Pseudo HDR: Bessere Fotos mit Kamera und Smartphone

Du kennst sie: hässliche Urlaubsbilder mit weißem Himmel. Mit Pseudo HDR kannst du Überbelichtung einfach vermeiden, egal ob mit Kamera, Smartphone, Multikopter oder Actioncam.

links: Pseudo HDR, rechts: normal

Einer der häufigsten Fehler beim Fotografieren ist eine falsche Belichtung. Besonders hässlich sind überbelichtete Fotos.

Das beste Urlaubsfoto sieht nichts aus, wenn Wolken blass und kontrastlos sind oder der Himmel ganz weiß ist.

Besonders anfällig für Überbelichtung sind kleine Sensoren, wie in

  • Kompaktkameras
  • Bridgekameras
  • iPhones
  • Android-Handys
  • Drohnen/Multikopter
  • Actioncams

Eine Lösung ist es eine Kamera mit großem Sensor zu verwenden, wie eine DSLR oder Systemkamera. Aber selbst die größten Sensoren kommen an ihre Grenzen, wenn eine Szene zu kontrastreich ist.

Eine viel einfachere und günstigere Idee ist es mit HDR (High Dynamic Range) zu fotografieren. Das ist leichter als es klingt, mit der richtigen Software oder App.

Dynamikbereich von Sensoren im Native ISO - Quelle: DXOmark

Warum HDR für Smartphones und Kameras?

Besonders wichtig ist HDR in der Smartphone-Fotografie und auch mit Kompaktkameras, Drohnen und Actioncams. Das liegt an den kleinen Sensoren, die schnell überbelichten.

Stell dir vor du willst eine Landschaft am hellichten Tag mit Schatten fotografieren. So eine Szene ist sehr kontraststark, mit einem Dynamikumfang von z.B. 12 eV. Du versuchst es mit diesen Kameras:

  • Vollformatkamera Sony A7 oder APS-C-Kamera Sony a6300
    Mit der richtigen Belichtung bekommst du mit 13 eV Sensor-Dynamikbereich alle Kontraste in den Kasten und hast noch etwas Spielraum
  • MFT-Kamera Olympus PEN E-PL7 oder Profi-Kompaktkamera Canon G7X:
    Du musst schon wirklich perfekt belichten, um mit 12 eV Sensor-Dynamikbereich alle Kontraste aufzunehmen
  • Multikopter DJI Phantom 4 oder Actioncam GoPro Hero 5
    Den ganzen Kontrastumfang schaffst du mit ca. 11 eV Sensor-Dynamikbereich zwar nicht, aber mit etwas Geschick kannst du die Anzahl von über- und unterbelichteten Pixel minimieren
  • Smartphone Samsung S6 Edge oder Apple iPhone 6
    Sorry, aber das wird nichts. Der Samsung S6 Edge Sensor kann im Bestfall 9,6 eV Dynamikbereich aufnehmen und die Szene hat 12 eV Dynamikumfang. Das iPhone 6 könnte hier auch nichts ausrichten, dessen Sensor hat einen schlechteren Dynamikbereich als beim Samsung.

Das ist der Bestfall in der Theorie. In der Praxis hast du wahrscheinlich selbst bei der Vollformatkamera mit einem theoretischem Sensor-Dynamikbereich von 13 eV Bildrauschen in den Schatten, auch im nativen ISO. Mehr dazu im Abschnitt zum RAW-Format am Ende des Artikels.

Mit HDR kannst du den Dynamikbereich erhöhen, um 4 eV oder mehr. So kannst du die Szene sogar mit einem Smartphone fotografieren. Außerdem kannst du Bildrauschen reduzieren, egal bei welcher Sensorgröße.

Alle Bilder in diesem Artikel sind mit der Canon G7X Profi-Kompaktkamera entstanden. Bei Smartphone, Actioncam oder Multikopter sind die Unterschiede noch größer.

