Unfluencer vs Overtourism: Liste der ungeschminkten Reiseblogs

Übertourismus wird immer schlimmer. Befolge 10 Tipps um Touristenhorden zu vermeiden.

Übertourismus bei den Plitvitzer Seen, Kroatien

Immer mehr Reiseziele ächzen unter dem Ansturm von Touristenhorden.

Beliebte Orte wie Machu Picchu oder Taj Mahal sind schon total überlaufen.

Übertourismus ist die Steigerung von Massentourismus und weltweit auf dem Vormarsch.

Selbst Individualreisende und Weltreisende sind nicht mehr davor sicher.

Es gibt mittlerweile sogar einen Backpacking-Massentourismus in Ländern wie Thailand oder Bolivien.

Was kannst du tun um Touristenhorden zu vermeiden?

Hier findest du Tipps und eine Liste von „Unfluencern“, die dich vor Übertourismus warnen.

Venedig ist das Standard-Beispiel für Übertourismus

Übertourismus ist schlechte Verteilung

Der Hauptgrund für Übertourismus ist die vermehrte Zahl der Touristen. Die ganze Reise-Branche wächst seit Jahren, besonders Schwellenländer wie China.

Was passiert, wenn eine viel größere Anzahl Reisende auf die gleiche Anzahl Reiseziele trifft? Übertourismus!

Die Anzahl der Reisenden zu senken wird schwer. Ganz im Gegenteil, es werden in den nächsten Jahren immer mehr Menschen die Koffer packen.

Die bessere Lösung ist es die Anzahl der Reiseziele zu erhöhen. Die Welt ist groß und es gibt mehr als genug Alternativen zu den ausgetretenen Pfaden.

Während die bekannten Orte am Touristenansturm ersticken, wünschen sich unbekannte Reiseziele mehr Touristen. Und die meisten sehenswerten Reiseziele sind unbekannt.

Candi Cetho auf Java - nebenan auf Bali sind Touristenhorden

Tipps gegen Übertourismus

Was kannst du als Reisender tun? Hier sind 10 Tipps gegen Übertourismus:

  1. Laufe 15 Minuten weiter
    15 Laufminuten von bekannten Sehenswürdigkeiten ist oft kein Tourist zu sehen.
  2. Mache Ausflüge auf eigene Faust
    Die meisten Touren kannst du auch ohne Guide mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen.
  3. Buche wenig im Voraus
    Bleib flexibel bei der Planung, um auf Touristenhorden reagieren zu können.
  4. Die Nebensaison hat Vorteile
    Regenzeit, Herbst und Frühling sind wenig touristisch und die Natur kann sogar schöner sein.
  5. Gehe nach günstigen Preisen
    Tourismus heißt hohe Preise. Das ist nur einer von vielen Gründen in günstige Länder zu reisen.
  6. Lasse beliebte Reiseziele ganz aus
    Es gibt keine „Must Sees“. Viele Bucketlists sind Auflistungen von Touristenfallen.
  7. Mache Couchsurfing bei Locals
    Du übernachtest abseits der Touristenviertel und hast einen lokalen Zugang zum Reiseziel.
  8. Iss lokale Gerichte der Landesküche
    Iss, wo die Locals essen. Du kommst raus aus den Touristenfallen und vielleicht ins Gespräch.
  9. Meide reservierbare Sehenswürdigkeiten
    Wenn du eine Sehenswürigkeit vorher online reservieren musst, ist sie wahrscheinlich überlaufen.
  10. Instagram ist Inspiration, nicht Information
    Auf Instagram siehst du nur die Schokoladenseite, informier dich auch über das Reiseziel.

Gerade der letzte Punkt wird immer wichtiger. Ein plötzlich „Instagram-berühmter“ Ort ist schlecht auf Touristenhorden eingestellt.

Instagram hat manchmal Mitschuld am Übertourismus

Übertourismus: die Mitschuld von Instagram & Reiseblogs

Stell dir vor du siehst Postkartenmotive auf Instagram von einsamen Stränden und verlassenen Sehenswürdigkeiten. Da willst du auch hin, oder?

Was nicht in der Bildunterschrift steht: Die Fotos wurden um 6 Uhr früh perfekt inszeniert, als die Touristenhorden noch im Bett lagen. Den Rest des Tages ist dieser Ort total überlaufen.

