Paläo 2.0 – Ein Ernährungs Manifest

Deutsche Übersetzung von Paleo 2.0 – A Diet Manifesto
(Kurt G. Harris MD – 2011)

Paläo 2.0 – Ein Ernährungs Manifest

griffin

1985 veröffentlichte ein Radiologe namens Boyd Eaton einen Artikel für das New England Journal of Medicine mit dem Namen Paläolithische Ernährung. Soweit ich weiß, können wir den Gebrauch des Begriffs Paläolithische Ernährung oder Paläo Ernährung zu diesem Artikel zurückverfolgen. Eaton war später Inspiration und Mitarbeiter von Loren Cordain, einem Professor für Sportwissenschaften an der Colorado State Universität und Autor des wohl beliebtesten Buches mit “Paläo” im Titel.

Ein Gastroenterologe namens Walter L. Voegtlin hatte ein Buch namens Die Steinzeit Ernährung viel früher geschrieben, im Jahr 1975. Es war der Beginn einer traurigen Entwicklung, die bis heute andauert: Das Buch hatte einen Höhlenmenschen auf dem Titel, komplett mit Lendenschurz und Speer. Interessanterweise schienen sowohl Voegtlin als auch Eaton, das Makronährstoff Verhältnis als wichtigsten Parameter der Steinzeit Ernährung zu sehen, dem wir nacheifern sollten. Ich halte dies für das unwichtigste Element.

Ich hatte den Begriff Paläo Ernährung zuerst in Eatons Artikel gehört. Ich stieß darauf, als ich mich im September 2007 auf meine Laufbahn begab. Ich erinnerte mich, daß ich den Artikel zum ersten Mal in der medizinischen Fakultät (1985) gelesen hatte, zu einer Zeit, als ich ein Abonnement für NEJM hatte. Der Artikel kam mir beim erneuten Lesen zwar bekannt vor, aber ich kann nicht behaupten, dass er einen großen Eindruck hinterlassen hatte. Bevor ich Gute Kalorien, Schlechte Kalorien (GCBC) von Gary Taubes gelesen hatte, glaubte ich nämlich noch, dass Nahrung nur Brennstoff wäre. Fettleibigkeit hielt ich grundsätzlich für eine Folge schlechter Gene, Überernährung oder Bewegungsmangel – die üblichen Verdächtigen.

Das Lesen von Taubes GCBC im Jahr 2007 hinterlies einige Eindrücke:

1) Die Verunglimpfung von gesättigten Fettsäuren und deren häufigste Quelle Fleisch, war ein 50-jähriger Fehlgriff von kriminellen Dimensionen.

Meine eigene Ernährung hatte zum Glück noch nie einen Mangel an Eiern, rotem Fleisch, Butter und Speck. Einerseits durch Überheblichkeit und andererseits durch den Glauben, dass ich “gute Gene” habe. In der medizinischen Fakultät hatten sie versucht uns beizubringen, dass wir uns Sorgen um “Cholesterin” machen sollen. Aber selbst zu jener Zeit, mit meiner Biochemie auf Studentenniveau, schien das nur vage plausibel. Haben Menschen nicht seit Jahrmillionen Fleisch gegessen?

Es mag geholfen haben, dass ich eine Cholesterin-Untersuchung in der medizinischen Fakultät gemacht habe. Soweit ich mich erinnere, war mein Gesamtcholesterin rund 140 und HDL ungefähr 50 – bei einer Ernährung mit viel tierischem Fett und Ei. Ich konnte sowieso nicht mehr als einen Tag ohne richtiges Fleisch auskommen. Also wenn es mich letztlich umbringen sollte, dann sei das eben so.

Im Herbst 2007 habe ich Gary Taubes im Radio gehört. Dies war vor allem eine Bestätigung des sturen und instinktiven Kerns meiner bis dahin 45-jährigen Lebensernährung – tierische Erzeugnisse und ihre Fette.

