Digital Detox: Reisen und Leben ohne Smartphone

Ein Leben ohne Smartphone ist unmöglich, oder? Hier sind 9 gute Gründe ohne Handy auf deine nächste Reise zu gehen.

Smartphone auf Reisen

Stell dir vor du fährst in den Urlaub. Bei Abreise am Flughafen merkst du, daß du dein Smartphone vergessen hast.

Wie reagierst du auf deinen ungewollten Smartphone Detox?

  1. Katastrophe!
  2. Traumurlaub!

Kannst du dir eine Auszeit vom Smartphone vorstellen? Immer mehr Menschen finden einen Digital Detox unerträglich.

Das Smartphone gilt außerdem als ultimatives Reise-Gadget. Reisen ohne Smartphone ist unmöglich, oder?

Ich reise seit 7 Jahren nonstop um die Welt und besitze kein Smartphone. Ich vermisse es nicht, weil ich noch nie eins hatte.

Genauso geht es Laura von Mind Set Travel. In diesem Gastbeitrag erklärt sie dir, warum auch du ohne Smartphone reisen solltest.

Am Ende des Artikels findest du außerdem Digital Detox Tipps gegen Smartphone-Sucht und das „Seniorenhandy“ als Alternative für Reisende.

Menschen treffen auf Reisen

1. Knüpfe mehr Kontakte mit echten Menschen

Das Smartphone soll uns vernetzen. Aber es macht unsere Gesellschaft

  • unpersönlich
  • unvernetzt
  • einsam

Wann hast du das letzte Mal nach dem Weg gefragt? Bei mir war das in Litauen auf der Scuhe nach einem Schneider. Anstatt zu googlen fragte ich eine Frau. Sie nahm mich mit, weil es auf ihrem Weg lag.

Mit ihrem gebrochenen Englisch und meinem nicht vorhandenen Litauisch konnte sie mir auf dem Weg dorthin die Schneiderei sehr empfehlen. Und sie freute sich eine Deutsche getroffen zu haben.

Ohne Smartphone bist du auf die Hilfe, die Auskunft und die Empfehlungen der Menschen vor Ort angewiesen und hin und wieder wird sich auch für dich ein nettes Gespräch oder ein bewegender Einblick ergeben.

Smartphone-Nutzer in den Himalayas
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2. Sei unabhängiger und freier ohne Smartphone

Vielleicht glaubst du, dass du mit dem kleinen Alleskönner in deiner Tasche bestens ausgestattet bist für eine unabhängige Reise. Doch was passiert, wenn es mal keinen Strom und kein Internet gibt?

Mir ist das egal. Ich brauche weder einen Stromanschluss noch ein Wifi-Passwort, um mich zurechtzufinden. Ich muss auch keine zusätzliche Powerbank mit mir herumschleppen. Ich bin frei.

Viele Cafés, die kein Internet anbieten, sind echte Geheimtipps. Sie stehen wahrscheinlich auch nicht bei Tripadvisor. Die Chancen hier nette Menschen aus der Gegend zu treffen sind ziemlich hoch.

Ständig erreichbar mit dem Smartphone

3. Vermeide die Stressfalle ständiger Erreichbarkeit

Klar, Eltern und Freunde sind beruhigt, wenn sie dich und du sie im Notfall immer und überall erreichen können. Viele Reisende schreiben sogar täglich ihren Freunden und Verwandten. Mit einer schnellen Meldung kannst du allen versichern, dass es dir gut geht.

Bei ständiger Erreichbarkeit erwarten einige Daheimgebliebenen jedoch auch sofortige Rückmeldung. Wenn du mal einen Tag nicht antwortest und berichtest, weil du es vergisst oder nicht dazu kommst, befürchten sie gleich das Schlimmste.

Ich bin oft in Gegenden unterwegs, wo es kein schnelles Internet gibt. Da kann sogar schon eine Email eine Herausforderung werden. Meine Lieben kennen das schon. Sie wissen, dass ich nicht immer und überall zu erreichen bin.

Wenn ich mich eine Woche nicht melde befürchtet niemand, dass ich im Regenwald verschollen bin oder entführt wurde.

Social Media macht süchtig

4. Nutze Social Media fokussiert und limitiert

Ich kann mich besonders gut auf den Reisemoment konzentrieren, wenn ich keine Likes oder Rückmeldungen erwarte. Ich bin ganz und gar vor Ort an meinem Reiseziel.

