2 Gleitschirmflieger auf Weltreise im Langzeitreise Interview

Reisen ist Dein Lifestyle oder Du träumst davon Reisen zu Deiner Priorität zu machen? Willkommen im Langzeitreise Interview! Eliane und Moritz erzählen, wie sie mit ihren Gleitschirmen um die Welt reisen.

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Mit Gleitschirm auf Weltreise - Foto: globegliders.ch

Es gibt Backpacker, es gibt Flashpacker und jetzt gibt es auch Glidepacker ;)

Moritz und Eliane waren gerade ein halbes Jahr in Südamerika und machen jetzt einen Road Trip durch Europa. Das coole dabei? Ihre Gleitschirme sind immer dabei, egal ob vorher im Rucksack oder jetzt im Auto.

Interview mit den Globeglidern Eliane und Moritz

1) Lifestyle Reisende lassen gerne alles stehen und liegen, um sich ganz dem Reisen zu widmen. Auch Ihr habt Jobs und Wohnung gekündigt, die meisten Besitztümer verkauft und reist nun mit Rucksack und offenem Ende um die Welt. Wie kam es dazu?

Der Wunsch nach einer langen Reise war bei uns schon lange da. Natürlich war es nie der richtige Zeitpunkt. Ausbildung, Familienangelegenheiten und die Arbeit liessen eine lange Abwesenheit nicht zu.

Irgendwann merkten wir, dass der „richtige“ Zeitpunkt nie kommen würde – oder eben jeder Zeitpunkt der Richtige ist.

Wir lösten möglichst viele Verpflichtungen auf, kündigten Jobs und Wohnung und gaben den Wohnsitz in der Schweiz auf. Wir wollten uns nicht auf eine fixe Reisedauer festlegen, sondern frei und mit minimaler Planung unterwegs sein, so lange es die Ersparnisse zulassen.

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Wandern in den Anden - Foto: globegliders.ch

2) In Eurem Rucksack ist neben der üblichen Backpacker-Packliste noch eine komplette Paragliding-Ausrüstung. Seid Ihr verrückt nach Gleitsegeln?

Ja, wir konnten uns nicht vorstellen ein Jahr oder länger nicht zu fliegen. Zu unserem Glück ist die Entwicklung von leichten und kompakten Gleitschirmausrüstungen in den letzten Jahren schnell voran geschritten. Während früher eine Gleitschirmausrüstung locker 15-20 kg auf die Waage brachte, kommt unser Equipment gerade mal auf 8,5 kg.

Zusammen mit allem was wir sonst zum Reisen benötigen, ergibt sich ein zwar grosser aber noch tragbarer Rucksack von 23 Kilogramm und 90 Litern Volumen, siehe unsere Packliste für Gleitschirm-Backpacker.

3) Ihr übernachtet in speziellen Flieger-Hostels und kontaktiert lokale Flieger-Clubs. Kommt Ihr durch das Paragliding besser in Kontakt mit Locals als andere Reisende?

Wir waren quasi gezwungen den Kontakt zu suchen. Man kann zwar Reisen ohne ernsthaften Kontakt mit den Locals zu pflegen aber beim Gleitschirmfliegen benötigt man immer Informationen von Ortsansässigen. Dabei geht es um Wind- und Wetterverhältnissen sowie dem Zugang zum Start- und Landeplatz.

Es ist auch ohne Gleitschirm möglich in Kontakt mit Locals zu kommen. Es war aber sicher einfacher für uns, da man sofort eine Gemeinsamkeit hat und somit ein Thema zum Diskutieren.

Wenn einem Gemeinsamkeiten fehlen, hilft im Zweifelsfall aber immer die Frage nach dem Lieblings-Fussballverein. Das kann Wildfremde in kürzester Zeit zu Freunden werden lassen – auch wenn man, wie wir, weder Ahnung noch Interesse an Fussball hat.

