Ich habe die Sonne gesehen.
Unvernebelt und unversmogt!

eine chinesische Fahne unter blauem Himmel ist selten
Heute ist der Spuk vorbei. Der Himmel ist wieder grau-verhangen…

China schaut meistens so aus
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Vorgestern war ein merkwürdiger Tag. Das ist mir in 3 Wochen Chinareise noch nicht passiert:
Ich habe die Sonne gesehen. ![]() eine chinesische Fahne unter blauem Himmel ist selten
Und den freien Himmel. Ein strahlender, blauer Himmel!
Heute ist der Spuk vorbei. Der Himmel ist wieder grau-verhangen… ![]() China schaut meistens so aus
Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, war letzte Woche Zwischenhalt auf unserer Weltreise. Während wir dort unsere erste orthodoxe Kirche bewunderten, waren wir nur noch 100km von einem kleinen Städtchen namens Tschernobyl entfernt.
![]() orthodoxe Kirche am Bahnhof in Kiew Seit 1986 steht der Name Tschernobyl vor allem für Angst vor dem Unsichtbaren. Seit der Reaktorkatastrophe gilt die Atomkraft als schrecklich und unbeherrschbar. Es besteht Einigkeit dass wir Atomkraftwerke abschaffen müssen, lieber Heute als Morgen.
Und tatsächlich, seit Tschernobyl bauen wir keine Tschernobyls mehr und auch nur noch wenige sicherere Atomkraftwerke. Leider kommt Elektrizität nicht einfach aus der Steckdose. Strom wird heute schon maßgeblich aus Kohle erzeugt und der Anteil von dem dreckigen Zeug am Energiemix steigt. Dieses und nächstes Jahr werden in Deutschland 17 neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen. In China geht sogar jeden zweiten Tag ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Das Problem dabei ist: ![]() tödliche Luftverschmutzung
Meine Milchmädchenrechnung mit Menschenleben:
Todesopfer pro TWh wegen Tschernobyl: 93.000 Tote = 343 Tote pro TWh ![]() Tote pro TWh nach Energiequellen
Demgegenüber stehen 278 Todesopfer pro TWh beim Betrieb eines chinesischen Kohlekraftwerks, 161 Todesopfer pro TWh beim Betrieb eines durchschnittlichen Kohlekraftwerks und 0,04 Todesopfer pro TWh beim Betrieb eines durchschnittlichen Kernkraftwerks (inkl. Tschernobyl).
Nochmal zum Mitschreiben:
Statt neue Kohlekraftwerke zu bauen, könnten wir also genauso gut Tschernobyls bauen. Wenn wir eine Verbesserung wollen, sollten wir besser neuen Reaktortypen, wie dem Travelling Wave Reaktor eine Chance geben. ![]() green energy through solar power and nuclear power
Noch dazu verstärken Kohlekraftwerke mit ihrem CO2 Austoß den Treibhauseffekt. Atomkraftwerke klimaneutrale, grüne Energie liefern.
Ist unsere Angst vor Radioaktivität wirklich so absurd oder habe ich einen Rechenfehler?
Die menschliche Evolution ist am Ende.
Ist das schlimm? 1. Die technologische Antwort:Bei den künftigen Herausforderungen, die unser Überleben bedrohen, kann uns die Evolution sowieso nicht mehr helfen. Klar wäre es schön, wenn wir in 20 Generationen 10% schlauer wären oder 10% seltener krank. Aber notwendig ist das nicht, um die nächsten Hürden zu nehmen. Der Mensch, wie er heute ist, sollte trotz aller Makel genügen. Das ist keine neue sondern eine uralte Idee. Vor vielen 10.000 Jahren haben wir mit Hilfe von Tierfellen, Behausungen und Feuer Europa besiedelt. Ohne Steinzeit-Hightech würden wir auch heute keinen europäischen Winter überleben. Selbst Bear Grylls braucht ein Ziegenfell zum Schlafen und eine Seehundhaut zum Schwimmen Fazit: ![]() Evolutionsstufen von Behausungen (-: Die technologische Antwort ist eigentlich selbsterfüllend:
Als technologiegläubiger Mensch bin ich mit dieser Antwort schon zufrieden. Trotzdem habe ich nach anderen Antworten gesucht, die ich kurz anreißen möchte: 2. Multiple AusprägungenEs gibt kein Gen für nur ein Merkmal, ohne Nebenwirkungen für andere Merkmale. Ein Gen beeinflußt immer mehrere phänotypische Ausprägungen. Man will z.B. nach Intelligenz selektieren. Dann muss man beachten, dass 85% aller menschlichen Gene das Gehirn ausprägen. Vielleicht ist das Superintelligenz Gen gleichzeitig verantwortlich für schwere Herzfehler. Fazit: 3. PotentialWir schöpfen unser aktuelles Genpotential noch lange nicht aus. Es ist natürlich schwierig alle heutigen Einsteins für einen sinnvollen Zweck zu gewinnen. Viele von ihnen leben z.B. in Slums oder arbeiten bei Goldman Sachs. Aber es ist immer noch um Größenordnungen schwieriger neue Einsteins zu züchten