Natürlich gibt es Emails, die ich gerne beantworten möchte. Ich arbeite online und nehme Kommentare auf meinem Blog und anderen Kanälen ernst. Aber ohne Smartphone in der Hosentasche beschäftigen sie mich nicht, wenn ich mich auf etwas anderes konzentrieren möchte.

Ich bin fast täglich auf Facebook und Instagram unterwegs. Das geht besonders gut und selbstbestimmt ohne Smartphone. Ich nutze dafür meinen Laptop und begrenze die Zeit für Social Media.

Newsfeeds wie auf Facebook lese ich nie. Stattdessen nutze ich die Plattformen genau so, wie es für mich am Produktivsten ist, ohne von ständigem Geklingel abgelenkt oder abhängig zu sein.

Einfach mal verlaufen

5. Pfeiffe auf die Angst etwas zu verpassen

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen auf Reisen ist das Verlaufen. Ohne Smartphone-GPS geht das ganz einfach.

Ohne Smartphone habe ich keinen schnellen Zugriff auf alle Sehenswürdigkeiten. Damit sinkt der Stress und Druck, etwas zu verpassen. Ich kann den Moment und den Ort, einfach so genießen.

Die Angst, die wichtigsten Touristenziele dadurch zu verpassen, habe ich mir schon lange abgewöhnt. Fear of Missing Out (FOMO) ist der beste Weg um niemals glücklich zu werden.

Wenn ich an Paris denke, habe ich eine nette Gegend mit Cafés und einem großen, beeindruckenden Bau vor Augen. Ich war mit einem Tagesticket im Bus unterwegs und stieg einfach da aus, wo es mir gefiel.

Fotografie mit dem Smartphone

6. Fotografiere bewusst und achtsam

Wenn ich ein Foto machen will, muss ich meine Kamera erst mal aus der Hülle holen. Dann muss ich sie anschalten, aufs Motiv halten und schließlich auslösen.

Ich habe meine Kamera nicht immer griffbereit, wie ein Smartphone. Oft genug entscheide ich mich deswegen dazu gar kein Foto zu machen und den Moment einfach so in meinem Herz abzuspeichern.

Aufmerksames und achtsames Fotografieren ist mir sehr wichtig, besonders wenn Menschen vor meiner Kamera sind. Als Fotograf begibst du dich in eine Machtposition mit Verantwortung.

Mit jedem Foto trägst du dazu bei, wie ein Land und seine Kultur bei uns gesehen werden. Das vergisst du viel zu leicht, wenn du schnell mal unbemerkt die Smartphone-Kamera draufhältst.

Datenschutz ist wichtig

7. Schütze deine Privatsphäre und deine Daten

Ich habe kein Gerät in der Tasche, das ständig aufnimmt, wo ich mich wann befinde und was ich dort tue. Meine Erkundungstour durch Nairobi bleibt meine Sache.

Das Internet hat zwei Richtungen. Jedes Mal, wenn du Informationen abrufst, schickst du auch umgekehrt Statusmeldungen zurück – ob du willst oder nicht.

Social Media wie Facebook, Instagram und Twitter sind das größte Loch in deiner Privatsphäre. Aber auch manche Apps telefonieren öfter nach Hause als sie sollten.

Das passiert dir auf dem Laptop auch, aber das Smartphone ist eine viel größere Datenkrake. Schütze deine Privatsphäre, indem du möglichst oft auf das Smartphone verzichtest.

Adieu zu Verlustängsten

8. Verabschiede dich von Verlustängsten

Meine Freundin ließ ihr Smartphone in ein Plumpsklo an der Küste von Kenia fallen, mit all ihren Weltreise-Fotos. Es fand sich jemand, der es wieder hochholte. Meine Freundin war heilfroh, als das Handy dank wasserdichter Hülle noch funktionierte. Nur das Aroma störte uns alle noch eine Weile.

Neulich fiel das Smartphone meiner Schwester ins Klo der Hochschule. Darauf waren einige Daten und Fotos, die sie für ihr Studium brauchte. Das Smartphone ist hin, mit Glück lassen sich vielleicht noch die Daten retten.

Das scheint eine sehr gängige Anekdote zu sein. Das Handy ist immer mit dabei, auf dem stillen Örtchen genauso wie in der zwielichtigen Bar und auf dem Markt, der für Taschendiebstähle berüchtigt ist.

Das Smartphone hat einen hohen materiellen Wert und ist gerade auf Reisen schwer zu ersetzen. Noch wichtiger sind oft die Daten und Fotos, die du verlieren kannst.