Schau auch in meine Bestenliste aktueller Digitalkameras mit Vergleich der Sensor-Dynamikbereiche.

links Pseudo HDR, rechts x3: Belichtungsserie

Was ist HDR – High Dynamic Range?

HDR ist eine Foto-Technik, bei der du mehrere Bilder vom gleichen Motiv aufnimmst. Die Bilder sind verschieden belichtet und können in der Summe mehr Kontraste einfangen als ein Einzelbild.

Diese Belichtungsserie wird schließlich zu einem Bild zusammengefügt. Das kann automatisch in der Kamera oder im Smartphone passieren. Schönere Ergebnisse bekommst du mit einer guten Software am Computer.

Das Endresultat kann einen größeren Dynamikumfang zeigen, als eine Einzelaufnahme und kann Kontrast-Abstufungen besser darstellen. Eine HDR-Aufnahme kann besser den Dynamikbereich nachempfinden, den das menschliche Auge sieht (~20 eV).

Stell dir vor, du hast Sonnen-Reflektionen im Bild und ebenso dunkle Schatten. Für ein Einzelbild ist der Dynamikumfang zu hoch, also der Kontrast zwischen Dunkel und Hell. Mit HDR kannst du Licht und Schatten richtig aufnehmen.

Außerdem ist HDR zukunftssicher. Wenn du heute schon HDR fotografierst, bist du morgen vorbereitet, falls sich HDR-Bildschirme durchsetzen sollten.

links: Pseudo HDR, rechts: normal

Realistischere Bilder mit Pseudo HDR

HDR Bilder gelten als unrealistisch mit einem Cartoon-Look. Die Farben sind überdreht, es gibt Halos und die Schatten wirken künstlich hell.

Aber HDR-Bilder müssen nicht so surrealistisch aussehen. Es sind übertriebene HDR-Bilder, die auffallen. Gut gemachte HDR-Bilder siehst du täglich aber erkennst sie gar nicht.

Besonders unrealistisch sind HDR-Bilder, die mit Tonemapping entstanden sind. Tonemapping bietet sehr viele Möglichkeiten und damit auch viele Risiken.

Realistischer wirken Pseudo HDR-Bilder, die durch Belichtungsfusion entstanden sind. Dabei werden für helle Bereiche Pixel aus dem unterbelichteten Quellbild kopiert und für Schatten Pixel aus dem überbelichteten Quellbild. Du suchst dir quasi die besten Stellen zusammen.

Die Belichtungsfusion ist fast so alt wie die Fotografie selbst. Schon 1850 hat Gustave Le Gray 2 verschieden belichtete Negative zusammengefügt, um eine Welle zu fotografieren. Wellen waren für damalige Kameras viel zu schnell ;)

In der Digitalfotografie musste man früher die Einzelbilder manuell über umständliche Luminanzmasken zusammenfügen. Heute gibt es Software zur Automatisierung.

links: Pseudo HDR, rechts: normal

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Vor- und Nachteile von Pseudo HDR

Die Belichtungsfusion oder Exposure Fusion ist auch als Pseudo HDR bekannt, weil kein echtes HDR-Bild als Zwischenschritt erzeugt wird.

Das heißt nicht, daß Pseudo HDR eine minderwertige Version von HDR ist. Ich behaupte sogar Pseudo HDR liefert bessere Ergebnisse als klassisches HDR:

Vorteile von Pseudo HDR mit Exposure Fusion:

  • realistisches Gesamtbild
  • Farben bleiben unangetastet
  • keine Halo-Effekte
  • Reduktion von Bildrauschen
  • einfacher durch weniger Optionen
  • schneller zu berechnen

Vorteile von klassischem HDR mit Tonemapping:

  • mächtiger, mehr Effekte
  • mehr Software und Apps
  • künstlerische Bilder
  • 32 bit HDR-Datei für manuelles Tonemapping

Eine weitere Bezeichnung für die Belichtungsfunktion ist Dynamic Range Increase (DRI), also Dynamikbereich-Erhöhung.

links: Pseudo HDR, rechts x3: Belichtungsserie

Belichtungsserie mit Smartphone und Kamera

Egal ob HDR oder Pseudo HDR, du brauchst unterschiedlich belichtete Einzelbilder, am besten mit 2 Stops Belichtungsdifferenz, also +/-2. Fast alle Kameras, Smartphones, Actioncams und Drohnen machen automatisch eine Belichtungsserie mit der Funktion Auto Exposure Bracketing (AEB).

