startbereit
Wegen meinem Armbruch bin ich in letzter Zeit öfter mal Joggen gewesen.
Als ich dann von dem Silvesterlauf in Würzburg gehört habe war ich nach kurzem Hin und Her angemeldet, natürlich für den Elite-Lauf über 7 Runden á 1,4 km (9,8km). Ich bin ja schließlich fit, oder etwa net? (-;
Runde 1
Das Rennen wird stilecht durch einen silvesterkracher eröffnet und ich häng mich gleich an eine sehr große Gruppe von ca. 20 Mann, die ziemlich flott unterwegs ist. Zu flott, wie mein Blick auf den Pulsmesser bestätigt, aber irgendwie mag ich net langsamer machen, obwohl mir eigentlich klar sein müsste, daß es so nicht lange weitergeht.
Erst nach einer halben Runde lass ich abreissen, aber jetzt gleich richtig. Ich werde überholt, überholt und überholt. Das ganze Feld scheint an mir mit meinen schweren Beinen vorbeizuziehen und jetzt spätestens weiß ich daß der Elite Lauf zu Recht so heisst.
Beim ersten Zieldurchlauf stell ich innerlich um von “let’s see how fast this thing can go” (Dresden Dolls – Delilah) auf “I will survive” (Gloria Gaynor).
Runde 2
Die Strecke an sich gefällt mir sehr gut. Es gibt kaum lange Geraden, vielmehr geht es verwinkelt durch die engen Gassen der Innenstadt mit vielen Kurven.
Am Ende der zweiten Runde bin ich so allein auf weiter Flur, daß ich meine eigene Moderation bekomme:
“…Florian Blümm von der RSG Würzburg, die Radsportgemeinschaft hier in Würzburg. Es sind alle Ausdauersportarten vertreten…”
Auf dem Marktplatz
Runde 3
Und weiter gehts, mittlerweile tut es richtig weh. Das vielbeschworene Runners High krieg ich heute sicher nicht, so viel steht fest.
Immer dann wenn ich davon ausgehe schon Letzter zu sein werde ich mal wieder überholt. Gegen Ende der dritten Runde zieht ein Läufer mit kurzen Schritten langsam vorbei und will, daß ich mitgehe. Ich häng mich kurz dran, aber bis zur Ziellinie bin ich wieder allein.
“…der mit einem Gipsarm läuft, wie ich eben erst sehe. Sportler lassen sich eben durch nichts…”
Runde 4
Inzwischen werd ich nicht mehr überholt, das Tempo der Vorbeiziehenden lässt viel mehr vermuten, daß ich überrundet werde. Dadurch daß die Strecke mehrere Schleifen enthält sieht man schon früh, wer von den Profis bald unaufhaltsam vorbeiziehen wird.
“…mit der Startnummer eins, das heisst er hat sich als erstes angemeldet”
Runde 5
Eigentlich gehts nach Alphabet, und angemeldet bin ich seit vorgestern. Leider für das falsche Rennen, wie ich jetzt weiß. Aber die restlichen 3 Runden werd ich schon irgendwie schaffen. Bin ich etwa schon Letzter? Als ob der sich verhärtende Verdacht das Schlusslicht zu sein nicht demütigend genug wäre, bekomme ich auf der Zielgeraden meiner fünften Runde folgendes zu hören:
“…und hier kommt der Sieger des diesjährigen silvester Elite-Laufs, nach 32 Minuten und…”
Da hat mich der Sieger halt echt ganz kurz vor seinem endgültigen Zieleinlauf ein zweites Mal überrundet, das hätte ja echt net sein müssen (-;
Die Urkunde, auf die ich gebührendermaßen stolz bin
Runde 6
Ich muss schon ziemlich fertig ausschauen, oder haben die Zuschauer schon immer so überzeugend angefeuert? Wobei ein gewisser Sarkasmus ja nicht zu überhören ist: “Auf gehts Nummer eins, los!”. Wer die Endszene des ziemlich kranken Films “Ichi the Killer” kennt wird wissen, an wen ich jetzt denken muss. Filmzitat: “Nicht weinen, du bist doch die Nummer eins!”
Runde 7
Beim Einlaufen in meine letzte Runde scheint das Interesse für die noch Laufenden ziemlich abgeflaut zu sein, vielmehr ist wohl gerade Siegerehrung für den 5,6km Lauf und abgebaut wird auch schon.
Naja, jetzt lauf ich aber noch fertig. Ist mir scheissegal, ob ich einer dieser Typen bin, denen man als Zuschauer am liebsten in den Arsch treten würde, weil sie so langsam sind. Auch den Streckenposten am Schlemmereck geh ich wohl schon auf den Sack, die fragen mich, ob ich Letzter bin. Das würd ich allerdings auch gern wissen.
Auf der letzten halben Runde dann seh ich doch noch einen hinter mir. Und er kommt näher! Ein bisschen schneller kann ich noch, zumindest zusammen mit ihm will ich ins Ziel laufen. Die beiden Letzten sollten ja zumindest ein bissl Teamgeist beweisen. Aber leider (oder zum Glück) wird er langsamer und so komm ich dann doch alleine an.
Es ist echt gut hier im Ziel zu sein, auch wenn es die gleiche Stelle ist, wo vor 45 Minuten und 42 Sekunden der Start war.
Ja und tatsächlich kommt nach meinem Verfolger von der letzten halben Runde noch einer rein.
Ein wunderbarer Tag! (-;