Was ist individuelles Reisen?

9. Reise individueller ohne Smartphone

Individualität wird in unserer Gesellschaft und gerade auf Reisen großgeschrieben:

  • Backpacker versuchen abgelegene Orte zu entdecken
  • Reiseblogger berichten von den echten Geheimtipps
  • Reiseanbieter versprechen das authentische Reiseerlebnis

Kurz gesagt: Ausgelatschte Touristenpfade sind schon lange out.

Dabei schwimmen wir alle mehr oder weniger im gleichen Saft. Individualreisende, Backpacker und auch Freiwillige gehören zum wachsenden Bereich des globalen Tourismus.

Wenn ich ohne Smartphone reise, bin ich automatisch anders unterwegs als andere Reisende. Meine Reiseart lässt mich teilweise ganz andere Erfahrungen machen.

Ohne Smartphone habe ich außerdem immer eine gute Geschichte zu erzählen. Das ist natürlich nur ein witziger Nebeneffekt. Ich habe einfach noch kein Smartphone gebraucht und mich nie daran gewöhnt.

Ohne Smartphone kein Uber

Nachteile vom Reisen ohne Smartphone

Ganz ehrlich, das Reisen ohne Smartphone bietet auch so einige Nachteile:

  1. Alleskönner Gadget
    Das Smartphone kann vieles ersetzen, z.B. Laptop, Notizbuch, Kamera, Taschenlampe, Bücher, MP3-Player, 3G-Dongle, Wecker usw… Ich muss verzichten oder schleppen.
  2. Kontakt per Messenger
    Jeder Yogakurs, jedes Event und jede Gruppe von Reisenden hat inzwischen eine eigene WhatsApp-Gruppe. Ich bin da immer ausgeschlossen und muss auf anderem Wege informiert werden.
  3. Nützliche Apps
    Uber und Maps.me kann ich nicht nutzen. Kontaktlos bezahlen geht nicht. Ich kam auch schon ein paar Mal mit meiner Kreditkarte und der Two-Factor-Authentification an meine Grenzen.
Smartphone-Manie in Thailand

Fazit zum Reisen ohne Smartphone

Vielleicht sind auch für dich ein paar Gründe dabei, mal über einen Tag ohne Smartphone nachzudenken. Glaub mir, du wirst überleben!

Das Reisen ohne Smartphone bietet viele Vorteile. Es hält besonders mein Stresslevel unterwegs sehr niedrig. Mir fehlt dabei nichts.

Ich finde es aber auch nicht schlimm, wenn du die Vorteile des Smartphones voll ausnutzt. Im Gegenteil: Das Handy ist total praktisch.

Wenn du nicht auf die nützlichen Seiten des Smartphones verzichten willst, schau dir die folgenden Tipps für eine bewusstere Nutzung an.

"Achtsamer" buddhistischer Mönch

Smartphone-Diät: Digital Detox in Schwarz-Weiß

Du willst nicht komplett verzichten, aber einen Digital Detox versuchen? Hier sind einige Tipps und Tricks für eine Smartphone-Diät:

  1. Schalte alle Push-Nachrichten ab oder gehe in den Do not Disturb Modus. Schau nur dann auf das Smartphone, wenn du dir Zeit dafür nehmen möchtest.
  2. Stell den Bildschirm von farbig auf Schwarz-Weiß. Das hilft gegen Smartphone-Sucht, insbesondere bei Social Media wie Instagram und Snapchat.
  3. Entferne alle Apps vom Homescreen, die du nicht unbedingt brauchst, vor allem Social Media. Wenn das nicht hilft, lösche sie.
  4. Verwende dein Smartphone nicht als Wecker. Du willst nicht, daß dein erster und letzter Blick des Tages deinem Handy gelten.

Die Tipps sind von Tristan Harris. Er hat früher daran gearbeitet das Suchtpotential von Smartphones zu erhöhen. Heute versucht er mit seiner „Time Well Spent“-Organisation zurückzurudern.

Seniorenhandy statt Smartphone - Foto: Laura

Smartphone-Entzug: Seniorenhandy und Klapphandy

Weniger ist mehr. Aber gar nichts ist auch nichts. Statt ganz auf ein Handy zu verzichten kannst du statt dem Smartphone ein sehr einfaches Handy verwenden.

Mit einem einfachen Handy bist du per Anruf und SMS erreichbar. Das ist unpraktischer als Whatsapp, aber für Notfälle absolut ausreichend. Es kann Wecker, Taschenlampe und Notizbuch sein.