Hier sind einige Tipps, wie du AEB bei verschiedenen Kamera-Typen aktivierst:

  • DSLR, Systemkamera, Kompaktkamera, Bridgekamera
    Fast jede Kamera hat eine AEB-Funktion. Bei DSLRs ist es oft eine eigene Taste, während kleinere Kameras ihr Bracketing im Menü verstecken. Google deinen Kamera-Namen plus „Auto Exposure Bracketing“.
  • Apple iPhone
    Es gibt unzählige Apps mit AEB. Eine kostenlose App ist Skyflow und es gibt viele Alternativen.
  • Android-Smartphone
    Viele Android Kamera-Apps ermöglichen AEB. Eine kostenlose App ist Open Camera und es gibt viele Alternativen.
  • Actioncam GoPro Hero
    Die GoPro unterstützt überraschenderweise kein AEB. Du kannst trotzdem Belichtungsserien erstellen, per Smartphone Auslösung. Dazu brauchst du die App GoPro HDR für Android und iPhone.
  • Multikopter DJI Phantom
    AEB ist eine relativ versteckte Menüfunktion in den DJI Phantom Drohnen.

Für HDR musst du nicht das RAW-Format verwenden. Wenn du weißt was du tust, kann es aber auch nicht schaden.

Niedrigerer ISO, höherer Dynamikbereich - Quelle: DXOmark

HDR Fotografie Tipps für Belichtungsserien

Tagsüber und für normale Belichtungen ist das Fotografieren kaum anders als beim Einzelbild:

  1. AEB aktivieren
    Schalte das Auto Exposure Bracketing deiner Kamera an, wie oben beschrieben. Wenn eine Kamera kein AEB hat kannst du manuell mit der Belichtungskorrektur +/-2 Aufnahmen machen.
  2. A-Modus einstellen
    Fotografiere möglichst im Blendenmodus, damit die Tiefenschärfe der Belichtungsserie konstant bleibt.
  3. Kamera ruhig halten
    Ein Stativ brauchst du dank Photomatixs Bild-Ausrichtung nicht, aber halte die Kamera während der Belichtungsserie möglichst ruhig.
  4. Personen ruhig halten
    Personen im Bild sollten möglichst für die Dauer der Belichtungsserie ruhig halten. Deghosting funktioniert zwar, aber sollte Plan B sein, nicht Plan A.

Nachts gelten zusätzlich die gleichen Tipps, wie für alle Langzeitbelichtungen

  1. niedriger ISO
    Stelle für den besten Dynamikbereich möglichst den Native ISO ein, also den kleinstmöglichen ISO-Wert deiner Kamera.
  2. M-Modus einstellen
    Normalerweise reicht für eine Langzeitbelichtung der S/Tv-Modus. Aber weil du die Blende konstant halten willst, musst du den manuellen Modus verwenden.
  3. Stativ einsetzen
    Setze die Kamera auf ein Stativ oder lege sie auf einer festen Oberfläche ab.
  4. Zeitauslöser verwenden
    Stelle den 2 Sekunden Zeitauslöser ein, damit du beim Auslösen nicht verwackelst.

Vergleich von Enfuse und Photomatix

Pseudo HDR Software mit Exposure Fusion

Überraschenderweise beherrschen die wenigsten HDR Programme Exposure Fusion. Selbst beliebte Software wie Aurora HDR, Luminance HDR, Nik Efex Pro, Lightroom oder Photoshop können kein Pseudo HDR.

Von den vorhandenen Pseudo HDR Programmen verwenden etwa die Hälfte das Open Source Projekt Enfuse als Grundlage und bauen nur eine Benutzeroberfläche darauf auf. Ich habe selbst lange Enfuse mit den Hugin Droplets verwendet und war damit jahrelang zufrieden.