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Einheimische Paraglider am Startplatz - Foto: globegliders.ch

4) Wie ist das Paragliding in Südamerika im Vergleich zu Europa?

Es gibt viel weniger Piloten und deshalb auch weniger Fluggebiete. Dafür ist der Umgang unter den Piloten familiärer, jeder kennt jeden.

Man kann weniger unbeschwert drauflos fliegen. Es gibt Orte, wo man besser nicht landet, weil man danach vielleicht überfallen wird. Bei Unfällen ist man auf die anderen Piloten angewiesen. Eine REGA wie in der Schweiz, die einen mit Helikopter und Notarzt abholt, gibt es nicht. Meistens kommt einfach die lokale Feuerwehr. Zur Sicherheit führen wir je einen Satellitentracker und ein Funkgerät mit uns.

5) Auch Zelt, Schlafsack, Kocher und andere Camping-Ausrüstung tragt Ihr mit. Braucht Ihr das zum Paragliden?

Am Anfang hatten wir die Vorstellung, einige Strecken mit dem ganzen Gepäck nur zu Fuss und in der Luft zurückzulegen. Da es aber schnell klar war, dass man nicht einfach auf jeden Hügel steigen und von dort starten kann, gaben wir diesen Plan bald auf.

Dazu kam, dass unser gesamtes Gepäck mit 23 Kilogramm zu schwer ist für längere Wanderungen. Wir benutzten die Campingutensilien dann vor allem auf kurzen und langen Wanderungen, wie im Tores del Paine Nationalpark oder auf der 10-tägigen Wanderung von Choquequirao nach Machu Picchu.

Wir nahmen jeweils nur nur die benötigte Ausrüstung mit. Den Rest konnten wir immer in Hostels deponieren. An einigen Orten haben wir statt in Hostels auch auf dem Campingplatz übernachtet.

6) Worum geht es Euch beim Reisen?

Uns geht es darum ausserhalb des Alltagstrotts neue Erfahrungen mit Land und Leuten zu machen. Daneben interessiert uns vor allem das Leben in der Natur, das wir auf unseren Wanderungen hautnah erleben können. Ein weiterer Aspekt, der uns sehr wichtig ist, betrifft das Gleitschirmfliegen.

Weniger wichtig ist für uns, jede Sehenswürdigkeit und Touristenattraktion gesehen zu haben. Auch bei uns zu Hause gibt es Orte, an denen sich die Touristen tummeln, die wir nie besuchen werden.

Wir sind der Meinung, dass manchmal die nicht so stark frequentierten Orte mindestens genau so reizvoll sind und dass eine Reise vor allem durch den Kontakt zu den Einheimischen spannend wird.

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Im Jeep mit Locals - Foto: globegliders.ch

7) Ihr seid in Chile überfallen worden. Ist Reisen gefährlicher als Paragliden?

Nein, beides ist in unseren Augen nicht gefährlich und mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen wird man bei beiden Aktivitäten Zwischenfälle vermeiden. Es gibt jedoch immer ein Restrisiko und dieses hat in Valparaiso, Chile zugeschlagen.

Wenn man sich aus der bekannten Umgebung löst, geht man ein höheres Risiko ein, dass etwas schief geht. Von gefährlich zu sprechen ist dennoch übertrieben. Das Problem besteht eher darin die Anzeichen für ein Unglück oder eine Gefahr rechtzeitig zu deuten. In bekannter Umgebung fällt das leichter.

In Valparaiso haben wir diese Anzeichen zu spät gedeutet und wurden so Opfer eines Entreissdiebstahls.

Ähnlich verhält es sich mit dem Gleitschirmfliegen. Wenn man die Wetterverhältnisse und das Gelände rechtzeitig auf Gefahren überprüft und danach handelt, kann man seine gesamte Fliegerkarriere unfallfrei halten, ist man ein Mal unaufmerksam, kann dies fatale Folgen haben.