Einfache Handys sind sehr günstig und nahezu unkaputtbar. Du kannst es rumwerfen oder dich draufsetzen. Wenn du es verlierst, sind nur ein paar Telefonnumern weg.

Ein einfaches Handy kann ein sogenanntes Seniorenhandy* sein oder ein altes Nokia Symbian-Phone*.

Sabine von Ferngeweht hat praktische Tipps fürs Reisen ohne Smartphone.

Über Gastautorin Laura

Laura pendelt mit ihrer Familie zwischen Kenia und der Welt.

Sie glaubt fest daran, dass Achtsamkeit und Ehrlichkeit gegenüber eigenen Vorurteilen die Reiseerfahrung vertiefen.

Auf mind-set-travel.com inspiriert sie mit ihren authentischen Geschichten. In ihrem Kurs VorFreudeBereitung hilft sie dir, deine nächste Reise ganz entspannt und verantwortungsbewusst zu planen.

Wie geht es dir mit dem Smartphone? Liebe? Hassliebe?

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Dieser Beitrag hat 17 Kommentare

  1. Servus zusammen,
    möchte mich hier auch mal zum Thema einklinken.
    Digitales detoxing befürworte ich ausdrücklich (Social Media, Messanger und co.)
    Das Smartphone (und Tablet) ist für mich jedoch gerade im Urlaub unverzichtbar. Ich würde niemals einen Laptop mit mir rumschleppen, aber ich bin auch kein Blogger.
    Offline Navigation, Mobile Bording Card, (moderne) Banking Apps, 2 Factor Authentifizierung bzw. TAN’s (Secure App)
    und und und….

    Du buchst einen Flug mit deiner Santander Visa Card im Ausland, verified by Visa schreitet ein und sendet dir einen SMS Code zur Bestätigung. Andere Banken haben zum Glück andere (bessere) TAN Verfahren über eine App. Aber du brauchst zumindest ein Mobiltelefon!

    Du buchst dir eine Air BnB Unterkunft und kontaktierst deinen Host über z.B. WhatsApp.

    Es gibt soviele Beispiele. Für mich erleichtert mir mein Smartphone (ein kompaktes Iphone SE) meinen Reisealtag dermaßen, dass ich niewieder darauf verzichten mag!
    Mein Tablet ist für etwas Medienkonsum, Bildbearbeitung und Datensicherung (Backup, auch auf einem USB Stick oder Festplatte).
    Wichtig ist bei alldem aber die Sicherheit (VPN in fremden WLAN’s und auch der bewusste Umgang mit einem Verständniss welche Daten man preis gibt und wie man das bestmöglichst minimiert)

    Gruß an alle Reisefreunde
    und Florian, weiter so mit deinem Blog.

    Frank

    1. Hi Frank,

      2-Factor-Auth ist ein Schmerzfaktor. Meine Advanzia-Kredikarte wurde gecancelt, nachdem ich öffentliche SMS-Dienste mit Wegwerfnummern für den Auth verwendet habe.

      DKB kann ich auch nicht mehr verwenden, die wollen gleich daß ich ne App installiere. App-Banken wie Revolut, Denizen oder N26 kommen sowieso nicht in Frage.

      Ein Workaround wäre es wohl einen Android-Emulator wie Bluestacks zu installieren. Bei meiner handvoll Kreditkartenzahlungen im Jahr ist mir das aber viel zu aufwändig.

      Natürlich würde auch ein normales Handy ausreichen, es geht ja meistens nur darum SMS empfangen zu können.

      Nachteile ohne Smartphone wie Whatsapp und GPS stehen ja auch im Text.

      Klar kann ein Smartphone praktisch sein. Ich bin aber lieber ohne unterwegs.

      Grüssle,
      Florian

  2. Hallo Laura,
    hallo Florian,
    ich komme mir ja immer wie ein Dinosaurier vor. Ja, ich komme aus einer Zeit, in der es keine Handys bzw. Smartphone gab. Doch, doch, ich besitze ein Smartphone, das ich gebraucht einer Freundin abgekauft habe, um nicht dumm zu sterben. Es gibt ein Leben ohne Smartphone! Glaubt es mir. Auf Reisen benutze ich meines fast nie. Es ist auch ausgeschaltet. Das ist für mich persönliche Freiheit. Ich finde meinen Weg auch ohne das Ding. Mein Orientierungssinn ist gut. Ich betrachte aufmerksam die Welt.