Eine Anekdote aus dem Jahr 1995: Ein ehemaliger Partner von mir, meinte beim Anblick meines Frühstücks aus der Krankenhaus Cafeteria: “Das Frühstück ist aber gut fürs Herz!”. Ich schaute auf mein Tablett, das etwa 3 Rühreier, ähnlich viele Würstchen, sowie Speckwürfel enthielt, zusammen mit einer Packung Vollmilch. Der Spott galt nicht der einzigen Scheibe Weizentoast zum Eigelb Aufwischen. Aber die beiden Butterflocken auf dem Toast waren sicherlich Teil der Verurteilten. Ich war ganz verblüfft über seinen Kommentar, weil ich seit meiner Kindheit nicht anders gegessen habe. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte ich feststellen, dass mein Mangel an Nahrungsbewußtsein mich vom Großteil der Schäden bewahrt hat, die durch Ernährungs-”Experten” verübt wurden. Und zwar seitdem Ancel Keys in den 50ern erstmals die Ergebnisse so verfälscht hat, dass der Eindruck entstand, Herzkrankheiten würden von gesättigtem Fett verursacht werden. Zudem war die Frau meines Partners Linkshänderin, Unitarierin und Künstlerin. Ich denke mein Partner hat mir nur das “serviert”, was er daheim bei solcher Kost zu hören bekommen hätte.

2) Einige Krankheiten, die heute weit verbreitet sind, sind die sogenannten Zivilisationskrankheiten. Sie treten in keiner nennenswerten Häufigkeit in ursprünglichen oder Jäger-Sammler-Populationen auf, bis dort westliche Lebensmittel eingeführt werden.

Ich hatte vorher noch nie von Belegen gehört, dass einige der Krankheiten, die ich mein ganzes Berufsleben zu sehen bekam, optional sein könnten. Krankheiten wie Diabetes, Herzkrankheiten, gemeine epitheliale Tumore, Divertikulitis und Appendizitis. Die meisten medizinischen Fakultäten behandeln das Thema der Zivilisationskrankheiten nicht wirklich. Die fundamentale Annahme war, dass Krebs, Herzkrankheiten und Fettleibigkeit nur Probleme sind, weil wir jetzt lange genug leben, um sie zu bekommen. Und sind wir nicht glücklich über die moderne Medizin? Die Ernährungs/Herz Hypothese ist die Vorstellung, dass Cholesterin, gesättigte Fettsäuren oder rotes Fleisch verantwortlich für Gefäßerkrankungen und Herzinfarkt sind. Sie gibtes schon seit Jahrzehnten, aber sie war noch nie so in die Kultur verwoben werden, wie sie es heute ist. Es gab nicht wirklich ein gedrucktes Gegenstück zur heutigen 24/7 Propaganda der Pop-Ernährung über MSN und Yahoo. Nicht mit kecken Titeln über die neueste wertlose Beobachtungsstudie, die einer bunten Pflanze einen tertiären Biomarker für den Gesundheitszustand zuordnet.

So wurde uns erklärt, dass durch die Ernährung aufgenommenes Cholesterin und Fett zu Herzinfarkten beitragen könne. Krebs, Diabetes und Autoimmunerkrankungen hingegen wurden vorwiegend als Teil des Menschseins verstanden.

In Garys Buch werden ursprünglich und vollwertig essende Völker beschrieben, und was mit ihnen geschieht, als sie auf die Ernährung des weißen Mannes umsteigen. Dies hat mir die Augen geöffnet und wurde nie in meinem Lehrplan an der medizinischen Fakultät angedeutet.

Gary beschrieb die gemeinsamen Elemente als Kohlenhydrate, leicht verdauliche Kohlenhydrate. Dies bildete die Grundlage für seine Kohlenhydrat Hypothese von Zivilisationskrankheiten. Nahrungsfette waren also nicht verantwortlich für Herzinfarkte und dieses Argument scheint mir immer noch überzeugend. Dagegen könnten eine ganze Reihe von Zivilisationskrankheiten stattdessen durch denjenigen Makronährstoff verursacht werden, der uns für ca. 40 Jahre von den Regierungen und ihrer Konföderation von Gutmenschen aufgedrängt wurde. Das angebliche Gegenmittel gegen das Übel der Arterie-Verstopfung durch tierische Fette (gesättigte Fettsäuren), Kohlenhydrat. Vermeidet rotes Fleisch. Esst mehr Pasta und “fettarme” Kost.

Die Ernährungsumstellung bei solchen Völkern schien in Verbindung zu stehen mit der Einführung von leicht verdaulichen Kohlenhydraten. In Form von Mehl und Zucker waren diese die Grundnahrungsmittel der völkermordenden Staatsarmeen und des Bevormundungs-Staates, der unweigerlich folgte.