Nicht besser ist es in einem Reiseblog vom „magischen Traumstrand mit türkisblauem Wasser“ zu lesen. Aber wenn du dort ankommst erwarten dich Tausendschaften besetzter Liegestühle.

Solche Fotos und Beschreibungen sind nicht gelogen. Sie sind aber ganz schön irreführend. Sie verstärken durch das Weglassen der Schattenseiten das Problem des Übertourismus.

Einen Reisenden heute noch nach Tulum oder auf Ko Phi Phi zu schicken ist gemein, wenn mit keinem Wort erwähnt wird, was dort für ein Touristenzirkus gespielt wird.

Wenn es Influencer gibt, muss es auch „Unfluencer“ geben.

Taj Mahal Kopie in Aurangabad - weniger Touristen als das Original

Unfluencer: Liste der ungeschminkten Reiseblogs

Diese „Unfluencer“ warnen dich, wenn ein Ort zu touristisch ist:

(alphabetisch sortiert)

Die verlinkten Artikel sind nur Beispiele. Diese Reiseblogs erwähnen auch in Destinations-Artikeln, wo es zu touristisch ist oder lassen Touri-Hotspots ganz aus.

Die Liste ist unvollständig. Kennst du noch mehr Reiseblogger, die für Übertourismus sensibilisiert sind und in ihren Artikeln darauf hinweisen?

Dem Tourismus entkommst du auch mit Reisebloggern, die zu unbekannten Destinationen reisen. Eine off-the-beaten-path-Liste kenne ich leider nicht. Aber schau mal zu den Reisedepeschen für wenig bereiste Länder.

Südthailand ist touristisch, aber mit dieser Route erträglich

Übertourismus-Infos & -Routen im flocblog

Auch hier wird in Zukunft besser über Massentourismus und Übertourismus informiert. Das habe ich schon in den letzten Wochen verstärkt gemacht.

In meinen neuen Karten kennzeichne ich nicht nur ob ein Reiseziel sehenswert ist (groß bis klein). Ich markiere außerdem die Touristenzahlen (rot-gelb-grün).

Wenn du auf meinen Karten bei den grünen Punkten bleibst, bist du auch bei den Touristenzahlen im grünen Bereich.

Meine Routen versuchen außerdem die krassesten Auswüchse des Massentourismus zu umgehen, aber möglichst ohne die Highlights zu verpassen.

Indien und Südostasien sind schon fertig, andere Backpacker-Reiseländer werden folgen.

Zu diesem Artikel hat mich Oliver vom Weltreiseforum inspiriert. Er kommt zu einem ähnlichen Schluss zum Overtourism Problem.

Kennst du noch mehr Reiseblogger ohne rosarote Brille?

Dies ist eine meiner neuen Kolumnen. Da kommen noch mehr ;)

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Dieser Beitrag hat 28 Kommentare

  1. Ich kann der ersten Regel nur zustimmen, meistens reicht es aus ein paar Straßen weiterzugehen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie wenig mobil die meisten Touristen sind. In Medellín ist der Tourismus in den letzten Jahren explodiert und trotzdem sind fast alle Touristen entweder in Poblado oder Laureles. Und selbst in diesen Stadtteilen halten sich die Touristen nur in bestimmten Gebieten (z. B. Parque Lleras) auf. In meiner Nachbarschaft in Laureles (San Joaquin) war ich fast immer der einzige Ausländer.

  2. Hey Florian,
    sehr schöner Beitrag. Dein Tipp „Laufe 15 Minuten weiter 15 Laufminuten von bekannten Sehenswürdigkeiten ist oft kein Tourist zu sehen.“ ist der beste den es gibt. Nur du kannst 15 Minuten durch 5 ersetzen, da die meisten nicht mal eine Straße weiter gehen.

    Ich bin mal gespannt, wann Candi Cetho auf Java dann überlaufen wird. Solltest du lieber umbennenen ;)

    Viele Grüße,
    Julian

    1. Würde mich krass wundern mit Candi Cetho. Die meisten Balianer kommen nicht weiter als bis zum Bromo in Ostjava.
      Außerdem, stell dir vor die Horde an dem Instagram-Tempel verteilt sich gleichmäßig auf 10 andere Tempel. Das wäre doch gut, oder?

  3. Jep, das ist ein Problem… wir wissen es alle.
    Und dennoch sind viele der überlaufenen Orte natürlich auch überlaufen, weil sie schön ist. Venedig ist halt schön und auch Florenz und Rom sind es. Aber überall kommt man ziemlich schnell weg von den Massen, wenn man das möchte.