    Ich finde Smartphones ja durchaus nützlich, aber dass man fast ununterbrauchen darauf starren muss, selbst beim Gehen oder Fahrradfahren, ist doch ein bisschen übertrieben. Die Leute unterhalten sich nicht mehr. Schon beim Frühstück starren alle auf das Ding und mümmeln wortlos vor sich hin. Besonders krass fand ich bei Gruppenrundreisen immer die erste Frage, wenn wir in einem Hotel ankommen: „Wie ist das Passwort?“ schallte es aus allen Mündern gleichzeitig.

    Liebe Grüße
    Renate
    PS. und nein, ich bin nicht Eure Omi!

    1. Ich komme mir auch immer mehr wie ein Dinosaurier vor. Vor 2 Wochen waren wir in einer Gruppe mit einer handvoll Fashion-Influencerinnen. Was uns wie absoluter Permastress vorkommt ist für die Ladies ein Beruf, der Spass macht.

  3. Im Urlaub lasse ich das Handy auch auf Flugmodus, solange ich draußen unterwegs bin. Eine Ausnahme ist dann nur, wenn ich mal bei einer Wanderung nachschauen möchte, ob ich immernoch richtig dran bin.
    Abends im Hotel habe ich dann so viel Zeit, wie mein Freund zum Duschen braucht, das reicht dann, um die Nachrichten von Freunden zu checken. Mir fehlt das überhaupt nicht, das Handy unterwegs nicht ständig zur Hand zu haben und wenn ich mal alleine in einem Restaurant oder Café bin, starre ich auch gerne mal vor mich hin, dabei fallen einem auch oft schöne Details auf. :)

  4. Ich konnte mir, bis vor Kurzem, überhaupt nicht vorstellen, auf mein Smartphone zu verzichten… Für das Reisen finde ich es tatsächlich auch super praktisch, weil ich quasi keinen Orientierungssinn habe. Da brauche ich Google Maps tatsächlich.

    Als ich aber letztes Jahr wegen Depressionen in der Klinik war, habe ich zwar nicht auf das Smartphone verzichtet, aber es kaum noch genutzt. Ich habe mit meiner Familie telefoniert, war aber nicht mehr Dauer-Online.

    Tatsächlich hatte das was sehr befreiendes. Ich bin quasi von meiner Facebook-Sucht befreit worden und kann jetzt auch irgendwie nicht mehr verstehen, warum ich da so unglaublich viel Zeit verbracht habe. Es war eigentlich immer in einem Tab offen. Das ist jetzt anders.

    Mein Fazit: Es geht auch ohne, aber für mich ist es ein praktischer Begleiter, den ich einfach nur manchmal bewusster beiseite legen sollte. Trotzdem liebe ich mein Handy ;)

    1. Ich bin auch manchmal mehr, manchmal weniger Social Media süchtig – das eht auch ohne Smartphone. Gerade ist es eine Quora-Sucht ;)

      So lange das nicht mit deinem normalen Leben kollidiert ist das ja eigentlich ok. Ist halt manchmal ein schmaler Grat.

      Auf Reisen finde ich es persönlich sehr schade, wie immer mehr Leute für Instagram unterwegs sind. Das ist Brave New World vom Feinsten….

  5. So ganz sehe ich die Notwendigkeit nicht, zwanghaft aufs Handy zu verzichten. Ich nutze es gerne und das auch auf Reisen. Wobei ich festgestellt habe, dass wenn ich mal in abgelegenen Regionen unterwegs bin, wo kein Handy funktioniert, so wie zuletzt in der Wildnis Kanadas, dann fehlt mir auch nicht wirklich was.

    1. Thomas, wo steht denn was von zwanghaftem Verzicht? Ziel ist es die zwanghafte Smartphone-Nutzung zu vermeiden – siehe auch praktische Tipps am Ende.

  6. Die Zeit des Reisens ist für mich immer auch eine Zeit, um Gewohnheiten zu brechen. Es ist gut dabei zu erleben, dass ich mit wenigen Dingen auskommen kann. Das halte ich auch so mit Computer, Smartphone und Internet. Da ich beruflich viel lese, verreise ich ohne Bücher – nur mit einem leeren Notizbuch, das ich selber fülle. So zu reisen erinnert mich daran, dass das Leben auch anders sein kann.

  7. Mich erinnert der Beitrag etwas an den „Notwendigkeitsgeschmack“ von Pierre Bourdieux. Mit Ausnahme des Hinweis, dass ein Handy eine Datenkrake ist, halte ich die meisten Argumente für ziemlich seicht.

