10 Euro – ein perfekter Tag in Mumbai, Indien mit Insider-Tipps

Reden wir über Geld. Du hast 10 Euro in der Tasche und einen Tag Zeit um möglichst viel von Mumbai, der teuersten Stadt in Indien zu erkunden, geht das?

Klar geht das!

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Mumbais Wahrzeichen: Gateway of India

4,29 Euro Übernachtung im Schlafsaal und Frühstück

Achtung, Preise ändern sich schnell und dieser Artikel ist schon etwas älter. Für eine Stadtbesichtigung und Sparideen ist die Route immer noch ein super Anhaltspunkt.

Mumbai ist die wohlhabendste und teuerste Stadt in Indien. Selbst im Backpackerviertel Colaba zahlst Du mehr als 3 Mal so viel für ein Zimmer verglichen mit dem Rest von Indien. Die günstigsten Zimmer in Colaba gibt es lustigerweise im Guesthouse der Salvation Army. Ja genau, die Heilsarmee hat ein Guesthouse direkt hinter dem Taj Mahal Hotel und nur 1 Block vom Gateway of India entfernt!

Das Red Shield Guesthouse hat Dorms für 350 Rupien inklusive kleinem Frühstück und gefiltertem Trinkwasser, so viel Du trinken kannst. Wie gesagt, für den Preis bekommst Du fast überall in Indien ein Doppelzimmer, aber in Mumbai ist das Angebot der Salvation Army ein Schnäppchen. Das Red Shield Guesthouse ist außerdem die erste Wahl um andere Backpacker zu treffen, zum Beispiel um später gemeinsam den Dharavi Slum zu erkunden.
(350 Rs Dorm Bett und Frühstück)

Route auf Google Maps

Gateway of India

Laufe einen Straßenblock Richtung Hafen und Du siehst das Gateway, das Wahrzeichen Mumbais. Hier haben 1948 die letzten britischen Soldaten ihr Empire verlassen und sind zurück nach England ausgelaufen. Im Morgenlicht sieht das Gateway besonders schön aus, es lohnt sich früh aufzustehen. Das Gateway ist die Hauptattraktion Mumbais, entsprechend viel ist hier oft los. Die übertriebenen Security-Kontrollen mit Panzerfahrzeugen wurden wegen dem Bombenanschlag 2003 eingerichtet.

0,86 Euro Hafenrundfahrt

Direkt vom Gateway legen Fähren zur Insel Elephanta und zu den Stränden Alibag und Mandwa ab, für 100 Rupien hin und zurück. Wir haben heute keine Zeit für so einen langen Ausflug und machen nur die halbstündige Hafenrundfahrt für 70 Rupien. Du siehst vor allem Schiffe, Teile der indischen Marine und natürlich das Gateway und das Taj Mahal vom arabischen Meer aus. Das erste Boot fährt um 9 Uhr. Wenn Du zu früh dran bist, schau Dir erst Colaba an.
(70 Rs Hafenrundfahrt)

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Hafenrundfahrt

Colaba Touristen-Viertel

Colaba Causeway ist das Touristen-Viertel Mumbais. Hier gibt es Bars, Hotels, einen Supermarkt, „Official Tourist Information“ (private Touranbieter), McDonalds, alle möglichen Souvenirhändler und Shopping-Möglichkeiten, sowie natürlich Cafés mit Käsekuchen. Wenn Du am nächsten Tag unbedingt Statist in einem Bollywood Film sein willst, dann verbringe morgens etwas Zeit vor dem Café Leopold. Als Westler wirst du recht bald angesprochen und so kannst du morgen Deine 10 Euro zurückverdienen ;) Einen Bericht dieser intensiven Erfahrung findest Du auf Life is a Trip.

0,25 Euro Tee und Snack, z.B. Samosa, Vada Pav

Wir wollen raus aus dem Touristen Ghetto Colaba. Am nördlichen Ende von Colaba, dem Mukherjee Kreisverkehr, überquerst Du die Strasse zum imposanten Prince of Wales Museum. Wahrscheinlich bist Du mittlerweile wieder hungrig nach dem zu kleinen Frühstück. An der Bushaltestelle gibt es Snacks und Getränke. Gegenüber siehst Du das schöne koloniale Gebäude der National Gallery of Modern Art
(8 Rs Chai, 12 Rs Samosa oder Vada Pav)

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Mumbais hohes Gericht

Koloniales Erbe entlang der M.G. Road

Als die Briten abzogen, haben sie eine wunderschöne Stadt hinterlassen, die auch mitten in Europa stehen könnte. Einen guten Eindruck der vielen kolonialen Gebäude bekommst Du, wenn Du einmal die Mahatma Ghandi Road hinunterläufst. Du kommst vorbei am Hohen Gericht, an der Bombay Universität, an der Börse von Mumbai und an unzähligen Banken. Mumbai ist die „wirtschaftliche Hauptstadt Indiens“ und hat eine der größten Universitäten der Welt.