    Ich hab auf meinem Blog auch immer versucht, solche Alternativen darzustellen. z.B. alternative Museums-Tipps für Rom. Es gibt so viele großartige Museen in Rom, auch und gerade für diejenigen, die sich WIRKLICH für die antike Kunst interessieren. Man muss sich nicht durch die Vatikanischen Museen schieben:
    https://wandernd.de/2019/04/22/rom-sehenwuerdigkeiten-alternative-tipps/

    Und in Venedig gibt es ebenfalls fast Touristenleere Fleckchen – das großartige Castello z.B.
    Ok, wirklich Sehenswürdigkeiten kann man da nicht abhaken. Da es den meisten darum geht, wird das wohl so schnell auch nicht überlaufen sein:
    https://wandernd.de/2018/07/13/pietro-elena-venedigs-stiller-osten/

    Und die „15 Laufminuten-Regel“ kann man für Florenz schon auf eine „3 Laufminuten-Regel“ herunterbrechen:
    https://wandernd.de/2015/04/13/14-tipps-fur-florenz/

    Grundsätzlich versuche ich, Leuten auszureden, Florenz oder Venedig als Tagestrips zu unternehmen. Leider sehe ich auch immer wieder sehr viele Blogger, die genau das tun „Venedig an einem Tag“ etc. *schauder* Ich finde, genau das sollten wir nicht tun. Denn was sieht man von Venedig oder Florenz schon bei so einem Tagestrip? Nur überlaufene Gassen. Das sind dann die gleichen Leute, die sich über die überlaufene Stadt „beschweren“ (und dann z.T. daraus auch noch den Schluss ziehen, es rentiere sich nicht, dort länger zu bleiben… seufz)

    1. Stimmt, mehr Zeit hilft auf jeden Fall. Ich habe Venedig vor Jahrzehnten als Tagestrip von Jesolo (seufz) besucht und fand es einfach nur furchtbar. Vor ein paar Jahren waren wir dann 4 Tage dort. Das war eine völlig andere Stadt / Erfahrung.

      Es gibt sogar Leute, die Angkor Wat als Tagesausflug von Bangkok besichtigen…

      Danke für die Links, bist jetzt in der Liste.

    2. Ja, genau das… Ich glaube sogar: Je überlaufener eine Destination ist, desto mehr Zeit sollte man sich dort lassen, wenn man es wirklich besichtigen will.

  4. Hi Florian,
    danke für die Erwähnung. Mein Eindruck ist, dass inzwischen viele Blogs authentisch und ungeschminkt sind.
    Auf Instagram wird dann leider häufig zu viel aufgetragen. Aber du sagst schon richtig „Instagram ist Inspiration, nicht Information“. Dort geht es ja um Fotos und positive Attitude. Gefühlt will der User dort keinen Müll oder Menschenmassen sehen, sondern seinen Traum vom Paradies träumen. Und ein Bild, dass nicht die Idylle zeigt passt nicht in die schöne Galerie vieler Influencer… Schade eigentlich. Denn es kann ja jeder selbst entscheiden, ob er trotz Massen irgendwo hin geht oder eben nicht. Aber gut ist es, wenn der Reisende es vorher weiß und nicht um die Schönheit oder Einsamkeit eines Ortes „betrogen“ wird. Dann kann er z.B. immer noch sagen „Danke für die Info, aber ich will trotzdem mehrere Stunden für den Markusdom anstehen“ oder eben doch im Winter hinreisen oder ein alternatives Ziel wählen.

    Das mit der Verteilung auf andere Reiseziele ist ein interessanter Ansatz, den ich so bisher nicht betrachtet habe. Häufig hadert man ja mit sich selbst und fragt sich „soll ich den Spot wirklich erwähnen“? Es wäre klasse, wenn sich die Verteilung durch alternative Ziele ändern würde. Aber es besteht eben die Gefahr, dass neue Ziele dann auch überlaufen werden. Andererseits wollen viele Reisende eben doch ihre bekannten Highlights sehen, von denen sie schon seit Jahren gehört haben. Und dann hoppen sie von einem Spot zum nächsten und lassen die Alternativen außer Acht. Und das ist dann auch ok, Reisestile sind eben verschieden.