Immer wieder waren es einheimische Völker, die einst frei war von Krebs, Diabetes, Herzinfarkt, Demenz, Divertikulitis, Appendizitis, etc. In weniger als einer Generation, begannen auch sie an diesen Krankheiten zu leiden, wie der kolonisierende weiße Mann oder noch schlimmer.

Ich las die Quellen von GCBC, Werke von John Yudkin, TL Cleave, Weston Price und anderen. Ich begann einzutauchen in die Primärliteratur von Ernährung, Stoffwechsel, Endokrinologie, Gastroenterologie, Anthropologie und Paläo-Anthropologie. Ich fing damit an wissenschaftlich orientierte Blogs zu lesen und darüber nachzudenken, was sie zu sagen hatten. Ich las die Paper, auf die sie verwiesen und folgte Anhaltspunkten auf PubMed, der nationalen Bibliothek für Artikel mit Peer Review.

Ich wurde ein überzeugter Befürworter des Konzepts der Ernährungsumstellung.

In den frühen Tagen meines Blogs suchte ich nach der Trennlinie zwischen der gesunden Ernährung unserer Ahnen und der modernen Ernährung. Ich nahm an, dass sie wahrscheinlich in der Zeit lag, als der Homo sapiens sesshaft wurde. Damals lebte er erstmals an einem Fleck und führte die Landwirtschaft ein. (Es wird heute angenommen, dass die Sesshaftigkeit mehrere tausend Jahre vor der Domestizierung von Getreide stattfand). Dies geschah vor etwa 10.000 Jahren, Pi mal Daumen.

Also schien “paläolithische Ernährung” eine gute Abkürzung für das, was wir essen sollten, um Zivilisationskrankheiten zu vermeiden.

Problematisch wurde es, als ich zu lesen begann, was andere vor mir als wesentliche Merkmale der “paläolithischen Ernährung” beschrieben.

Einige dieser Ansichten, wie die Vermeidung von Weizen und anderem Gluten-haltigen Getreide, schienen mir vernünftig. Aber einige Ansichten waren schwach belegt, andere nur dumm, und wieder andere widersprachen direkt den, meiner Meinung nach, am wissenschaftlich fundiertesten Argumenten in GCBC.

Unsere hominiden Vorfahren aßen nur mageres Fleisch und wenige gesättigte Fettsäuren

Die paläolithische Ernährung zeichnet sich durch viele Nüsse aus

Die paläolithische Ernährung enthält viele süße Früchte, das ganze Jahr über. Darunter Früchte, die nicht einmal existierten, bis vor ihrer künstlichen Züchtung vor ein paar hundert Jahren.

Die Jäger und Sammler Ernährung hatte immer eine präzise Balance zwischen “sauren” und “basischen” Lebensmitteln. Wenn dieses Gleichgewicht nicht präzise erhalten wird, wird Kalzium aus den Knochen herausgezogen, was zu Osteoporose führt.

Die paläolithische Ernährung enthält viel gegrillten Lachs und Hähnchenbrust ohne Haut.

Fisch zu essen ist wichtig für das Gehirnwachstum und die allgemeine Gesundheit.

Milch und Käse verursachen Krebs.

Eier können gegessen werden, aber man sollte das Eigelb wegwerfen um zu viel Cholesterin zu vermeiden.

Diese Ansichten kommen mir alle bestenfalls fragwürdig vor. Weder nachhaltige PubMed Recherchen noch informiertes logisches Denken konnten sie bestätigen.

Im Halbschatten von Paläo Internet und Blogosphäre scheint es noch viel verrücktere Ansichten zu geben. Zugegeben, der Großteil der “Paläo-Bewegung” nimmt diese nicht an. Aber ihre Existenz beweist, daß es kaum etwas wie ein Lizenzierungssystem gibt um bizarre Spekulationen über die natürliche menschliche Ernährung zu verhindern. Insbesondere solche ganz ohne Bezug zu dem, was tatsächlich über die Ernährung unserer Vorfahren bekannt ist.

Daraus erhalten wir:

Wir sind nicht dafür ausgelegt um gekochte Nahrung zu essen. Es doch zu tun, heißt Krankheiten Tür und Tor zu öffnen.