und diese für einen sinnvollen Zweck zu gewinnen. Fazit: ![]() unsere Blaupause 4. GentechnikDie Evolution ist bestenfalls eine äußerst langwierige Genmanipulation, die selbst durch Züchtung schwer zu steuern ist. Intuitiv würde ich außerdem behaupten, dass die Evolution im mathematischen Sinn unvollständig ist. Dass also nicht alle lebensfähigen Phänotypen durch Evolution erreicht werden können. Durch die Gentechnik können wir unsere Gene vollständig, unmittelbar und zielgerichtet manipulieren. Wir können nicht nur Fehler beseitigen und vorhandene Merkmale verbessern. Wir können uns neu erfinden – mit unvorstellbaren Chancen und Risiken. Fazit: 5. Die Evolution hat kein ZielDie Evolution ist nur ein Werkzeug und sich selbst genug. Es gibt kein Endziel am Horizont und selbst der Fortbestand des Lebens ist Zufall (z.B. St. Mathews Island). Die Evolution hat insbesondere nichts übrig für Moral, Intelligenz oder andere menschliche Werte. Besser angepasste Lebensformen werden bevorzugt, egal ob Ein- oder Mehrzeller, Vögel oder Säugetiere. Wir fühlen uns heute als Evolutionssieger, genau wie die Dinosaurier vor 65 Mio. Jahren. Vielleicht ist es ein tragischer Fehler in unserer Vermessenheit der Evolution ein Ziel geben zu wollen. Fazit: ![]() Wir Affen sollen die Krone der Schöpfung sein? 6. Meme statt Gene
Neben dem Gen-Informationsspeicher hat die Evolution einen zweiten Informationsspeicher hervorgebracht: Das Gehirn. Leider geht der Inhalt eines Gehirns mit dem Tod des Individuums verloren. Wir kennen aber schon lange Abhilfen für dieses Problem. Was mit der mündlichen Überlieferung begann entwickelte sich über die Schrift zu elektronischen Massenspeichern. Wissenschaftlicher Fortschritt ist so überhaupt erst möglich. Selbst Newton stand auf den sprichwörtlichen Schultern von Riesen. Fazit: 7. In was für einer Welt wollen wir leben?Der lang gehegte Traum der Menschheit ist es, frei zu sein von äußeren Zwängen. Diesen Traum müssten wir zugunsten der Evolution aufgeben. Fazit: Die Thesen widerprechen sich teilweise, denn ich habe natürlich keine Antworten. Weiterführende Links:
Das Thema Atomkraft hat in Deutschland eingeschlagen wie eine Atombombe. Apropos, das kann man gar nicht oft genug sagen: Ein Atomkraftwerk kann nicht explodieren wie eine Atombombe.
Leider ist all mein Atomkraft Halbwissen schon niedergeschrieben. Deswegen verweise ich nun auf Experten, von zahm bis kontrovers.
![]() Verschiedene Strahlungsdosen von xkcd.com
Das war die erste und letzte flocblog Linkroll. Beim Bloggen (aber nur da) bin ich ganz bei Nietzsche: Schreiben muss weh tun, es muss ein Aderlass von Herzblut sein. Kopieren von Links ist zu bequem (-:
Wer trotzdem gerne wissen mag, welche Artikel ich weiterempfehle, kann sich gerne in meinem delicious Profil austoben.
Die Geschichte von Tom (ohne A) ist eine Parabel. Tom (ohne A) unterscheidet nicht zwischen Sicherheitsstandards bei Autos aus den 60ern und modernen Autos. Die meisten Atomkraftgegner und die Medien unterscheiden nicht zwischen Sicherheitsstandards bei Atomkraftwerken aus den 60ern und modernen Atomkraftwerken.
In grober Vereinfachung kann man die Kernschmelzsicherheit so unterscheiden:
aktives Kühlsystem mit Strom von außen Generation III+ (2010er) Generation IV (2030er) Tschernobyl war ein Atommeiler der 2. Generation ohne Druckschale, der brennbares Material (Graphit) als Kühlung verwendete. Die betroffenen Blöcke in Fukushima sind normale Atommeiler der 2. Generation, konzipiert in den 60ern.
Leider gibt es im Ostblock noch eine Handvoll Tschernobyls und in der ganzen Welt noch sehr, sehr viele Fukushimas. In Deutschland sind sicherheitstechnisch und vom Alter mit Fukushima fast direkt vergleichbar:
Die Liste kommt uns aus den Nachrichten bekannt vor. Das sind genau die 7 Reaktoren, die jetzt abgeschaltet wurden. Krümmel, der 8. Reaktor war schon abgeschaltet und bleibt es auch. Auch die 9 verbleibenden deutschen Kernkraftwerke sind veraltete Meiler der 2. Generation. Diese sogenannten Vor-Konvoi, Konvoi und 72er Reaktoren wurden in den 70er und 80er Jahren konzipiert. Alle 3 Bauarten gelten als sehr sicher, aber nur im Vergleich zu anderen Kraftwerken der Generation II. Sie sind lediglich robuster, haben weniger Sicherheitsmängel und mehr Notfall Redundanzen als ihre Vorgänger. Panik ist unangebracht!