    Mal schauen was die Zukunft bringt und wie sich die Hotspots ändern.
    Super Kolumne und der Begriff „Unfluencer“ ist auch cool. Auch wenn die „Unfluencer“ zu Influencern werden, wenn es doch zu einer Umverteilung kommen sollte.

    1. Ja klar, Reisestile sind verschieden. Es geht ja um Information und nicht um Bevormundung. Ich bin auch allergisch, gegen Leute die mir sagen wollen, was ich machen soll.

      Mit „Unfluencer“ mein ich, dass du die negativen Seiten eines Ortes nicht verschweigst. Also das Gegenteil vom Influencer ;)

  5. Sehe das etwas anders: Welcher guter Blog warnt nicht davor, wenn es zu voll ist? Aber man sollte die „Macht“ der Blogs auch nicht zu hoch stellen. Da ist die Überschrift für mich ein wenig Effekthascherei…
    Wer einmal in seinem Leben nach Berlin fährt, will das Brandenburger Tor sehen und nicht Prenzlauer Berg. So ähnlich steht es auch im folgenden, wie ich finde sehr guten Artikel: https://karl-born.de/overtourismus-nur-quantitativ-denkende-tourismusmanager-gepaart-mit-behoerdeninkompetenz/ Das Thema muss von anderer Seite begonnen werden.
    Und: Sollte ein guter Reiseblog nicht immer ungeschminkt und authentisch sein? Also ich muss das nicht in manchen Artikeln betonen, um dennoch entsprechend zu berichten. Über Mainstream berichtet doch jeder, Blogs doch eher weniger.

    1. Sollte man meinen. Ist aber leider nicht so. Ich hatte meine liebe Not 20 Blogs zu finden, die klipp und klar sagen, wo der Touristenandrang hoch ist und wie man Touris vermeidet.

      Und ich habe bei der ausgedehnten Recherche gezielt Berichte zu super touristischen Orten gesucht, z.B. Prag, Bali, Paris, Venedig, Barcelona, Island, Mallorca, Neuseeland, …

      „Sollte ein guter Reiseblog nicht immer ungeschminkt und authentisch sein?“
      Ja, sollte!

      Übertourismus ist eben keine neuzeitliche Einbildung, wie der Artikel weismachen will. Das ist die Folge aus enorm wachsenden Touristenzahlen. Das ist ein echtes Problem und wird in Zukunft noch viel schlimmer.

      Deswegen sollten wir aufhören noch mehr Leute zu den immer gleichen Hotspots zu schicken. Oder wenn dann zumindest mit Warnung und Infos – man kann ja auch zeitlich verteilen.

      Das mag bei Städtereisen in Europa nicht so gut funktionieren, weil die Sehenswürdigkeiten „konstruiert“ sind. Das Brandenburger Tor ist ja für sich genommen nicht sehenswert und man kennt das ja auch zu genüge. Man fährt da hin, weil man halt da hinfahren „muss“.

      Stimmt schon, so eine Einstellung kann man als Reiseblogger leider nicht beeinflussen – auch nicht mit Alternativen. Man kann aber vielleicht dazu anregen den Aufenthalt auf das Selfie zu beschränken und dann was Anderes anzuschauen.

  6. Ich stand vor inzwischen schon 8 Jahren vor Öffnung frühmorgens in Chitzen Itza schon in einer riesigen Menschenmenge und bin dann bald wieder geflüchtet- Ek Balam nicht weit entfernt hatte ich dann fast ganz für mich allein!
    Für Bali kann ich nur sagen, dass es selbst dort jede Menge schöner untouristischer Plätze gibt – wenn man sich nur ein paar Kilometer von Ubud und Kuta weg bewegt und die Gillies aussen vor lässt! Ähnliches gilt auch für Neuseeland, aber
    grundsätzlich hast Du schon in fast allen Punkten recht und es gibt wirklich soviele Länder und Plätze auf unserer schönen Erde, die wenig frequentiert werden. Ich habe mir z.B. angewöhnt, bei Fahrten mit Mietwagen gern den Hinweisen auf die am kleinsten auf Wegweisern geschriebenen Orte zu folgen und habe so schon sehr überraschende Erfahrungen gemacht!