8) „Reisen ist teuer“ heisst es. Stimmt das?

Für Südamerikaner mit einem Lohn von 200 Euro im Monat ja. Trotzdem sahen wir auch viele junge Südamerikaner, für die es selbstverständlich war zu reisen. Sie sind dann oft mit einem extrem kleinen Budget unterwegs, arbeiten mal als Strassenkünstler, mal in einem Hostel als Aushilfe und erleben mindestens so tolle Dinge, wie wir.

Für uns Europäer ist Reisen manchmal sogar günstiger als Zuhause bleiben. In unserem Fall bezahlten wir, bevor wir zusammen zogen, alleine für unsere Wohnungen mehr im Monat, als wir auf der Reise inklusive Flügen und Versicherung pro Person zur Verfügung hatten.

Es kommt aber klar darauf an, wie man lebt und wie schnell man sich bewegt. Je tiefer die Ansprüche an die Übernachtungsmöglichkeit und je langsamer man reist, desto günstiger kann man leben. Kocht man selbst, spart das noch einmal richtig viel Geld.

Wir haben unser gesamtes Budget für fünfeinhalb Monate Südamerika aufgeschlüsselt und als Inspiration für neue Weltenbummler zugänglich gemacht.

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Gleiten über dem Meer - Foto: globegliders.ch

9) Wie finanziert Ihr Eure Reise?

Wir haben vorher gespart und reisen nun, bis dieser Betrag aufgebraucht ist. Mit regelmässigen Berichten in Gleitschirm-Magazinen verdienen wir uns ein kleines Taschengeld hinzu.

10) Wem würdet Ihr Eure Art zu Reisen empfehlen? Für wen ist sie nicht geeignet?

Unsere Art zu reisen eignet sich für Menschen, die

  • viel Zeit haben
  • im Mehrbettzimmer oder im Zelt schlafen können
  • gerne in der Natur leben
  • lieber selber kochen statt im Restaurant zu essen
  • spontan auf Planänderungen reagieren können

Wir merkten zum Beispiel in Argentinien, dass der geplante Flug von Cordoba nach Puerto Natales viel zu teuer für unser Budget gewesen wäre und entschieden uns kurzerhand mit dem Bus die lange Reise in mehreren Tagen zurück zu legen. Der Küstenort Puerto Madryn auf dem Weg hat uns auch gefallen.

11) Was sind Eure Reisepläne für die Zukunft?

Wir verbringen den Sommer in Europa und machen einen viermonatigen Roadtrip von Spanien via Frankreich in die Schweiz. Danach wollen wir noch weiter in Richtung Italien, Slowenien und Österreich, bevor wir Ende September unser Auto in München zurückgeben.

Dort besteigen wir den Flieger nach Malaysia. Mitte Oktober zieht es uns dann nach Australien, wie lange der Aufenthalt dort dauern wird und welche Länder wir danach besuchen, entscheiden wir spontan.

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An der Laguna Colorada, Bolivien - Foto: globegliders.ch

profilfoto_200Was Moritz und Eliane noch alles in Südamerika erlebt haben, erfährst Du in Ihrem Backpacking und Gleitschirm Blog globegliders.ch.

Fang z.B. mit Ihrer Kostenübersicht Südamerika an. Es ist weniger Geld, als Du vielleicht denkst!

Folge den beiden Globeglidern, um auch Europa und Australien aus der Vogelperspektive zu erleben.

Du willst auch Lifestyle Reisender werden? Ein guter Einstieg ist das Buch Vagabonding von Ralf Pott.

In Zukunft gibt es noch mehr Interviews mit Lifestyle Reisenden. Bist Du auch einer? Mail mir!

 

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  1. Moritz says:

    Hey Florian, danke, dass wir bei Dir zu Besuch sein dürfen. Ich glaube übrigens, dass du mit „Glidepacker“ einen neuen Begriff geprägt hast :-P

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