0,18 Euro Fruchtsalat

Auf der rechten Seite der Mahatma Ghandi Road findest Du eine Fußgängerpassage, mit vielen Marktständen. Einige Händler verkaufen frischen Fruchtsalat mit Papaya, Ananas, Wassermelone, Carambola und Chikoo.
(15 Rs Fruchtsalat)

Horniman Garten und Kricket Stadien

Wenn Du den Flora Brunnen erreichst, mache einen Abstecher nach rechts zum Horniman Garten, einer kleinen grünen Lunge in der Metropole. Du kommst vorbei an der Kathedrale des heiligen Thomas. Zurück am Flora Brunnen, gehst du einen Strassenblock in die andere Richtung um die beiden großen Kricket-Spielfelder von Mumbai zu sehen. Kricket ist indischer Nationalsport und auf den beiden Plätzen wird rund um die Uhr gespielt, so lange es hell ist.

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Die typischen Mumbai Busse sind zuverlässig

0,10 Euro Bus zur Haji Ali Dargah Moschee

Zurück am Flora Brunnen, gehst du die M.G. Road etwas zurück in südlicher Richtung bis zu der Bushaltestelle vor dem hohen Gericht. Dort wartest Du auf den Bus Nr. 83, 84, 86, 132 oder 133 in nördlicher Richtung zur Haji Ali Dargah Moschee. Die typischen roten BEST Busse in Mumbai sind sehr effizient und fahren häufig. Das Streckennetz ist eines der einzigen in Indien, das auf Google Maps eingetragen ist. Der Bus braucht etwa 50 Minuten, steige aus, wenn die meisten Leute aussteigen oder frage den Fahrer.
(8 Rs Bus)

Haji Ali Dargah Moschee

Auf einem Inselchen vor Mumbai im arabischen Meer steht diese bei Pilgern beliebte Moschee. Nicht zuletzt wegen ihrer spektakulären Lage ist die bald 600 Jahre alte Moschee einen Besuch wert. Du kannst über einen halben Kilometer langen Damm zur Moschee laufen, eigentlich das Highlight des Besuchs. An Freitagen und Samstagen ist die Moschee mit Pilgern überfüllt und auch sonst ist immer viel los.

Ich habe diese Moschee zum ersten Mal in einem tolles TV-Interview mit Fareed Zakaria zum moderaten Islam und Demokratie in Indien entdeckt und dachte mir nur „Wo ist dieser faszinierende Ort?“. Es ist die Haji Ali Dargah Moschee und ihr Damm in Mumbai: Walk The Talk with Fareed Zakaria. (leider bei Ebbe)

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indisches Veg Thali als Mittagessen

1,23 Euro Mittagessen

Zurück auf dem Festland, gibt es zwischen der Moschee und dem Mahalaxmi Tempel einige Restaurants. Ein Veg Thali kostet in Mumbai rund den doppelten Normalpreis. Thali heißt so viel wie Teller, also ein Mittagsgericht. In Indien bedeutet das ein Berg von Reis, mit verschiedenen wässrigen Curry und einem Roti. Trinkwasser ist inklusive und ja, man kann es in Mumbai bedenkenlos trinken.
(100 Rs Veg Thali)

Die größte Waschmaschine der Welt

Das Dhobi Ghat in Mumbai ist die „größte Waschmaschine der Welt“, betrieben natürlich von Menschenhand. Wenn Du Deine Wäsche in Mumbai waschen lässt, dann landet sie mit hoher Wahrscheinlichkeit hier. Laufe den Dr E Moses Marg entlang, bis Du die Metrostation Mahalaxmi erreichst, ca. 20 Minuten. Wenn Dir das zu weit ist, nimm an der ersten Bushaltestelle die Nr. 124 oder Nr. 351 bis Mahalaxmi. Von der Fußgängerbrücke über der Metro-Station hast du den besten Blick auf das Dhobi Ghat.