  7. Hi Florian,
    dank dir für die Nennung bei diesem wichtigen Thema. Der Begriff Unfluencer landet direkt in meinem Wortschatz und auf meiner nicht vorhandenen Visitenkarte.
    Ich bin der Meinung, dass es – wie so oft im Leben – die Mischung macht. Ich schaue mir gerne die bekannten Sehenswürdigkeiten an und weiß die meist auch zu schätzen, schließe eine Stadt jedoch vor allem abseits der üblichen Pfade ins Herz. Das ist z. B. in Venedig und Prag besonders stark der Fall gewesen.
    Allerdings war ich anfangs am Zweifeln, ob es die richtige Taktik ist, alternative Sehenswürdigkeiten zu nennen und damit dazu beizutragen, dass auch bisher vom Tourismus „verschonte“ Ecken ihre Ladung Touristen abbekommen. Ich bin dann aber wie du zu dem Schluss gekommen, dass es einfach ein Verteilungsproblem ist. Viele Touristen, die seltener Reisen, sind eben Herdentiere. Und als Reiseblogger hat man die Möglichkeit, einige von ihnen aus den überlaufenen Bereichen rauszulocken.
    Ich bin gespannt auf deine weiteren Kolumnen!
    Liebe Grüße
    Niklas

  8. Genau dieses Problem ist mir dieses Jahr in der Schweiz begegnet. Ja, tatsächlich in der ruhigen, gemütlichen Schweiz in einer der teuersten Ecken ;-) Da stockte mir auch der Atem und ich bin nun ebenfalls dabei etwas darüber zu schreiben. Gut, die meisten Deutschen reisen da eh nicht hin, weil es zu teuer ist, dennoch sollte es zu denken geben.
    Finde das gut, dass du darüber geschrieben hast!

    1. Ich hab kürzlich eine Doku über die Europa-Tour einer chinesischen Reisegruppe gesehen. Die fuhren 10 Tage lang durch den Kontinent, ohne wirklich etwas davon zu sehen (außer aus dem Bus raus) und waren dabei auch in der Schweiz. Ihr Eindruck: Das muss ein ganz armes Land sein, zum Glück haben die hier etwas Tourismus, sonst hätten die hier gar nix. Die führen hier ein ganz einfaches, karges Leben. Haben die überhaupt Internet?

      Ungefähr so, wie Europäer wohl über diverse Schwellenländer reden und denken…

  9. Hi Florian,
    ich bin bei Instagram auch gerade dabei, mich zum #uninfluencer zu entwickeln. Habe dort auch zuletzt über die übelst veralgten Strände und überlaufenen Maya-Stätten rund um Tulum in Mexiko berichtet: https://www.instagram.com/p/Bwmo4raB8Zg/
    Und #overtourism in Lissabon: https://www.instagram.com/p/B0gSlNdhboB/
    Das ist ein wichtiges Thema – und gerade Reiseblogger sollten sich immer auch ihrer Verantwortung bewusst sein. Deswegen vielen Dank für deinen Beitrag!

  10. Hallo Florian!
    Es ist ein wichtiger Anstoß, vor allem dahingehend, dass wir uns als Reiseblogger auch unserer Verantwortung bewusst sein müssen.
    In einem Punkt kann ich dir ganz persönlich nicht zustimmen: für mich gibt es Must Sees. Als ich das erste Mal im Rom war, wollte ich unbedingt das Kolosseum sehen. Oder in Barcelona die Sagrada Familia. Oder in Paris den Eiffelturm. Ich schau mir in jeder Stadt die wichtigste Kirche an, einfach weil es mich interessiert. Dass dort viele Menschen unterwegs sind, ist klar. Aber die bedeutendste Sehenswürdigkeit einer Stadt auszulassen, kommt für mich nicht infrage (zumal sie ja historisch auch sehr interessant sind).
    Im Allgemeinen schau ich aber auch, dass ich Massen entgehe. Vor allem in Venedig fällt mir auf, dass die Tagestouristen alle denselben Weg nehmen – zwei Straßen weiter ist es super ruhig. In Rom ist das ähnlich.
    Ich hab übrigens einen Beitrag über Rom abseits der Massen geschrieben, eben weil es gerade dort so viel mehr zu sehen gibt als die Top 5, an denen sich alles staut: https://reisepsycho.com/rom-geheimtipps/

    Lg Barbara

    1. Ok, sagen wir besser objektiv gibt es keine Must Sees.

      Du kannst natürlich für dich persönlich sagen, du willst unbedingt in die Sagrada Familia. Aber die Sagrada Familia gehört zu Barcelona so wie das Brandenburger Tor zu Berlin gehört. Kann man sehen, muss man nicht.