Wir sind nicht dafür ausgelegt um irgendwelche pflanzliche Nahrung zu essen.

Wir sind nicht dafür ausgelegt um irgendwelche tierische Nahrung zu essen.

(Diese kennen wir alle – Die vegane Bedrohung. Säuglinge zu töten und Erwachsene ihrer Vitalität zu berauben ist die ultimative Leugnung von Biologie. Unterstützt von unzähligen hirnlosen Prominenten)

Und dann der unvermeidbare kombinatorische Wahnsinn von:

Die natürliche menschliche Ernährung besteht allein aus pflanzlicher Rohkost.

Die natürliche menschliche Ernährung besteht allein aus Hackfleisch und Wasser.

Die natürliche menschliche Ernährung besteht allein aus rohem Fleisch und Wasser.

Die natürliche menschliche Ernährung besteht allein aus rohem Obst.

Man kann sich das Ausmaß vorstellen

Scheinbar gibt es nur ein einziges gemeinsames Element, welches alle akzeptieren, die sich auf das Essen berufen, wofür wir “ausgelegt” sind: Getreide sollte kein überwiegender Teil der Ernährung sein.

Aber dann habe ich einige Zeit damit verbracht bei der Weston Price Foundation zu lesen. WAPF ist offensichtlich inspiriert von Weston Price, einem universalgelehrten Zahnarzt. Er machte umfangreiche Studien über die traditionelle Ernährungsweise von modernen Jägern und Sammlern und versuchte die gemeinsamen Elemente zu erkennen, die sie gesund hielten. WAPF befürwortet den Verzehr von Getreiden, so lange sie mit traditionellen Methoden hergestellt wurden (was ich nicht befürworte). Dennoch stimmte ich mit ihnen über die Gesundheitswirkung von praktisch allen anderen verfügbaren Nahrungsmitteln mehr überein, als mit den meisten Autoritäten der Paläo Bewegung zu der Zeit. Diejenigen, die sich bei ihren Empfehlungen auf die Ernährung berufen, für die wir “ausgelegt” sind.

Wohin gehst du, Paläo Ernährung?

Wo stehen wir also? Was spricht gegen Idee zur Ernährung unserer Vorfahren zurückzukehren? Die Ernährung, für deren Verzehr wir von der Evolution ausgelegt sind?

Wie können wir eine paläolithische Ernährung zu uns nehmen, wenn wir uns nicht darüber einig sind, was das ist?

Das Konzept der paläolithischen Ernährung ist aus mehreren Gründen fehlerhaft. Die meisten der Nahrungsmittel, für die wir ausgelegt sind, stehen uns eigentlich nicht zur Verfügung, entweder von der Art oder von der Menge.

Und es gab nie die eine Ernährung, die in der Aufeinanderfolge aller Arten von Hominiden gegessen wurde, in unserer Millionen von Jahren dauernden Evolution.

Die Ansicht, dass es eine Evolution unserer Nahrungsquellen gab, aber eine geringe oder gar keine adaptive Evolution der konsumierenden Organismen (uns), ist auch nicht ganz richtig.

Dass wir einige Dinge essen, für die wir eindeutig unzureichend angepasst sind scheint sicher. Dass der ernährungstechnische Umkehrpunkt eng gefasst ist und vor ca. 10.000 Jahren stattfand, ist aber eine Karikatur, die nicht von wissenschaftlichen Erkenntnissen belegt wird. Ich glaube, der größte Schaden durch Ernährung geht auf die industrielle Verarbeitung zurück. Sie hat die Wirkung von Dingen verstärkt, die schon immer da und noch nie gut für uns waren. Ich glaube gleichwohl, dass die Verdrängung von tierischen Produkten durch Weizen und andere Getreidesorten seit 10.000 Jahren ein Thema ist.

Die Vorstellung, dass alles, bis vor 10.000 Jahren gut für uns ist und alles danach schlecht für uns ist, ist inkohärent.

Die “Paläolitische Ernährung” ist eine Chimäre, ein Mythos.

Nicht wirklicher als ein Greif.

Eine schöne Sache, die nicht wirklich existiert.

