Tag Archive for 'Leben'

Zustandslos

floc und der Ernst des Lebens war 1 1/4 Jahre lang der Untertitel des flocblogs. Auch der allererste Eintrag heisst Der Ernst des Lebens. In Zukunft trägt das flocblog den Untertitel der zustandslose floc, denn seit diesem Donnerstag bin ich weitestgehend zustandslos.

Der äußerliche Unterschied ist erstmal, daß ich keinen Chef mehr habe.
Aber zustandslos sein heißt nicht arbeitslos sein:

Steg ins Ungewisse

  • Zustandslos sein heißt losgelöst sein
    Lösgelöst von gesellschaftlichen Vorstellungen, wie man sein Leben leben soll.
    Der Konformitätsschuh, den ich mir anziehen soll, passt nicht. Er ist zu groß und zu klein. Er ist zu eng und zu weit. Vor allem aber drückt und schmerzt er.
  • Zustandslos sein heißt ehrlich sein zu Anderen und zu mir selbst
  • Zustandslos sein heißt gut zu Mitmenschen sein
    Die beiden Punkte kann Paul Graham besser erklären. Graham hat in seinem Artikel Sei Gut den aus der Informatik stammenden Begriff der Zustandslosigkeit auf das Leben übertragen:

    Gut zu sein ist eine hervorragende Strategie für komplizierte Entscheidungen, weil sie zustandslos ist. Es ist wie wenn man immer die Wahrheit sagt. Das Problem mit dem Lügen ist, dass man sich immer an alles erinnern muss, was man in der Vergangenheit gesagt hat, um sich nicht zu widersprechen. Wenn man nur die Wahrheit sagt muss man sich nichts merken [...]

  • Zustandslos sein heißt unvoreingenommen sein
    Die Welt ist nicht grundsätzlich schlecht und die Menschen sind es auch nicht.
  • Zustandslos sein heißt finanziell unempfindlich sein
    Solange das Grundeinkommen noch Utopie ist, muss ich meinen Lebensunterhalt verdienen ohne diesen Zwang als Ausrede zu benutzen.
    Der Arbeitszwang soll insbesondere keine Ausrede sein für sinnlose oder moralisch fragwürdige Arbeit (Rohstoffvergeudung, Umweltverschmutzung, Überproduktion und sowas).

    Arbeit um ihrer Selbst willen richtet die Welt zugrunde.



Schau mer mal wie lang ich mich auf dem hohen moralischen Ross halten kann. Und schau mer mal was ich noch alles über die Zustandslosigkeit herausfinde. Und schau mer vor allem mal wie sich der Ernst des Lebens im Zaum halten lässt. Ich kann ihn zwar aus meinem Untertitel streichen aber nicht aus meinem Leben.

Eins steht fest: 2010 ist das Jahr, in dem ich mir die Welt ansehe.
Und euch nehm ich mit auf die Reise!

Jetzt geht die Reise aber erstmal für ne Woche nach Malle ins Tramuntana Gebirge.
Der Greg, mein Rucksack und ich.



Das flocblog findet man nun auch unter www.zustandslos.de (-;

Kündigung #2 [Ex-Job]

4 wesentliche floc Wesenszüge hab ich das letzte Mal zusammengeschrieben.
Daran muss sich nun mein baldiger Ex-Job messen:

1. “Erfahrungen machen glücklich, Dinge nicht”

  • Freizeit:
    Für Erfahrungen, egal ob Bücher, Reisen, Plaudereien oder ein Schafkopfabend braucht man wenig Geld, aber viel Freizeit. (Beim Schafkopfabend manchmal auch etwas mehr Geld)
  • bisher:
    Es gibt keine Möglichkeit an der Zeitschraube zu drehen.
    Halb so viel Geld wäre genug.

  • Flexibilität:
    Wenn ich mir heute in den Kopf setze, ans schwarze Meer zu laufen, dann sollte ich nicht warten bis ich die Lust verloren habe. Wenn es morgen einen Flug nach Neuseeland für 500 EUR gibt, dann sollte ich nicht bis übermorgen warten, wenn der Flug wieder 1000 EUR kostet.

    bisher:
    Es ist niemals sicher, ob ich Urlaub bekomme.
    Kurzfristige Gelegenheiten sind schwer wahrzunehmen.



2. “Abwechslung ist das Salz in der Suppe”

  • Ort:
    Die Vorstellung in 10 Jahren am gleichen Schreibtisch im gleichen Büro zu sitzen macht mich fertig.

    bisher:
    Ich bleibe für immer hier.

  • Aufgaben:
    Es gibt zu viele interessante Projekte um immer das Gleiche zu machen.
    So abwechslungsreich Programmieren auch sein kann, andere Tätigkeiten sind auch reizvoll.

    bisher:
    Ich kann Projekte nur bedingt aussuchen.

  • Kollegen:
    Vertrautheit ist schön, neue Leute kennenlernen ist auch schön.

    bisher:
    Der Kollegenstamm ändert sich nicht.