      Ich war rund 4 Wochen in Barcelona, aber noch nie in der Sagrada Familia. Bei der Schlange davor gewinnt bei mir der Fluchtinstinkt. Sehenswürdigkeiten anschauen ist auch wirklich nicht nötig, um in Barcelona ne hervorragende Zeit zu haben.

      Aber hey, jeder hat andere Prioritäten. Hauptsache man weiß, was einen erwartet. Ich sage „nein, danke“ und du sagst „ja, trotzdem“.

    2. @Florian: Ich glaube, man muss auch überlegen, warum man „ja trotzdem“ sagt.
      Schaut man sich Pompei an, weil einen die Antike wirklich interessiert? Oder „weil man das gesehen haben muss“?
      Das gleiche gilt wohl für die Sagrada Familia und die Alhambra. Interessiert mich die Kunst, die Geschichte? Oder hake ich einfach nur einen Punkt ab, ohne dass es mir ernsthaft wichtig wäre, ob ich jetzt das gesehen habe oder irgendwas anderes?

      Wenn ich z.B. lese, wie viele US-Amerikaner von Rom aus schnell einen Tagestrip nach Pompei machen, frag ich mich, warum sie nicht einfach nach Ostia fahren – da kann man sich genauso, nur viel ungestörter, eine römische Stadt anschauen. Aber man MUSS nach Pompei, wenn man schon da ist. Wer kennt schon Ostia? Das kann man daheim ja nicht erzählen.

    3. Die Motivation für einen Besuch von Pompei oder der Alhambra kannst du mit deiner Reiseerfahrung leicht beurteilen. Aber frag das mal einem Ami, der zum ersten Mal in Europa ist und noch nie ein Gebäude älter als 200 Jahre gesehen hat ;)

      Ich denke es gibt leider keinen anderen Weg, als erstmal ein paar schmerzhafte Erfahrungen mit dem Übertourismus zu machen. Erst dann ist man überhaupt offen für Alternativen und die Frage nach dem Warum.

  11. Hallo Florian,

    über Pinterest bin ich auf deinen Artikel gestoßen. Eine sehr tolle Zusammenfassung.
    Allerdings erlebe ich es immer wieder, dass, wenn man eine bestimmte Destination öffentlich nicht empfiehlt (eben aufgrund von Overtourism) sofort die Kritiker auftauchen und sagen, dass sie es dort aber toll fanden und es gar nicht so viele Leute waren.
    Wir hatten mal einen Artikel zum Thema Pro und Con Maya Ruinen Chichen Itza geschrieben. Weil wir einen Besuch kritisch sahen, wurden die Maya Ruinen bis aufs Übelste verteidigt. :D Ich glaube, dass doch mehr Leute als gedacht, das Thema Overtourism gerne überhören und nicht wahrhaben wollen.

    LG, Janine

    1. Hi Janine,

      also Chichen Itza ist wirklich kein Streitfall, das ist schon furchtbar überlaufen. Aber ich sage auch gar nicht, dass man den Leser bevormunden sollte. Es stimmt ja tatsächlich, dass manche Leute sich nicht an Touristenhorden stören.

      Was du beschreibst ist auch so ein Dilemma mit Reiseblogs. Wir dürfen als Reiseblogger ja eigentlich gar nicht kritisieren, zumindest wird das ungern gesehen. Reisezeit ist Zeit für Friede Freude Eierkuchen…

      Aber Informieren sollten wir auf jeden Fall. Wenn die Leute wissen worauf sie sich einlassen und trotzdem gehen, so be it. Aber wenn jemand deinen Artikel liest und danach ne einsame Maya-Ruine im Dschungel erwartet, ist was schiefgelaufen. ;)

      Und wenn Leser erfahren, dass die Tagestouristen aus Cancun und Playa del Carmen erst Mittags ankommen, können sie direkt in Piste oder Valladolid übernachten und den Vormittag ungestört am Castillo verbringen. Ne andere Möglichkeit um das Kritisier-Dilemma zu umgehen ist es untouristischere Alternativen zu erwähnen.

      Also ich finde „Chichen Itza Pro und Contra“-Artikel braucht die Welt. Aber vielleicht n bissl anders formulieren, z.B. „Chichen Itza und alternative Maya-Ruinen“.