    Zum Beispiel die Kontakte. Mag sein, dass man ohne Handy öfters nach dem Weg fragt. Aber was sind das denn für Konversationen? Was entsteht daraus? Welchen Wert haben solche Kurzbegegnungen überhaupt? Ist es nicht besser, mit weniger Leute einen tieferen Kontakt zu pflegen? Mehrmals die gleiche
    Leute treffen. Klar, geht auch per Email. Aber wieso sich das Leben schwer machen?

    Und unabhängig? Klar geht mir ohne Handy der Strom am Handy nicht aus. Ist ja (tauto)logisch! Aber: na und? Dann geht er eben aus. Dann habe ich ja nichts anderes, als die Detoxer die ganze Zeit sowieso haben: den handylosen Traumzustand…

    Freunden und Familie kann man sagen, dass man nicht ständig online ist. Bei mir hat das noch jeder verstanden.

    Ich würde aufs Handy nicht verzichten wollen. Schon ganz alleine deswegen, weil ich unterwegs gerne meine Route per GPS verfolge… :)

    1. Ein konträrer Kommentar vom Oli, so eine Überraschung ;)

      Aber zugegeben, die Gründe im Text sind sicher nicht allein ausschlaggebend um sein Smartphone wegzuwerfen. Laura und ich haben Smartphones nur kurz angetestet. Deshalb fällt es uns leicht darauf zu verzichten.

      Statt auf Unabhängigkeit und die Gründe für Smartphonelosigkeit könnte man sicher noch mehr auf Abhängigkeit und die Gründe gegen Smartphones eingehen. Smartphones sind Zeitstehler und Dopaminhaushalt-Störer. Tristan Harris vergleicht Smartphones mit Spielautomaten im Casino. Rat Park Vergleiche hört man auch oft genug.

      Letztendlich ist das hier aber ein Reiseblog mit der Mission die Welt möglichst positiv zu sehen ;)

    2. Es gibt sicherlich berechtigte Einwände gegen Smartphones. Das will ich gar nicht bestreiten. Auch der Punkt mit der Sucht ist nicht von der Hand zu weisen. Aber ich kenne keine Errungenschaft, die nicht auch Nachteile mit sich bringt. Deswegen Fortschritt abzulehnen halte ich für wenig sinnvoll. Letztlich geht es doch einfach darum, die Vor- und Nachteile abzuwägen und ein sinnvoller Umgang mit neuen Technologien zu finden.

    3. Naja, „Fortschritt“ und „Errungenschaft“? Ist das denn wirklich so? Ich empfinde das Smartphone als dystopischen Witz.

      In welcher Fortschrittsutopie haben wir einen Taschencomputer, der den ganzen Tag unsere Aufmerksamkeit fordert?

      Es ist fast so als ob ein sarkastischer Gott gesagt hat: „Ihr wollt fliegende Autos, Automatisierung, saubere Energie und ewig leben? Ihr bekommt jetzt das Smartphone, dann ist Ruhe da unten…“

    4. Ich glaube, das grosse Missverständnis besteht darin, das Handy als EIN Gerät zu betrachten. Denn tatsächlich ersetzt es mehrere Geräte. Es ist zum Beispiel eine Kamera. Es ist aber auch eine Landkarte. Es ist ein Lonely Planet und es ist ein Kindle. Es ist ein Fernsehgerät. Und es ist gleichzeitig ein Computer.

      Analogos hängen nun der irrigen Meinung nach: Wenn sie pro Tag 40 Minuten die Kamera nutzen, 20 Minuten auf die Landkarte starren, 30 Minuten im Lonely Planet und noch eine Stunde im Kindle lesen, um dann am abend im Hostel einen 90 minütigen Film sehen, dass sie weniger „mediensüchtig“ seien als jemand, der jeden Tag vier Stunden auf sein Handybildschirm starrt.

      Mich erinnert das ein bisschen an meine Oma, die sich irgendwann einmal bei meiner Mutter über meinen am Computer arbeitenden Vater beschwerte. Sie meinte: „Dein Mann ist ja ein ganz fauler Hund. Er sitzt nur den ganzen Tag vor dem Fernseher…“

    5. Es geht um die zwanghafte Nutzung wegen Socialmedia-Sucht und das Immer-Erreichbar-Sein.

      Es geht nicht um die Nutzung des Handys als GPS, Kamera oder E-Reader (wobei für letzteres der Kindle so viel besser ist).

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