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Mumbais Metro

0,25 Euro Metro in Mumbai

Die Metro in Mumbai ist die älteste in Asien und nach Tokyo die zweitgrößte der Welt. Mumbais Metro transportiert jeden Tag 7 Millionen Menschen, obwohl die offizielle Einwohnerzahl Mumbais nur 12 Millionen beträgt. Die Metro ist Mumbais Lebensader. Jeder hat schon einmal die legendären Bilder von den überfüllten Wagen gesehen, aus deren offenen Türen links und rechts Menschen hängen.

Jetzt am frühen Nachmittag ist das Chaos nicht so schlimm und Du bekommst vielleicht sogar einen Sitzplatz. Später zur Rush Hour wird es schwierig sich überhaupt in die Metro zu quetschen. Auf dem Rückweg fahren wir aber stadteinwärts, da ist Abends weniger los, weil die meisten Menschen in der Stadt arbeiten und außerhalb leben. Löse gleich ein Rückfahrticket, dann musst du später nicht noch einmal anstehen. Fahre Richtung Norden auf der Western Line bis zur Station Mahim.
(2 x 10 Rs Metro Ticket)

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Dharavi, größter Slum Asiens

Besuch im Dharavi Slum

Wenn Du den Film Slumdog Millionär gesehen hast, dann kennst Du die Szenen aus dem Dharavi Slum, dem größten Slum Asiens. Bitte warte kurz, bevor Du „Katastrophentourismus!“ rufst. Im Dharavi Slum findest Du keine armen, depressiven Leute oder Bettler in der Gosse, zumindest nicht mehr als überall anders in Indien.

Die Gewerbe im Slum machen einen Jahresgewinn von 1 Mrd USD. Es gibt Restaurants, Tempel, Moscheen und Läden. Bei meinem ersten Besuch in Dharavi habe ich naiv gefragt, wie ich zum Slum komme. Die freundlichen Bewohner haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich schon längst im Slum bin. Ich hatte es nicht gemerkt, weil der Slum ganz normal nach Indien aussieht.

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Slum Bewohner

Rundgang im Dharavi Slum

Ein Besuch im Slum ist trotzdem interessant, weil Dharavi so ganz anders ist, als man sich einen Mega-Slum vorstellt. Wahrscheinlich sind asiatische Slums grundsätzlich nicht zu vergleichen mit Rio de Janeiro oder Mexiko City. Dharavi ist eine gute Vorbereitung auf Indien, wenn Du gerade erst gelandet bist. Denn mal ehrlich, der Rest von Mumbai könnte auch in einem anderen Land liegen.

Der Slum liegt genau zwischen den beiden Metro Linien West und Central. Du erreichst in von Mahim West über die Fußgängerbrücke außerhalb der Metrostation von der Strasse aus. Nimm unbedingt den gleichen Weg zurück, den Du gekommen bist, es ist sehr leicht sich in Dharavi zu verlaufen oder in eine Sackgasse zu geraten. Wenn Du Dich doch verläufst, versuche die Metrolinie zu finden, die Menschen sind sehr hilfsbereit.

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Marine Drive mit Nariman Point

Marine Drive Strandpromenade

Wenn Du genug vom Slum hast, erhole Dich am Strand. Mit der Metro fährst Du gen Süden bis zur Haltestelle Marine Lines. Wenn Du aussteigst, siehst Du schon das Meer. Obwohl Du hier fast zurück in Mumbais Altstadt bist, ist der Marine Drive der neueste Teil Mumbais. In den 1960ern wurde vor allem am Südende neues Bauland durch Landaufschüttungen gewonnen, direkt neben der Altstadt. Dieser Nariman Point ist einer der teuersten Baugründe der Welt mit wahnsinnig hohen Mietpreisen. Natürlich ist hier die deutsche Botschaft zu finden ;)

Die Teenager, die an der Meerespromenade des Marine Drives herumhängen haben anderes im Kopf und verhalten sich fast wie Teenager in Europa. Biege nach rechts ab und bummle an der Promenade entlang. Hier am Marine Drive lässt es sich leicht vergessen, dass Du in Indien bist. Wenn Du keine Lust auf den Spaziergang am Meer hast steige in der Metro eine Haltestelle vorher aus an der Haltestelle Charni Road und gehe von dort direkt über die Strasse zum Chowpatty Beach.