Trotz dieser berechtigten Bedenken ist Panik unangebracht. Dass ein deutsches AKW von einer schweren Naturkatastrophe wie einem Erdbeben oder gar einem Tsunami getroffen wird, ist reichlich unwahrscheinlich. Deutsche Reaktoren haben außerdem seit Tschernobyl alle ein Wallmann-Ventil. Sie können bei einer Kernschmelze Druck ablassen, ohne radioaktives Material freizusetzen. Wir sollten besonnen abwägen, ob wir den Ausstieg aus der 2. AKW Generation beschleunigen wollen und für unsere Volkswirtschaft Milliarden von Euro in den Sand setzen wollen. Noch viel unangebrachter ist es dieses und nächstes Jahr 17 neue Kohlekraftwerke in Deutschland in Betrieb zu nehmen. Lasst uns doch lieber aus der Kohle aussteigen und stattdessen moderne Atomkraftwerke der 3. Generation bauen. Zum Beispiel den europäischen Druckwasserreaktor EPR von Siemens mit “Core Catcher”.
Und wenn wir nach Abwägung aller Vor- und Nachteile trotzdem bewusst auf die Generation III verzichten, dann lasst uns doch zumindest die kernschmelzsicheren Atomkraftwerke der Generation IV in Angriff nehmen. Ab 2030 stehen der Atomkraft nämlich goldene Zeiten bevor. Einige Vorteile:
![]() Kurs auf die Atomkraft Diese technischen Wunderwerke werden so oder so gebaut, ob Deutschland mitzieht oder nicht. Kein anderes Land ist so hysterisch wie wir, am Allerwenigsten Japan. Es ist eine Tragödie, was mit dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan passiert ist, aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen! Sorgen wir lieber dafür, dass in unseren Breitengraden keine nachhaltigeren Tragödien passieren. Damit ist nicht nur der deutsche Atomausstieg gemeint sondern auch das Ende des arabischen Frühlings in Lybien mit Luftangriffen und Völkermord.
Auf einer Geburtstagsfeier mache ich die Bekanntschaft von Tom. Tom erzählt, daß Frontalunfälle mit dem Auto immer 100% tödlich enden. Weil Frontalunfälle nicht auszuschließen sind, sollten wir Autos abschaffen, meint Tom.
![]() Die 60er Jahre Nach einem Schluck von seinem Nuclear Ice Tea gibt Tom zu, dass er noch nie von Dreipunktgurten oder Airbags gehört hat. Das Konzept einer Knautschzone ist im fremd und bei Erwähnung der Crash Test Dummies, fängt er an zu summen. Tom fährt sowieso nur Autos aus den 60ern und glaubt nicht, dass es seitdem bahnbrechende Fortschritte bei der Sicherheit gab. Ich habe genug gehört und versuche Tom für den Rest des Abends aus dem Weg zu gehen. Tom steht für die meisten Atomkraftgegner.
Dioxin reimt sich auf
Mir fällt gerade nichts Böses ein… Aber Dioxin ist böse und jedes Wort reimt sich zumindest auf sich selbst:
Noch stärker hat es sich letzten Sommer gereimt. Die Ölpest im Golf von Mexiko 2010 mit der von 1979. Der Ort war der gleiche, die Auswirkungen auch und selbst die Methoden zur Beseitigung haben sich in 31 Jahren nicht verbessert. Aber seht selbst (englisch):
Als guter Stoiker halte ich die ewige Wiederkunft zwar für wahrscheinlich. Aber müsste unser Universum nicht erst vergehen? ![]() beisst sich Für die Ölpest von 1979 lege ich meine Hand nicht ins Feuer, das war vor meiner Geburt. Aber zwischen den Dioxinskandalen von 1998, 1999, 2003, 2005, 2010 und heute schien das Universum geradezu besorgniserregend konstant. Aber mal ohne Scheiss: Die Vision des bedingungslosen Grundeinkommens fasziniert mich schon ein gutes Jahr. Ich möchte zum Thema als vorerst letzten Nachschlag noch meine Motivation erklären.
Wer sich nicht vorstellen kann, warum das bGE so faszinierend ist, möge bitte die Idee in einer alltäglichen Situation denken. Ich schaue mir sehr gerne meine Mitmenschen an und male mir aus was wäre, wenn das bGE schon beschlossen wäre.
![]() Scheiss Dialekt, echt!
Der große Unterschied ist, dass man für die erste Deutung nicht ausgelacht wird (-;
Aber mal ehrlich: Was wäre, wenn?
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