      Grüssle,
      Florian

  12. Hi Florian,

    schöner Artikel und klasse, dass du das Thema Übertourismus aufgreifst. Der Begriff „Unfluencer“ gefällt mir ebenfalls sehr gut. Ich bin aktuell in Mexiko unterwegs und musste an der Karibikküste selbst mitansehen, welche Auswirkungen der Übertourismus auf ein ehemaliges Paradies, z.B. Cancun, Playa del Carmen und Tulum, hat. Da eine gute Freundin seit drei Monaten in Mexiko lebt, zeigte sie mir auf einem 2.000 Kilometer langen Roadtrip einige schöne Plätze im Inland fernab von Chichen Itza & Co., in denen (noch) kein Übertourismus herrscht.
    Leider sorgen wir als Blogger dafür, dass die Halbwertszeit so genannter Geheimtipps nicht lange anhält. Ein Thema, mit dem ich ehrlich gesagt auch nicht immer ganz klar komme und ab und an etwas zu kämpfen habe.
    So oder so sind weniger frequentierte Orte ohne lästige Influencer-Fotoshootings vor „Must Visit“-Sehenswürdigkeiten sowieso weitaus spannender. Daher genieße ich aktuell meine Zeit als einer der wenigen „Gringos“ in Queretaro, einer wunderschönen Kolonialstadt, deren Bekanntheit sich noch in Grenzen hält.

    Viele Grüße aus Mexiko, Daniel

    1. Hi Daniel,

      Tulum muss es leider ganz schlimm erwischt haben. Vor 6 Jahren war es noch halbwegs ok. Aber nur ein paar Stunden südlich in Belize gibt es mit Cerros eine untouristische Alternative – ebenfalls mit Maya Ruinen am Meer und tollem Strand.

      Meinste, weil ich Cerros jetzt verraten habe und auch zukünftig in nem Artikel zu Mexiko erwähnen werde, wird es bald zum neuen Tulum? Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Wenn überhaupt wäre eine kleine Entlastung von Tulum äußerst wünschenswert und Belize kann Touristen-Dollar wirklich gebrauchen.

      Ich finde wir sollten als Blogger so viele „Geheimtipps“ wie möglich rausposaunen. Es gibt ja für jeden touristischen Ort mindestens 10 Alternativen, die sich über Touristen freuen. Nur wenn wir es schaffen die Horden zu verteilen, bleiben all diese Orte genießbar.

      Dazu kann ich auch den Artikel vom Oliver empfehlen.

      Saludos a Mexico!

      P.S.
      Krass, ich empfand Qeretaro bei meinem Besuch als äußerst touristisch, vor allem im Zentrum. San Luis Potosi und Zacatecas waren bei mir deutlich ruhiger und selbst Morelia und Puebla waren vergleichsweise untouristisch. Aber das ist auch schon wieder ein paar Jahre her…

    2. Hi Florian,
      aktuell ist Queretaro tatsächlich recht ruhig – Puebla war es auch – aber frage mich nach dem Wochenende nochmal. ;-) Ja, Tulum hat es wirklich schlimm erwischt. Ich war zwar einmal zum Sonnenaufgang komplett alleine auf dem Gelände, aber ab 8 Uhr wird es dort recht voll.
      Und was die Geheimtipps betrifft, so gebe ich dir durchaus Recht, dass es Sinn macht, so viele wie möglich zu empfehlen und die „Horde zu verteilen“. Klingt nach einem guten Plan. Oliver und du haben mich definitiv dazu gebracht, mich mal ausgiebiger mit dem Thema „Overtourism“ auseinander zu setzen, eventuell sogar in Form eines Blogposts. Wenn, dann gebe ich gerne Bescheid.
      Dank dir auch für den Tipp mit Belize. Vielleicht schaffe ich es dorthin noch.
      Viele Grüße, Daniel.

  13. Grosses Lob für deine neue Kolumne. Ich finde es gut, wenn sich Blogger positionieren und vielleicht die eine oder andere Diskussion anstossen.

    Mein Lieblingssatz: „Es gibt keine „Must Sees“. Viele Bucketlists sind Auflistungen von Touristenfallen. “ Besser kann man das nicht formulieren. Overtourism ist nicht primär ein Mengenproblem, sondern ein Verteilungsproblem.

    PS: Vielen Dank für die Erwähnung(en)… :)

    1. Dem kann ich mich inahltlich nur anschließen.

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