Ich habe den Begriff “Evolutionäres metabolisches Milieu” oder EM2 geprägt. Damit will ich andeuten, dass wir genau die Speisen, die gegessen wurden wohl nicht replizieren können, . Stattdessen können wir uns bemühen, wissenschaftliche Erkenntnisse und unser logisches Denken zu verwenden um das wichtigste Element der evolutionären metabolischen Umgebung nachzuahmen – das interne Umfeld unserer Körper.

Taubes, Yudkin, Cleave und Price haben sich nie wirklich auf evolutionäres Denken berufen. Dennoch besteht die Möglichkeit, ihre wunderbaren Ideen zu verbinden zu einer soliden Denkweise über Ernährung in einem evolutionären Kontext.

Eine Vorgehensweise, bei der sich “Paläo” nicht mehr auf eine bestimmte Ernährung zu irgendeiner bestimmten Zeit bezieht, sondern nur auf Paläo im Sinne von “alt” . Es ist egal, ob es sich um traditionelle neolithische, paläolithische oder moderne Lebensmittel handelt., Wir müssen nur wissen, dass sie gesund sind oder im ernährungsphysiologisch oder metabolischen Sinne dem ähneln, was eine archaische Ernährung gewesen sein könnte. Dann haben all diese Konzepte eine Daseinsberechtigung.

Ich habe einen Blog-Beitrag geschrieben, wie mein Konzept der evolutionären Argumentation sich unterscheidet von der Wiederherstellung einer phantasierten Vergangenheit.

palaeo venn

Ich sagte:

…. wenn Lebensmittel zur Krankheit beitragen, ist es unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich), daß wir die schlechten Lebensmittel seit langem gegessen haben. Viel wahrscheinlicher sind sie relativ neuzeitlich.

…. dass ein Lebensmittel evolutionär neu ist, machte es zur wahrscheinlichen Bedingung für eine Einstufung als Krankheitserreger. Aber die Neuheit ist weder notwendig noch hinreichend für den Status eines Krankheitserregers.

Es scheint offensichtlich, dass das Universum von Lebensmitteln aus dem Neolithikum oder später wahrscheinliche Kandidaten von ernährungsbedingten Krankheitserregern einschließt. Krankheitserreger sind wiederum sehr wahrscheinlich neolithisch.

aber …. dass es es sich um neolithische Nahrung handelt, reicht alleine nicht aus, um etwas als Krankheitserreger abzustempeln.

Angenommen wir haben medizinische und metabolische Beweise dafür, dass eine neolithische Nahrungsquelle gesund ist. Außerdem erachten wir seine Bestandteile als völlig kompatibel mit Nahrungsmitteln, die wir dem Paläolithikum zuordnen. Dann können wir daraus schließen, dass diese Nahrung im Venn-Diagramm nicht im Kreis der Krankheitserreger liegt.

So definieren wir eine gesunde Ernährung eher über das, was ihr fehlt, als durch den Versuch eine Chimäre zu replizieren.

Angenommen neolithische Krankheitserreger sind per Definition etwas, das die Ernährungs-Umstellung verursacht hat. Diese hat wiederum die Zivilisationskrankheiten angebahnt. Dann sollten sich unsere Bemühungen darauf fokussieren, welche diese neolithische Krankheitserreger sind.

Ich nenne ein solches Konzept, bei Nutzung aller verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse statt lediglich evolutionärer Spekulation, Paläo 2.0

Paläo 2.0 ist Paläo Ernährung bei der der Paläo-Präfix archaisch bedeutet , nicht paläolithisch

Wir berufen uns auf archaische Ernährungsweisen, um zu erkennen, was mit unserer modernen neolithischen/industriellen Ernährung schief läuft. Diese archaischen Ernährungsweisen können Hunderte von Jahren alt sein, oder viele Tausende.

Wir konzentrieren uns auf die Ernährungs-Umstellung und verwenden dann alle unsere wissenschaftlichen Ressourcen auf der Suche nach mutmaßlichen neolithischen Krankheitserregern.

In der Biologie ist mit “mutmaßlich” ein Verursacher gemeint, der vermutlich der verantwortliche oder tätige Verursacher ist. Aber wir versuchen immer, unsere Hypothese zu falsifizieren. Wir sind immer auf der Suche nach Belegen, dass wir falsch liegen mit unserem Verursacher.

