Blut und Reichtümer von Potosi

Potosi in Bolivien war einmal die größte, reichste und mit 4.067m höchste Stadt der Welt. Potosi war größer als London und Paris, reicher als Antwerpen und Sevilla und Schauplatz eines Genozids, der bisher für einen Ort unübertroffen ist.

Potosi war das Auschwitz der neuen Welt. Statt dem Satz „Arbeit macht frei“ war der Blick auf den sogenannten reichen Berg, den Cerro Rico das letzte was ca. 8 Millionen Menschen im 16., 17., 18. und 19. Jhd gesehen haben. Der Berg der Menschen frisst.

8 Millionen Einheimische und dazugeholte Sklaven aus Afrika mussten sich in den Silberminen und Münzpressen der Spanier zu Tode arbeiten.
 
Potosi und das benachbarte Sucre bauten mit dem Reichtum unglaublich viele Kirchen,
 
zeitweise waren sogar Teile der Stadt mit Silber gepflastert und Pferde wurden mit Silberhufen beschlagen, weil Eisen in Potosi zu teuer war.
 
Auch heute wird noch in den Minen gearbeitet und viel hat sich in den letzten 460 Jahren nicht an den groben Methoden geändert,
 
aber die Miner sind heute keine Sklaven mehr sondern selbstständig und sehr stolz auf ihre Arbeit.
 
Die Silberadern sind heute leider größtenteils versiegt. Reichtümer findet man in Potosi im 21 Jhd. an anderer Stelle.
 
Das höchste Sky Restaurant der Welt thront heute neben dem Cerro Rico über Potosi.
 
Der Aufzug funktioniert nicht immer und beim Einstieg über die Feuerleiter fühlt man sich erinnert an die Minen vis-à-vis.
 
Man entkommt hier sowieso nie dem Schatten des Cerro Rico, auch nicht im Restaurant Mirador,
 
aber statt Silber, Blut und Erde gibt es hier Silberbesteck und Blut der Erde, Prost!
 


Das mit dem Genozid muss man in den Amerikas eigentlich nicht extra dazu sagen. 50-100 Millionen Menschen, mehr als 95% der indigenen Bevölkerung kamen in den 2 Jahrhunderten nach der Entdeckung durch Kolumbus 1491 in Nord-, Mittel- und Südamerika um.

Der amerikanische Holocaust war der größte Genozid der Geschichte, größer als Armenien, Äthiopien, Bangladesch, Bosnien, Nazi Holocaust, Nordkorea, Kambodscha, Kongo, Ottomanisches Reich, Ruanda und USSR zusammengezählt.

Wenn man die Anzahl der Todesopfer auf den Anteil der damaligen Weltbevölkerung bezieht, dann verblasst selbst der größte Genozid des 20. Jhd.: Mao Zedongs großer Sprung nach vorne und Kulturrevolution mit 49 bis 78 Millionen Todesopfern.

Die Reisekamera für meine Fotos ist eine Canon G7X*

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So gesehen war Potosi nur mörderisches Business as usual in den Amerikas…

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. @Yvette:
    Do you know how it compares to „The open veins of Latin America“, if at all?

    @greg:
    Die Bolivianer sind sehr gelassen was Sicherheit angeht (-;

  2. If you’re interested in more on the topic, there’s a very good book on all this called „1493“ by Charles C. Mann. All about how the discovery of the Americas revolutionized a lot of the world in various ways you wouldn’t immediately think of- and there’s a decent chunk of it devoted to Potosi.

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