn Du sowieso nur das Kit-Zoom-Objektiv verwenden willst, dann sind Profi-Kompakte die besseren Reisekameras, egal ob Canon G7X, Sony RX 100, Nikon DL 18-50 oder die etwas größere Panasonic LX100:

Du willst keine kleine Knipse? Von wegen Kniopse! Moderne Profi-Kompakte sind leistungsstärker als DSLR mit Kit-Objektiv.

camerasize

Kameras mit Kit-Objektiven © camerasize.com

Hat dieser Text Licht ins Technik-Dunkel gebracht oder Dich endgültig verwirrt? Schreib in die Kommentare.

Wenn Dir die technischen Möglichkeiten Deiner Kamera nicht ausreichen, versuche es mit Computational Photography.

 

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Deine Meinung? Sei freundlich. Verlinke ruhig.
  1. Christian sagt:

    Hey Flo,

    mal wieder ein sehr guter Artikel über die Grundlagen der Fotografie.

    Bei mir hat es sich mittlerweile so entwickelt, dass ich ausschließlich mit A fotografiere und den Rest der Kameraautomatik überlasse.

    Auch deine Aussagen zu manuellen Modus kann ich so unterschreiben. Ich kenne so viele, die einfach nur im M-Modus fotografieren, weil sie denken, sie würden dadurch bessere Bilder machen. So ein .. Käse .. Aber das ist leider auch die Generation, die denkt, dass Astroscapes nur mit Photoshop möglich wären.

    Grüße
    Christian

    Antworten
  2. Michael sagt:

    Ahoi,

    ein richtig schöner Artikel für Einsteiger. Gefällt mir gut! Fotografieren ist keine Wissenschaft und manchmal sind es schon die kleinen Dinge, die weiterhelfen. Denn mal ehrlich, wie viele von uns Reisebloggern benötigen tatsächlich DAS perfekte Foto, das es ins National Geographics schaffen soll? Ich für meinen Teil, brauche es nicht, wenngleich ich trotzdem sehr hohe Ansprüche an meine Fotos habe.

    Lg Michael

    Antworten
    • Du sprichst mir aus der Seele. Wie heißt’s so schön: „perfekt ist der Feind von sehr gut“.

      Der gangbare Mittelweg schaut für Social Media und Blogs anders aus, als für National Geographic. V.a. wenn man bedenkt, dass die letzten 10% an Qualität 90% des Aufwands und der Kosten ausmachen…

  3. Danke Flo für diese Übersicht. Ich bin ja begeistert am Fotografieren und im allgemeinen mein ich sind die Bilder gar nicht so schlecht. Das gewissen Etwas fehlt mir jedoch noch um endlich mit dem manuellen Modus durchzustarten! Dein Beitrag hilft mir da schon weiter! :-)

    Antworten
  4. Rob sagt:

    Hey Florian,
    das ist ein super Artikel über Fotografie. Ich hab mich auch mal als Fotograf probiert, natürlich auch im Urlaub weil ich die Landschaft und alles einfach einfangen und mitnehmen wollte. Wenn man die Grundlagen rausgefunden hat, wie du es beschreibst, macht man wirklich schöne Fotos, die sich sehen lassen können. :)

    Grüße aus dem Defereggental, Rob

    Antworten
  5. Kurt sagt:

    Danke für die 3 Tipps werde sie versuchen zu beherzigen:) Toller Beitrag!

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