Dann habe ich zum ersten Mal Photomatix Pro* probiert und bin sofort gewechselt. Ich kenne keine auch nur annähernd so fortgeschrittene Belichtungsfusion bei anderen Programmen.

Photomatix Pro bietet gleich 3 verschiedene Fusions-Modi. Zwei davon haben einen Slider für lokale Kontraste, den du vielleicht vom Tonemapping kennst. In keiner anderen Pseudo-HDR-Software gibt es einen lokalen Operator.

Photomatix bietet außerdem eine fortgeschrittene Ausrichtungsfunktion für Belichtungsserien ohne Stativ. Dazu kommt ein wirkungsvolles Deghosting zum Verhindern der Geisterbilder, die bei Bewegungen von Personen entstehen. Außerdem gibt es einen Batchmodus, mit dem du Tausende von Pseudo-HDRs auf einmal entwickeln kannst.

Photomatix Pro gibt es für Windows und für Mac OS, sowie als Plugin für Adobe Lightroom.

links: Pseudo HDR, rechts: normal

Pseudo HDR Workflow mit Photomatix Pro

Belichtungsfusion mit Photomatix Pro* geht in wenigen Schritten:

  1. Gehe auf „Lade Belichtungsreihe“ und wähle deine Bilder aus, z.B. per Drag&Drop
  2. Lasse alles wie es ist und wähle „Rauschreduzierung nur mit unterbelichteten Bildern“
  3. Erhöhe „Deghosting“, bis alle Geisterbilder verschwinden, 60 sollte fast immer reichen
  4. Wähle bei Prozess „Exposure Fusion“ und bei Methode „Fusion/Natürlich“, „Fusion/Innnenraum“ oder „Fusion/Intensiv“
  5. Stelle die Regler ein, bis du mit der Vorschau zufrieden bist
  6. Klicke „Anwenden“ und dann „Speichere Finalbild“

Du musst nicht jedes Bild einzeln bearbeiten. Wenn du für dich passende Settings gefunden hast, kannst du Tausende von Bildern auf einmal mit dem Batch-Modus entwickeln. So mache ich das alle paar Tage.

links: Pseudo HDR, rechts: normal

Einstellungen und Tipps für Photomatix Pro

Es gibt keine objektiv besten Settings. Welche Einstellungen für dich funktionieren musst du selbst herausfinden. Das hängt auch von deiner Kamera ab, der jeweiligen Belichtung und ob du die Bilder vorher bearbeitest.

Wenn es dir so geht wie mir, wirst du tagelang mit den verschiedenen Settings herumspielen. Dann stellst du fest, daß die Settings für manche Bilder nicht funktionieren und fängst von vorne an ;)

Mein Tipp ist nicht zu viel mit den Reglern zu spielen. Es gibt leider bei manchen Reglern unvorhersehbare Nebenwirkungen bei manchen Bildern. Am besten du lässt möglichst viele Regler in der Ausgangsposition.

Ein weiterer Ratschlag, versuche nicht die Details und den gesamten Dynamikbereich gleichermaßen zu optimieren. Das geben heutige Bildschirme gar nicht her. Am besten du priorisierst eins von beiden.

Du solltest außerdem darauf achten, daß ein möglichst großer Anteil deiner Bilder gut aussieht. Nur dann kannst du deine Bilder automatisch im Batch-Modus entwickeln, ohne dauernd nachzubessern.

Ich habe anfangs viel mit der „Fusion/Natürlich“-Methode gespielt. Letztendlich ist mir die Erhöhung des Dynamikbereichs damit aber zu klein.

Meine bevorzugte Methode ist „Fusion/Innnenraum“, selbst für Landschaften. Das liegt vor allem an dem großen Dynamikbereich.