3. “Ich würde gern etwas Nützliches tun.”

  • Sinn:
    Software kann mit wenig Aufwand vielen Menschen das Leben erleichtern. Sinnvoll oder gar nötig sind Programme aber nur, wenn der Gesamtzusammenhang passt.

    bisher:
    Ich muss schon beide Augen zudrücken um einen Sinn in meiner Arbeit zu sehen.

  • Standort:
    In den Industrieländern ist so gut wie niemand bedürftig, was die körperliche oder sicherheitsrelevante Stufe auf der Bedürfnispyramide angeht. Woanders auf der Welt schaut das anders aus.

    (Bei den anderen Stufen ist jeder seines eigenen Glückes Schmied)

    bisher:
    Von Deutschland aus kann man zweifellos Einiges bewirken.
    An Ort und Stelle kann man mehr bewirken.



4. “Sicherheit ist langweilig”

  • Wirtschaftliche Sicherheit
    Es wäre schön, wenn von jedem Mitarbeiter abhängt, ob sich eine Firma tragen kann.

    bisher:
    Der wirtschaftliche Erfolg meiner Firma ist entkoppelt von meiner Leistung.

  • Entlassungswelle, Kurzarbeit…
    Die Finanzkrise beutelt die Welt - les ich in den Zeitungen.

    bisher:
    Mein bisheriger Job ist sicher wie das Amen in der Kirche.
    Das fühlt sich falsch an und vor allem unfair.



Mir ist klar, dass sich in Zukunft nicht alle diese Punkte verbessern lassen.
Versuchen werd ichs aber und ich bin ein ziemlich sturer Esel.

Kündigung #1 [Wesenszüge]

Lange war ich still, weil ich Probleme habe meine wirren Gedanken zu ordnen.

Also, versuchen wirs gemeinsam:
Ich habe nach nur einem Jahr meinen Job gekündigt um mich vom Angestelltendasein zu verabschieden - hoffentlich endgültig.

Ich versuche noch zu verstehen warum. Ich glaube dazu sind folgende Beobachtungen wichtig:


1. Konsum:

Erfahrungen
machen glücklich,
Dinge nicht

Mein Problem scheint zu sein, dass mir mehr Geld nicht mehr Nutzen bringt.

Mein Hirn tickt leider merkwürdig. Ich kann mir keinen LCD-Fernseher oder ein Auto kaufen und hoffen damit glücklich zu werden.


2. Abwechslung:

Abwechslung
ist das Salz
in der Suppe

Ich probiere gerne etwas Neues. Nur weil ich ein paar Jahre Rad gefahren bin, bin ich kein Radfahrer. Nur weil ich ein paar Jahre programmiert habe, bin ich kein Programmierer.

Es gibt vermutlich Nichts auf der Welt, was mich über viele Jahre motivieren kann.


3. Sinn:

Ich würde
gern etwas
Nützliches tun

Bis Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich die Sinnfrage fürs “gemeine Volk” nie gestellt - Es ging ums Überleben. In der westlichen Welt geht es heute ums Leben, nicht ums Überleben. Niemand muss verhungern oder an einer heilbaren Krankheit sterben.

Wir bekommen ein sorgenfreies Leben geschenkt, in einer sehr interessanten Zeit. Da sollte man was draus machen.



4. Sicherheit:

Sicherheit
ist
langweilig

Ich kann absolute Sicherheit nicht ausstehen. Wenn jemand den Absicherungsplan für meine verbleibenden 50 Jahre auf ein Papier malt, dann möchte ich schreiend davonlaufen.

Es gibt keine Sicherheit: Renten, Versicherungen, Geldanlagen, selbst Bargeld sind falsche Sicherheiten. Sicher ist nur der Tod. Todsicher!
Abgesehen davon mag ich nicht im abgesteckten Sandkasten spielen.
Risiken sind schließlich aufregend, oder nicht?


Das sind die für die Kündigung relevanten Wesenszüge, die ich selbstdiagnostizieren konnte. Wie mein bisheriger Job zu diesen 4 Punkten passt schau ich mir morgen übermorgen am Wochenende nächste Woche an.


Krise ist ein produktiver Zustand.
Man muß ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

(Max Frisch)

Curlys Gesetz

Nutzbringend, was ist schon nutzbringend?
Manche Gesetze sind nutzbringend!

Jack Parlance in City Slickers – Die Großstadt-Helden
Curly der Cowboy

Curlys Gesetz:

Curly: Weisst Du was das Geheimnis des Lebens ist?
Curly: Dies hier: [hält einen Finger hoch]
Mitch: Dein Finger?
Curly: Eine Sache. Nur eine Sache.
Curly: Du hältst dich daran und der Rest bedeutet nichts.
Mitch: Aber was ist die “eine Sache”?
Curly: [grinst]
Curly: Das ist es was du herausfinden musst.

(via Codinghorror - Curly’s Law)