25
Jan 2012
Mein 200 Bücher Leseprojekt geht sehr bescheiden voran. 133 Bücher sind noch übrig…
Aber es geht nicht nur um Quantität. Hauptsächlich geht es um Qualität. Charles Bukowskis Buch “Women” ist Qualität, die aus dem Gleichgewicht bringt.
Warum immer weitere Frauen?
Was versuche ich zu tun?
(Charles Bukowski – Women)
Bukowski schreibt gnadenlos direkt über alles, was wichtig ist:
Frauen, Alkohol, Frauen, Pferderennen, Alkohol und Frauen.
Seine Geschichten sind total triebgesteuert. Sie sind abgefuckt und traurig. Aber seine absolut nüchterne Darstellung ist zum Schlapplachen. So nüchtern sein Schreibstil ist, so versoffen ist Bukowski!
Menschliche Beziehungen funktionieren sowieso nicht. Nur die ersten 2 Wochen haben etwas zing. Dann verlieren die Beteiligten ihr Interesse.
(Charles Bukowski – Women)
Er ist ein Steppenwolf. Aber anders als bei Hesse, ist Bukowski weder sentimental noch einsam, zumindest nach außen hin. Seine Gedichte erzählen eine andere Geschichte.
Bukowski nimmt seine vielen Probleme (mit Frauen) auf die leichte Schulter. Als Leser fragt man sich dauernd, ob man Manches zu ernst nimmt.
Charles Bukowski ist vor 18 Jahren gestorben. Deswegen kommt er nicht in meine Heimatstadt Würzburg. Aber in Würzburg läuft aktuell eine Bukowski Lesung mit Musik im Theater Ensemble.
Sollte man sich anschauen!
Nichts ist jemals im Gleichklang. Menschen greifen blind nach allem, was es so gibt: Kommunismus, gesundes Essen, Zen, Surfen, Ballett, Hypnose, Gruppenbegegnungen, Orgien, Radfahren, Kräuter, Katholizismus, Gewichtheben, Reisen, Rückzug, Vegetarismus, Indien, Malen, Schreiben, Bildhauerei , Musik schreiben, Dirigieren, Rucksackreisen, Yoga, Kopulieren, Glücksspiel, Trinken, Rumhängen, gefrorener Joghurt,, Beethoven, Bach, Buddha, Christus, TM, H, Karottensaft, Selbstmord, maßgeschneiderte Anzüge, Charter Reisen, New York City, und dann verdampft Alles und fällt auseinander.
Menschen müssen Dinge finden um sich die Zeit bis zum Tod zu vertreiben. Ich denke, es ist schön, eine Wahl zu haben.
(Charles Bukowski – Women)
…und mir erzählen, wie es war (-;
23
Apr 2011
Im flocblog schreibe ich über Gott und die Welt, nur über Privates nicht. Na gut, meine frühe Rückkehr aus Thailand, musste ich privat begründen mit “2 schweren Krankheitsfällen im allerengsten Familienkreis”. Mein Bruder und meine Mutter bekamen nämlich im gleichen Zeitraum Krebs.
Ein gutes Jahr später, will ich die Situation auflösen, Privatverbot hin oder her. Heute steht nämlich ein Artikel über meine Mutter in der Regionalzeitung Main-Post, als inspirierende Osterbotschaft:
[...] ein 16,5 Zentimeter großer Tumor wurde entdeckt, der zwei Drittel seines rechten Lungenflügels abdrückte.
Der Blutkrebs der Art 17p deletion gilt als nicht therapierbar.
40 Chemotherapien hat Paula Blümm seit März 2010 über sich ergehen lassen.
Einen Monat musste Paula Blümm in einer speziellen keimfreien Box leben.
 In der Quarantäne Box
An der Einstellung meiner Mutter kann sich jeder und insbesondere jeder Stoiker eine Scheibe abschneiden:
Tag für Tag staunten die Ärzte in Erlangen über die unverändert positive Einstellung von Paula Blümm.
“Also wollte ich nicht an [den Krebs] denken. Aber es war fast unmöglich. Ich blieb stur. Meinen Körper konnte er zerstören, aber nicht meinen Kopf, mein Denken”, erzählt Paula Blümm.
Und natürlich lächelt die Frau dabei auf eine so ansteckende Weise, dass man sich schämen möchte, weswegen ein Mensch manchmal verstimmt ist.
 Vertrauter Anblick
Und als unverhoffte Zugabe sondergleichen, das vorläufige Happy End:
Das größte Glück ging in Erfüllung: Sohn Christian wurde wieder gesund.
Das ist die Botschaft von Paula Blümm. Die Hoffnung nicht aufgeben und dem Schlechten keinen Platz in den Gedanken geben. Nach allem, was die Werte sagen, hatte sie Erfolg damit. Am 7. April wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen.
Der Artikel steht in voller Länge im Internet, bei der Main-Post.
08
Sep 2010
Der Einstieg in die Fragerunde ist gleich ziemlich abgehoben und unerfreulich.
Meine Oma ist gestorben und deshalb frage ich:
Gibt es eine Seele?
oder gleichbedeutend:
Kann man seinen Tod überleben?
Die Frage kommt sehr spät. Platon hat das Thema bereits vor 2400 Jahren erschöpfend untersucht. Seine Untersuchung ist bestechend logisch, letztendlich aber unpraktisch. Praktisch lässt sich die Existenz der Seele:
-
nicht beweisen
Der Tod ist das Ende des Lebens. Es ist nicht möglich im Leben zu erfahren, was nach dem Tod passiert.