In meiner eigenen intellektuellen Entwicklung habe ich Gary Taubes Kohlenhydrat Hypothese der Ernährungs-Umstellung erweitert und modifiziert. Sie klagt nun nicht mehr eine ganze Klasse von Makronährstoffen an.

Ich glaube das Problem mit Getreide oder Zucker ist nicht, dass sie Kohlenhydrate sind oder enthalten.

Zu meinen neolithischen Krankheitserregern gehören die folgenden, in chronologischer Reihenfolge der Einführung in unserer Ernährung.

Getreide

Getreide enthält Stärke, das ist ausgezeichnet. Aber zusammen mit der Stärke enthält Getreide Gluten, ein Komplex von Proteinen, der mit einer Vielzahl von Krankheiten in Zusammenhang gebracht wird. Es enthält außerdem Weizenkeimagglutinin, ein Lektin Antinährstoff. Zöliakie, Fettleibigkeit, Diabetes und psychische Erkrankungen können auf den Verzehr von Getreide zurückgeführt werden.

Das Dilemma mit Getreide sind Proteine, nicht Kohlenhydrate. Weißes Mehl ist eine dichte und stark konzentrierte Mischung dieser problematischen Proteine und Antinährstoffe. Getreide verursacht auch bei denen Probleme, die es seit Tausenden von Jahren gegessen haben.

Man sollte Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Wurzelgemüse als Stärkelieferant essen. Mit dem Verzehr von Brot, Gebäck, Kuchen und andere Backwaren sollte man aufhören.

Übermäßige Fruktose

Fruktose ist ein Kohlenhydrat, aber metabolisch unterscheidet es sich stark von Glukose, die aus Stärke gewonnen wird. In kleinen Mengen oder in richtigem Essen in moderaten Mengen, mag Fruktose kein Problem sein. Aber die Allgegenwart von Fruktose in der modernen Ernährung verursacht Fettleibigkeit, Insulinresistenz, Fettleber und abnormes Wachstum von Bakterien im Darm mit folgender Entzündung.

Fruktose kann einfach minimiert werden durch das Ablehnen verarbeiteter Lebensmittel, die in einer Packung kommen (besonders “fettarme” Lebensmittel). Ebenso durch das Ablehnen kalorienhaltiger Getränke, wie Limonade, Fruchtsäfte und Sportgetränke.

Getreidemehl und Fruktose sind die beiden neolitihischen Krankheitserreger der meisten historisch belegten Ernährungs-Umstellungen.

Übermäßige Linolsäure

Linolsäure ist eine Omega-6-Fettsäure, eine mehrfach ungesättigte Fettsäure oder PUFA. Zusammen mit n-3, dem anderen PUFA Typ, ist es theoretisch eine essentielle Fettsäure. aber die Verzehrempfehlung ist eine so kleine Menge, dass man es besser als Mikronährstoff sehen sollte. Ein Jäger und Sammler oder paleolithischer Mensch könnte insgesamt auf einen PUFA Anteil von 3% der Gesamtkalorien gekommen sein. Moderne Nordamerikaner kommen auf einen PUFA Anteil von rund 15%, der Großteil davon n-6. Es gibt ein doppeltes Problem damit.

1) n-3 und n-6-Vorstufen sind Wettbewerber um das gleiche Enzym im Eikosanoid Übertragungsweg. Ein Übermaß an n-6 in der Ernährung bedeutet, dass n-3 auf Enzym Ebene verdrängt wird. Die Folge ist eine Überzahl von entzündungssteigernden Molekülen. Erhöhtes Krebs- und Entzündungsrisiko hängen beide wahrscheinlich damit zusammen

2) Viele sind sich bewusst, dass das 6:3 Verhältnis wichtig ist. Also versuchen sie es zu kompensieren, indem sie Fischöl einnehmen.Dies funktioniert nicht besonders gut. Es ist unrealistisch so viel Fisch essen zu wollen. Man kann Fischöl Nahrungsergänzungen einnehmen, verschärft damit aber das zweite und wichtigere Problem mit übermäßigem n-6: die insgesamte PUFA Einnahme. Eine hohe insgesamte PUFA Einnahme führt zu oxidativen Schäden an den Zellen, insbesondere wegen der sehr instabilen n-3. Arterien, Leber und andere Organe mögen zusätzliche oxidative Schäden nicht.