Ich erhöhe „Lokale Kontraste“ von 2 auf 4 für bessere Details. „Schatten“ helle ich auf von 0 auf 2. „Highlights Tiefe“ erhöhe ich von 0 auf 2 für einen kontrastreicheren Himmel. Hier ist die Photomatix Preset-Datei für meine bewusst einfachen Settings.

Diese Settings funktionieren bei 999 von 1.000 meiner Bilder gut bis sehr gut. Bei ca. 0,1% meiner Aufnahmen wird der Himmel extrem dunkel. Bei diesen Bildern muss ich „Highlights Tiefe“ auf mindestens 9 setzen. Das kannst du vermeiden, wenn du von vornherein „Highlights Tiefe“ auf 9 setzt. Aber mir ist dieser Look auf Dauer zu unnatürlich.

links: Pseudo HDR, rechts: normal

Kann ich HDR aus einem RAW entwickeln?

Ich fotografiere einfach im RAW-Format und ziehe dann die Schatten hoch. Das reicht, oder?

Ne sorry, das reicht nicht, außer du stehst auf Bildrauschen. Dein Kamerasensor kann nur einen bestimmten Dynamikbereich aufnehmen. Daran kannst du in der Nachbearbeitung nichts ändern.

Es hilft auch nichts aus einem RAW 3 Einzelbilder mit +/-2 und daraus ein HDR zu entwickeln. Du bereitest so nur die Informationen anders auf, die eh schon im RAW sind*. Nur eine Belichtungsserie kann den Dynamikbereich des Sensors erweitern.

Der praktisch mögliche Dynamikbereich ist außerdem oft kleiner als der vom Kamera-Hersteller oder DXOMark angegeben. Das hat drei Gründe:

  1. Bei den Schatten ist das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) schlechter als bei den Lichtern. Das ist Physik.
  2. Die DXOMark Messung schließt als Dynamikbereich alles mit einer SNR größer als 1 ein. SNR 1 würden die meisten von uns schon als verrauscht empfinden.
  3. RAW-Daten vom Sensor sind linear verteilt, statt logarithmisch. Für die Schatten steht bei der Quantisierung nur ein winzig kleiner Bruchteil der Gesamt-Bits zur Verfügung. Da helfen auch 14 bit A/D-Wandler, ETTR und der beste Sensor nur wenig.

Wenn du nur Einzelbilder im RAW-Format aufnimmst, verschenkst du viele Informationen. Fotografiere Belichtungsserien, um nicht durch deinen Sensor limitiert zu sein.

links: Pseudo HDR, rechts: normal

Müssen Belichtungsserien in RAW sein?

Das RAW-Format hilft, wenn das in der Kamera erzeugte JPEG nicht den kompletten Dynamikbereich des Sensors zeigt. Dann kannst du aus dem RAW extra Schatten oder Lichter retten, die im JPEG fehlen.

Das sollte aber heutzutage gar nicht mehr passieren. Moderne Kameras haben schöne S-Kurven beim Tonemapping auf JPEG in der Kamera und eine automatische Kontrastkorrektur, die Clipping verhindert.

Bitte beachte, daß die Kontrastkorrektur bei manchen Kameras nur im JPEG-Modus funktioniert und nicht im JPEG+RAW-Modus. Teste das unbedingt aus oder verzichte gleich auf den eher problematischen JPEG+RAW-Modus.

Die automatische Kontrastkorrektur heißt bei jedem Hersteller anders:

  • Canon: Auto Lighting Optimizer
  • Nikon: Active D-Lighting
  • Olympus: Auto Gradation
  • Pentax: Shadow Adjustment
  • Sony: Dynamic Range Optimizer
  • Panasonic: iDynamic

Du musst mit modernen Kameras nicht mehr im RAW-Format fotografieren, um den maximalen Dynamikbereich des Sensors zu nutzen. Schalte einfach die automatische Kontrastkorrektur deiner Kamera an.

Beim Dynamikbereich hilft RAW nur selten. Aber das RAW-Format hat verglichen mit JPEG mehr Spielraum bei Weißabgleich, Rauschreduktion und beim Schärfen. Um davon zu profitieren, musst du Bilder aber einzeln entwickeln.