-
nicht widerlegen
Es ist grundsätzlich unmöglich eine solche Existenzbehauptung zu widerlegen, selbst wenn es um die Teekanne zwischen Erde und Mars geht.
Wer Überlegungen zur Existenz der Seele trotzdem interessant findet, sollte unbedingt die Online-Vorlesung Death von Shelly Kagan hören.
Endstation oder Tor zum Jenseits?
Mit einer objektiven Beurteilung, wie der von Platon, lässt sich die Frage nach der Seele demnach nicht beantworten. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob der Glaube an die Seele sinnvoll ist. Es wird also immer Menschen geben, die an die Seele glauben (Dualisten) und solche, die es nicht tun (Monisten).
Diese Antwort ist unerfreulich deutlich und deutlich unerfreulich.
Glücklicherweise kann man bei jeder Ursache auch nach der Wirkung fragen:
Macht der Glaube an die Seele überhaupt einen Unterschied?
Ja!
Eher geht ein Kamel
durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher
in den Himmel kommt.
(Mk 10,25 – Bibel)
- Der Dualist Sokrates hätte mühelos fliehen können, trank aber bereitwillig den Schierlingsbecher.
- Jahrhundertelang wirkte das Himmelreich als “Opium fürs Volk”.
- Auch im 21. Jahrhundert ist die Vorstellung des persönlichen Gerichts nach dem Tod sehr verbreitet.
- Ganz extreme Zeitgenossen fliegen sogar mit Passagiermaschinen in Hochhäuser, um in den Himmel zu kommen.
Sollte der Glaube an die Seele einen Unterschied machen?
Nein!
Ein Leben nach dem Tod schließt ein erfülltes Leben vor dem Tod nicht aus.
Gott sei Dank, im Jenseits gibt es WLAN!
Also liebe Dualisten, liebe Seelenglauber. Lasst euch bitte nicht vertrösten.
Lebt euer Leben so, als hättet ihr keine Seele.
Es könnte nämlich so sein.
20
Mrz 2009
“Warum?” heißt es in Medien und Politik in der ersten Woche nach dem Amoklauf von Winnenden.
“Deutschland ist entsetzt”
“Niemand versteht wie es so weit kommen konnte.”
Wenn es doch so einfach wäre…
Verstehen hieße Eingestehen, daß das Schulsystem seine Mängel hat.
Das macht man als Politiker oder Journalist ungern.
Ich freilich tu das gern.
Ich war als Nerd selbst ein ewiger Außenseiter am Gymnasium.
Manchmal waren die Anfeindungen echt heftig. Selbst vernünftige Leute haben es sich nicht nehmen lassen mir das Leben schwer zu machen. Ich wollte wiederum nur meine Ruhe und habe die Angriffe überhaupt nicht verstanden. Im Grunde fand ich Schule und Menschen und das ganze Leben totlangweilig. Lieber wollte ich Computer spielen und Metal hören. (-;
Auch wenn ich gegen niemanden von damals einen Groll hege, meine Objektivität ist reichlich in Frage gestellt. Also halte ich mich mal raus.

Paul Graham
Stattdessen bemühe ich keinen Geringeren als Paul Graham. Graham ist einer der bekanntesten Programmierer (unter Programmierern). Außerdem ist er Buchautor, Maler, Essayist, Mitgründer eines sehr erfolgreichen Startups, Vater von Hacker News, Investor bei unzähligen Startups und nicht zuletzt großes, großes Vorbild. Noch dazu entwickelt er seit Jahren die 100 Jahre-Programmiersprache Arc von der man halten kann was man will (-;
Für den Amoklauf interessant ist einer seiner hervorragendsten Essays Why Nerds are unpopular (2003). Graham zeigt einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf amerikanische Highschools Dort ergeht es Außenseitern ungleich schlimmer als an deutschen Schulen. Grahams überraschende Schlussfolgerungen zum Schulsystem kann man aber getrost international verallgemeinern.
Dies ist der 3. Lebenslang Lernen Post und schon muss ich mit dem Vorsatz brechen die verlinkten Artikel nochmals in eigenen Worten zusammenzufassen.
Die Essays von Paul Graham sind schlichtwegs das Beste was man lesen kann. Für eine Interpredation hab ich zu großen Respekt.
Vielleicht macht mein Lieblingssatz aus Be Good ein wenig Appetit auf die Essays:
Gut zu sein ist gerade in unübersichtlichen Situationen eine nützliche Strategie, weil sie zustandslos ist.
Maximal überraschend und unbestreitbar richtig!
Wenn Nachfrage besteht werd ich mich in Zustandslosigkeit üben und den Nerd Essay übersetzen (-;
17
Okt 2008
Jeder von uns hat seine Vorbilder im Leben. Ein halbes Dutzend meiner Vorbilder kommt aus meinem Radsportverein. Aber ich hab schließlich auch n Rad ab… …und keinen Fernseher (-;
Ein weiteres großes Vorbild von mir hat diese Woche Station in Deutschland gemacht. Amanda Palmer ist am ehesten bekannt als Stimme der Dresden Dolls. Sie ist zur Zeit auf großer Tour und war am Dienstag in Heidelberg um ihr fabelhaftes Solo Album zu promoten. Natürlich hab ich mir das nicht entgehen lassen.
Die Show ist jetzt 3 Tage her und ich bin immer noch ganz durch den Wind. Unbeschreiblich war das und doch habe ich versucht es zu beschreiben.
Mann oh Mann, ich muss erstmal zur Ruhe kommen…
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