Tag Archive for 'Schule'

Amoklauf und Schule

“Warum?” heißt es in Medien und Politik in der ersten Woche nach dem Amoklauf von Winnenden.
“Deutschland ist entsetzt”
“Niemand versteht wie es so weit kommen konnte.”

Wenn es doch so einfach wäre…
Verstehen hieße Eingestehen, daß das Schulsystem seine Mängel hat.
Das macht man als Politiker oder Journalist ungern.
Ich freilich tu das gern.

Ich war als Nerd selbst ein ewiger Außenseiter am Gymnasium.
Manchmal waren die Anfeindungen echt heftig. Selbst vernünftige Leute haben es sich nicht nehmen lassen mir das Leben schwer zu machen. Ich wollte wiederum nur meine Ruhe und habe die Angriffe überhaupt nicht verstanden. Im Grunde fand ich Schule und Menschen und das ganze Leben totlangweilig. Lieber wollte ich Computer spielen und Metal hören. (-;

Auch wenn ich nun beteuere, daß ich gegen niemanden von damals einen Groll hege, meine Objektivität ist reichlich in Frage gestellt. Also halte ich mich mal raus.

Paul Graham
Paul Graham

Stattdessen bemühe ich keinen Geringeren als Paul Graham. Graham ist einer der bekanntesten Programmierer (unter Programmierern). Außerdem ist er Buchautor, Maler, Essayist, Mitgründer eines sehr erfolgreichen Startups, Vater von Hacker News, Investor bei unzähligen Startups und nicht zuletzt großes, großes Vorbild. Noch dazu entwickelt er seit Jahren die 100 Jahre-Programmiersprache Arc von der man halten kann was man will (-;

Für den Amoklauf interessant ist einer seiner hervorragendsten Essays Why Nerds are unpopular (2003). Graham zeigt einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf amerikanische Highschools Dort ergeht es Außenseitern ungleich schlimmer als an deutschen Schulen. Grahams überraschende Schlussfolgerungen zum Schulsystem kann man aber getrost international verallgemeinern.

Dies ist der 3. Lebenslang Lernen Post und schon muss ich mit dem Vorsatz brechen die verlinkten Artikel nochmals in eigenen Worten zusammenzufassen.

Die Essays von Paul Graham sind schlichtwegs das Beste was man lesen kann. Für eine Interpredation hab ich zu großen Respekt.

Vielleicht macht mein Lieblingssatz aus Be Good ein wenig Appetit auf die Essays:

Gut zu sein ist gerade in unübersichtlichen Situationen eine nützliche Strategie, weil sie zustandslos ist.

Maximal überraschend und unbestreitbar richtig!
Wenn Nachfrage besteht werd ich mich in Zustandslosigkeit üben und den Nerd Essay übersetzen (-;

Lehrer sein

Ich bin seit dieser Woche alleinig und ausschließlich arbeitssuchend. Vorletzte Woche war mein Diplomarbeitsvortrag und letzte Woche habe ich ein Orientierungspraktikum am Röntgen-Gymnasium gemacht, weil es wegen dem Lehrkräftemangel in den Fächern Mathematik und Physik eine Sondermaßnahme zum Quereinstieg für Diplom-Physiker, Diplom-Mathematiker und Diplom-Informatiker geben sollte. Die Maßnahme gibt es nun doch nur für Physiker, aber ich habe nach der Woche eh keine Ambitionen mehr gehabt Lehrer zu werden.

Das Praktikum und meine erste Unterrichtsstunde haben zwar Spass gemacht und Lehrer ist an sich ein toller Beruf. Allein die Möglichkeit den Schülern etwas mitzugeben, was wirklich einen Unterschied macht ist äußerst reizvoll. Besonders fasziniert hat mich auch das Sabbatjahr, man kann sich auf diese Art als Lehrer durch Gehaltseinbußen ein Jahr Auszeit erkaufen. Wer hat gesagt Zeit kann man nicht kaufen?
Aber trotz der überdurchschnittlich vielen und vor allem flexiblen Freizeit stell ich mir den Beruf sehr stressig vor und was nützt das Sabbatjahr, wenn ich es dann auch absolut nötig habe. Außerdem ist das Niveau an der Schule schon verdammt niedrig angesiedelt, wenn man die Uni gewohnt ist. Leider muss das aber auch so sein. Die starren Strukturen sind mir außerdem ziemlich unangenehm aufgefallen, z.B. daß immer erst der Gong die Stunde beendet auch wenn das Unterrichtsziel schon vorher erreicht wurde.

Letztendlich gab die beängstigende Vorstellung den Ausschlag, den Rest meines Lebens immer und immer wieder das Gleiche an der Tafel vorzukäuen. Das kann ich mir einfach nicht für mich vorstellen. Den Rest meines Lebens Programmieren kann ich mir hingegen sehr, sehr gut vorstellen, weil jedes Projekt anders und in sich abwechslungsreich ist. Leider ist der Beruf als Anwendungsentwickler auch mit (viel) weniger Freizeit verbunden.

Weiß jemand in Würzburg nen Job als Anwendungsentwickler Java oder C# mit netten Mitarbeitern und nicht all zu vielen Überstunden?