Wenn dir der zusätzliche Aufwand und der hohe Speicherbedarf egal ist, dann fotografiere im RAW-Format. Es schadet nicht und kann manchmal helfen.

Wenn du nicht nachbearbeiten willst, dann fotografiere im JPEG-Format. Die JPEG Ergebnisse vieler moderner Kameras sind ausgezeichnet und du musst nicht alle Fische fangen.

links: Pseudo HDR, rechts: normal

Photomatix Pro oder Photomatix Essentials?

Photomatix Pro ist mit 80€ nicht günstig. Du bekommst dafür eines der mächtigsten HDR-Programme auf dem Markt.

Beim Tone-Mapping gibt es zwar günstigere und sogar kostenlose Alternativen, wie z.B. Nik Efex Pro. Aber bei der von mir empfohlenen Belichtungsfusion ist Photomatix Marktführer.

80€ für eine Software klingt nach viel zu viel Geld. Stell dir vor Photomatix ist Zubehör um deine Kamera aufzuwerten. Im Vergleich zu einem neuen Objektiv oder gar einer neuen Kamera sind 80€ ein Schnäppchen, oder?

Es gibt auch eine abgespeckte Essentials Version für 30€. Die hat aber viele Nachteile*, darunter 3 schwerwiegende:

  • keine „Fusion/Innnenraum“-Methode
  • kein Batch-Modus
  • kein Lightroom-Plugin

Für mich ist Photomatix Essentials deswegen nutzlos. Wenn du nicht sicher bist, kannst du erst Essentials kaufen und später für den Differenzbetrag auf Pro upgraden.

Es gibt außerdem eine voll funktionsfähige Trial-Version*. Das Bild bekommt mit der Trial-Version ein Wasserzeichen verpasst. Abgesehen davon kannst du damit super testen.

HDR und Belichtungsfusion sind nur zwei Anwendungen von Computational Photography.

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Deine Meinung? Sei freundlich. Verlinke ruhig.
  1. Oli says:

    Hi Florian,
    schön, dass du den Artikel doch noch geschrieben hast. Wir hatten ja in Äthipion schon über das Thema geredet. Ich bin auch ein grosser Fan von HDR. Da ich nicht so viel Lust habe, Bilder lange nachzubearbeiten, verwende ich zunehmend mein Handy zum Fotografieren. Das hat nämlich einen sehr guten HDR-Modus, mit dem insbesondere Gegenlichtaufnahmen deutlich besser werden als die Bilder meiner klassischen Kameras. Ich werde das nun aber mal mit der Nachbarbeitungssoftware versuchen, da die Handybilder nicht immer ganz scharf sind.
    Gruss,
    Oli

    Antworten
  2. Julian says:

    Ich habe auch einige Zeit mit verschiedenen Techniken experimentiert, mittlerweile schieße ich aber fast ausschließlich RAW-Einzelbilder. Ich kann das RAW-Format nur empfehlen, da RAW-Converter durch die Mehrzahl an Sensor-Informationen im Vergleich zu JPEGs Bildbereiche errechnen können, selbst wenn diese im Foto gar nicht voll vorhanden sind. Der Dynamikbereich bleibt damit zwar theoretisch der gleiche wie bei einem JPEG, doch die Rauschreduzierung macht den Unterschied: Bei nicht-HDRs lässt sich damit selbst ein ISO 400 Bild auf das Rauschen eines nicht nachbearbeiteten ISO 100 JPEGs reduzieren, hier ist sogar ein Beispiel mit ISO 1600. Während ein JPEG-Einzelbild bei Hochziehen der Schatten ziemlich schnell ziemlich körnig aussieht, kann bei guten RAW-Convertern wie Adobes Camera RAW das Rauschen wieder herausgerechnet werden, zumindest bei in normalen Lichtverhältnissen aufgenommenen Fotos. Das Ergebnis ist im Normalfall sehr gut und reicht zum A2 Druck und zur Annahme bei Stockfoto-Agenturen, die die Fotos auf 100% Zoom auf Rauschen untersuchen. Zudem gefällt mir der Workflow in Lightroom als kombiniertes Verwaltungs- und Bearbeitungsprogramm sehr gut und spart viel Zeit im Vergleich zu Windows Expolorer und einem zusätzlichen Bildbearbeitungsprogramm.