Unser modernes Übermaß an n-6 oder Linolsäure korrigiert man, indem man die modernen Quellen vermeidet. Man verzichtet auf alle temperierten Pflanzenöle. Also Koch- und Bratöle wie Mais, Soja, Raps, Flachs, usw. Und schön sachte mit Nüssen und Hühnern aus Massenhaltung. Dies sind typische Quellen von n-6, insbesondere Nüsse und Nuss Öle.

Ich fing vor mehr als 3 ½ Jahren an über Ernährung zu lesen und zu denken. Seit fast 2 Jahren blogge ich darüber. In den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass eine Reihe anderer Autoren die gleichen neolithischen Verursacher hervorheben.

Entscheidend ist, daß diese anderen Autoren auch:

  1. die alternative Hypothese von gesättigten Fettsäuren oder Cholesterin als neolithischen Verursacher ablehnen – die sogenannte Ernährungs/Herz Hypothese
  2. einen wesentlichen Anteil der Ernährung aus tierischen Quellen als notwendig für die Gesundheit sehen .
  3. die absolute Bedeutung der Makronährstoffverteilung in der Ernährungs-Umstellung gering bewerten.
  4. eine Vollwert Ernährung mit angemessenen Mikronährstoffgehalt für den besten Weg halten um gesund zu essen.
  5. Knollen und Wurzelgemüse, sowie andere Stärkequellen für normale Menschen als gesund ansehen. Die meisten Getreidekörner hingegen halten sie für eine suboptimale Nahrungsquelle, außer in geringen Mengen.

Ich habe diesen Beitrag sowohl für meine regelmäßigen Leser bei PaNu geschrieben, als auch für neue Leser, die noch nie von Paläo Diäten oder Paläo Ernährung gehört haben.

Ich lade alle neuen Leser dazu ein mit den verlinkten Blog Einträgen anzufangen, um eine bessere Vorstellung zu bekommen, was PaNu als Ernährung bedeutet. Es ist eher eine Philosophie und ein Konzept, als das Befolgen einer Reihe von Regeln.

Ich lade auch andere Blogger, Autoren und Denker dazu ein, sich auf freiwilliger Basis der Bezeichnung Paleo 2.0 anzuschließen.

Viele Persönlichkeiten, die ich für Paläo 2.0 konform halte, würden und werden sich wahrscheinlich überhaupt nicht mit “Paläo” identifizieren. Betrachtet man Einiges von dem Unsinn, den ich unter der Rubrik Paläo gesehen habe, kann ich diese Haltung verstehen. Ich überlege seit einiger Zeit die Streichung dieses Begriffs aus meinem eigenen Blog.

Aber niemandem gehört das griechische Wort palaios. Das deutsche Paläo- ist nur ein Modifikator. Und die Sprache entwickelt sich. Wir können Paleo 2.0 verwenden, bis es das bedeutet, was wir wollen. Eine Ernährung, die archaisch ist, weil sie sich mit Wissenschaft und Geschichtsforschung auf die Vergangenheit beruft. Sie hat aber nicht die Absicht eine Szene nachzustellen, die nur in unserer Fantasie stattgefunden hat.

Wenn man mit dem Konzept der neolithischen Krankheitserreger und den 5 daraus folgenden Punkten übereinstimmt. Wenn man außerdem die “Paläo-” Vorsilbe lieber getrennt von der Chimäre einer Paläo-”lithischen” Ernährung sehen möchte, dann sollte man es sagen.

Manche werden meinen Vorschlag kritisieren, weil er ein großes Zelt mit dem Einsturz bedroht.

Ich sehe es lieber als Verlassen des Zeltes, um eine ordentliches Gebäude zu errichten.


Aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung von Kurt G. Harris MD.
German Translation with kind permission of Kurt G. Harris MD.
Teile Deine Meinung, sei freundlich.
  1. lexi sagt:

    Danke, sauber übersetzt, eine Perle gefunden. Ich habe das zuerst über evfit.com, einem pensionierten Australier, kennengelernt, Harris fasst schöner zusammen, der Aussie ist mehr Hobbysportler, aber auch ganz entspannt. Grüsse Lexi

    Antworten

Trackbacks für diesen Eintrag

  1. Paläo 2.0 - Evolution der Steinzeit Ernährung | flocblog

Antworten