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Jugendliche am Marine Drive

0,61 Euro Abendessen am Chowpatty Beach

Nach rund 30 Minuten Strandpromenade erreichst Du den Strand. Chowpatty ist Abends beliebt bei indischen Familien, für ein gemeinsames Picknick. Mach auch Du ein Picknick, gleich am Eingang links sind unzählige Fressstände. Die Spezialität schlechthin in Mumbai ist Bhelpuri, alternativ Pav Bhaji. Gönn Dir danach ein Eis. Die Preise hier sind auf indischem Niveau.
(30 Rs Bhelpuri, 20 Rs Eis)

0,10 Euro Bus zurück nach Colaba
Wenn Du genug davon hast Berühmtheit am Strand zu spielen und mit Indern für Fotos zu posieren, dann überquere den Marine Drive über die Fußgängerbrücke rechterhand. An der Bushaltestelle gleich unterhalb der Fußgängerbrücke fährt alle 30 Minuten die Nr. 123 in südlicher Richtung zurück nach Colaba. Wenn Du ungeduldig bist, kannst Du auch zur Maharshi Karve Rd parallel zum Marine Drive laufen, von dort fahren die Busse Nr. 83, 103, 106, 133 (alle 10 Minuten) in südlicher Richtung nach Colaba.
(8 Rs Bus)

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Essensstände am Chowpatty Beach

1,97 Euro Bier in Colaba

Der Colaba Causeway ist Abends so etwas wie ein Touristenmarkt und es gibt sogar so etwas wie Nachtleben. Mumbai ist auch beim Alkohol weit entfernt von indischen Verhältnissen. Es ist in der ganzen Stadt nicht schwer eine Bar mit Ausschanklizenz zu finden und am einfachsten ist es natürlich im Touristenviertel Colaba. Die beiden Bars Café Leopold und Café Mondegar sind geradezu berühmt, aber total überteuert.

1,97 Euro Bier im Restaurant Gokul

Gehe einen Block Richtung Gateway of India und Du findest ein lokales Restaurant mit Bar. Auch hier ist das Bier etwas teurer als normal in Indien, aber im Café Leopold würde es gleich doppelt so viel kosten. Du bekommst zum Bier Knabberzeug, so viel Du magst. Wenn Du noch Zeit hast, schau zum nachts beleuchteten Gateway, bevor das Salvation Army Guesthouse um 22h Uhr die Pforten schließt.
(160 Rs für ein großes Kingfisher mit Knabberzeug)

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Chowpatty, Mumbais Vorzeigestrand

Gesamtausgaben 801 Rupien oder 9,85 EUR zum aktuellen Wechselkurs von 81,36 Rs.

Glückwunsch, Du hast einen Tag in der teuersten Stadt Indiens verbracht und hast nichts verpasst. Der Rest von Indien wird ein Kinderspiel ;)

Weitere 10 Euro Städte wie Bangkok, Kandy oder La Paz findest Du in der 10 Euro Kategorie.

Die Reisekamera für meine Fotos ist eine Canon G7X*

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Ohja, das Gokul… da hab ich aber deutlich mehr als 10 EUR ausgegeben.
    Aber lustig wars!

    War 1 Woche in Mumbai, hat mir sehr gut gefallen.

    1. Mumbai ist schon toll. Man hört immer von Leuten, wie sehr sie Mumbai geschockt hat. Aber nach ein paar Wochen Indien ist eine so zivilisierte und geordnete Stadt reine Erholung. ;)

  2. Ich finde diese Rubrik einfach super! Mach weiter so!

    Ich hab Mumbai übrigens noch günstiger besucht. Ich bin nämlich morgens mit dem Nachtzug aus Goa angekommen, hab meinen Rucksack im wunderschönen Victoria Bahnhof abgegeben und daraufhin die Stadt besucht. Abends fuhr ich dann mit dem allerüberfülltesten Vorortszugs meines Lebens zum Flughafen, was tatsächlich ein bewegendes Erlebnis war. Da die meisten Flüge nach Europa mitten in der Nacht ankommen oder losgehen, lässt sich das gut machen.

    1. Also ich muss zugeben: ich mag Mumbai sehr. Mumbai ist eine schöne Möglichkeit sich vom Rest von Indien zu erholen und so total anders. Ich war ca. 2 Wochen in Mumbai in 3 Besuchen und ich würde mir mehr als nur einen Tag Zeit nehmen.

      Vielleicht überzeugt Dich ja ein kleines Update mit einem tollen Interview zu Indien an der Haji Ali Dargah Moschee. (leider bei Ebbe) ;)

  3. Super Beitrag. Damit kontere ich das nächste Mal, wenn mir jemand erzählt, dass früher alles besser war und man für 50 Pfennig ein Eis bekam ;-)

    1. In den meisten Ländern kriegt man für 50 Pfennig ein Eis ;)

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