    Ich erziele mit einem einzelnen in Lightroom nachbearbeiteten RAW-Foto bei normalen Lichtverhältnissen keine schlechteren Ergebnisse als mit Pseudo-HDRs aus drei JPEGs; Belichtungsreihen für PseudoHDRs/HDRs schieße ich nur bei extremen Kontrasten, vielleicht bei 2% der Gesamtfotos. Zur Datensicherung unterwegs sind RAWs natürlich nicht so toll, aber da gibt es in Lightroom die Funktion, die Fotos als verlustreiches DNG zu exportieren/umzuwandeln, was als Backup völlig ausreichend ist und bei ähnlicher Dateigröße mehr Informationen als ein JPEG liefert.

    Antworten
    • Hi Julian,

      fortgeschrittene Rauschreduktion macht einen großen Unterschied. Nik Dfine 2.0 überrascht mich immer wieder.

      Trotzdem würde ich nicht behaupten, daß ein Einzelbild eine Belichtungsserie im Alltags-Gebrauch ersetzen kann. Ich weiß nicht was dein Sensor für einen Dynamikbereich hat. Für meine 1-Zoll Profi-Kompaktkamera Canon G7X stimmt das nicht.

      Es ist wichtig über was für Kameras wir reden: ISO 1.600 bei einem 1-Zoll Sensor (CF 2,7) ist ungefähr äquivalent zu ISO 5.000 bei APS-C (CF 1,5) und ISO 12.000 bei Vollformat (CF 1,0). Die Näherungsformel für Rausch-Äquivalenz ist ISOxCF² oder du schaust bei DXOMark für die gemessenen ISO-Kurven.

      Bei meiner Profi-Kompakten mit einem 1-Zoll Sony-Sensor fotografiere ich Belichtungsserien bei ca. der Hälfte meiner Bilder. Bei folgenden Kameras würde ich noch weniger Einzelbilder machen:

      • Kamera ohne Sony-Sensor
      • ältere Kamera
      • Bridgekamera
      • Drohne
      • Actioncam
      • Smartphone

      Ich finde nicht daß man bei JPEGs die Schatten aufhellen sollte, zumindest nicht mehr als ca. 1-2 Stops. Das lässt man besser die Kamera machen, vor der Konvertierung zu JPEG. In aktuellen Kameras kannst du die Kamera Lightroom spielen lassen. Wenn das JPEG erstmal fertig ist, sollte man nicht mehr viel ändern müssen. Sonst ist es das falsche Dateiformat.

      Photomatix Pro gibt es übrigens als Lightroom Plugin, also an deinem Workflow musst du nicht viel ändern.

  3. Jules says:

    Hey Flo,

    hoffe Du kannst Dich noch an mich aus der Würzburger TEAM-Zeit erinnern…. Dei legendäre erste OrgaWare-Feier werde ich nicht vergessen!
    Habe Deinen Artikel recht spannend gefunden, allerdings verstehe ich nicht, warum Du Belichtungsreihen-HDR als Pseudo-HDR bezeichnest.
    Unter Pseudo-HDR verstehe ich die Erzeugung von künstlichen Belichtungsreihen im Entwickler anhand eines RAW-Bildes, welche zu einem HDR verarbeitet werden.
    Unter Tone Mapping verstehe ich eine klassische Dynamikkompressionsmethode, welche unabhängig von HDR angewendet werden kann. Aber vielleicht habe ich das auch nur falsch verstanden..
    Einen Tipp habe ich noch für Dich zum Thema Unter- und Überbelichten. Wie Du richtig festgestellt hast, ist eine Unterbelichtung immer eine schlechte Wahl, da ja das Helligkeits-Auflösung in der Tiefe logarithmisch abnimmt. Hast Du schon einamal mit „Expose To The Right“ gearbeitet? Heißt im Wesentlichen immer so hell wie möglich das Histogramm ausrichten (also nach rechts, natürlich ohne zu schneiden, oder anders gesagt: gezielt überbelichten) um dann im Entwickler wieder runterzuregeln.
    Damit bekommst Du in den Tiefen mehr Helligkeitsstufen, da sie vom Sensor in den Lichtern aufgenommen wurden. Das macht immer dann Sinn wenn das Histogramm in der Breite nicht vollständig ausgereizt wird, aber trotzdem ein hoher Kontrast vorhanden ist. Kannst ja mal berichten.

    Liebe Grüße aus Berlin und weiter so!

    Antworten
    • Hi Jules,

      das mit den Begriffen rund um HDR ist so eine Sache. Eigentlich dürfte ich in dem Text das Wort „HDR-Bild“ überhaupt nicht verwenden. Ein echtes HDR-Bild hat nämlich 32-bit Farbtiefe. Wenn du so ein 32-bit Format zurück auf ein 8-bit JPEG mappst, dann bist du wieder bei einem „LDR-Bild“. Umgangssprachlich wäre das trotzdem das, was wir unter einem „HDR-Bild“ verstehen, weil du einen größeren Dynamikbereich darstellst. Deswegen habe ich die umgangsprachliche Version verwendet und ich warte ehrlich gesagt nur auf den ersten, der mich belehrt ;)

      Mit anderen Worten: Alle Bilder, die du 2017 zu GEsicht bekommtst sind LDR, nicht HDR! Eventuell kann einer diese neumodischen HDR-TVs ein echtes 32-bit HDR anzeigen, aber normale Bildschirme können das nicht. Also genau genommen ist das alles Pseudo-HDR.

      Der Begriff „Pseudo-HDR“ war mir ehrlich gesagt selbst neu. Der ist mir aber im Zusammenhang mit Exposure Fusion/Belichtungsfusion immer wieder begegnet und scheint als Synonym verwendet zu werden, in Abgrenzung zum Tonemapping. Kannst den Begriff ja mal googlen, war nicht meine Idee. Ich finde den Begriff übrigens auch aussagekräftiger als Belichtungsfusion, obwohl er abwertend klingt.

      Für ein HDR aus einem Einzelbild-RAW braucht man meiner Meinung nach keinen Begriff. Die gleichen Daten bekommst du auch direkt aus dem RAW. Das ist keine Technik sondern ein weglassbarer Umweg, siehe Erklärung im Text.

      Expose to the Right (ETTR) ist mir geläufig, ist ja unter Profis weit verbreitet. Es macht auch viel Sinn das Histogramm möglichst weit nach rechts zu schieben, wo die meisten Bits sitzen, wie du schon gesagt hast.

      Die Frage ist halt, wie praxistauglich ETTR ist. Die Automatiken aller Kameras belichten JPEGs richtig und RAWs falsch. Das heißt du musst mit der Belichtungskorrektur nachbessern oder gleich manuell schießen und wahrscheinlich mehrere Aufnahmen in Folge machen, bis es passt. Es hilft übrigens auch nicht das Gesamt-Histogramm anzusehen. Du musst alle Farbkanal-Histogramme einzeln betrachten. Blau ist bei Landschaften oft vor rot und grün überbelichtet, genauso grün bei Waldszenen etc.

      Also wenn ich entscheiden muss zwischen dem umständlichen ETTR, das mir vielleicht 1-2 Stops bringt und HDR, das mir 4 oder mehr Stops bringt, dann sehe ich HDR sowohl vom Aufwand als auch vom Nutzen vorn. Ob ETTR eine Alternative ist, hängt auch von der Sensorgröße ab und ist sicher auch Geschmackssache.

      Grüssle nach Berlin, ich erinnere mich natürlich an die Firmen-LANs in Würzburg ;)

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