Ich muss mehr und mehr feststellen, daß Schreiben nur Spass macht, wenn es sich um ein erstes Mal handelt. Deswegen schreib ich jetzt über mein erstes zweites Filmwochenende mit richtig viel Rückblicken auf letztes Jahr (-;
Letztes Jahr war es ja richtig schwer sich für 10 Filme zu entscheiden, weil alles so interessant klang. Dieses Jahr war es genauso schwer, weil mich eigentlich kein Film auf Anhieb interessiert hat. Die 10er Karte wollte trotzdem genutzt werden und zwar mit folgenden Filmen:
Kurzfilmblock I
Damit ging es am Donnerstag los, im Vergleich zum letzten Jahr leider recht enttäuschend. “Antje und wir”, der Gewinnerfilm vom Block 1 war dann auch der einzig Gute.
No time to die (Eröffnungsfilm)
Für 10er Karten Besitzer wieder umsonst und damit Pflicht, auch wenn dieser afrikanische Film nicht auf der Wunschliste stand. Bei der ganzen Kommunal Wahlkampf Prominenz kam ich mir dieses Jahr noch deplatzierter vor als im Vorjahr.
Aber es ging ja um den Film:
Der war nicht minder deplatziert, von der Gleichgültigkeit der Schauspieler bis zu dem Schnalzen, das der Hauptdarsteller dauernd mit seinen Lippen zum Besten gab. Nach den langen Eröffnungsreden hat die Leidensfähigkeit dann nicht mehr gereicht um diesen Film zu Ende zu schauen.
Du Levande
Darüber hab ich schon geschrieben, mein absoluter Lieblingsfilm für dieses Filmwochenende und auch darüber hinaus.
Kurzfilmblock II
Der zweite Kurzfilmblock läutete den Freitag ein und war dann auch besser als der Erste. “Fair Trade” war eine coole Geschichte über Gewissensfragen und “Lavatory Lovestory” war ein schön gemachter Comic. Den Kurzfilmen vom letzten Jahr konnte aber auch der 2. Block nicht das Wasser reichen.
Bes Vakit
Also das war entweder ein Spielfilm ohne Geschichte oder ein “Land und Leute”-Film mit zu viel “Leute”. Nach geschlagenen 111 Minuten war dann meine Freude über den Abspann groß.
Meine Freundin hat eingewendet, daß “Du Levande” ähnlich gestrickt wäre. Dagegen lässt sich schwer argumentieren, eine durchgehende Handlung gibt es nicht und wie in “Bes Vakit” wird nichts als der graue Alltag gezeigt. Aber “Du Levande” war gerade durch die übertrieben genaue Inszenierung sehr komisch, eine Parodie unseres Lebens. Vielleicht fühlen ja Bewohner türkischer Bergdörfer das Selbe über “Bes Vakit”.
Polumgla
Am Samstag ging es schon früh los mit diesem russischen Film, angesiedelt im hintersten Sibirien am Ende des 2. Weltkrieg. Das Schicksal deutscher Kriegsgefangener, die im russischen Winter zu Zwangsarbeiten gezwungen werden reißt von Anfang an mit. Der Film wendet sich am Ende konsequent gegen die Literaturvorlage. Die findet einen gar zu märchenhaften Ausgang, vielleicht um einer Zensur vorzugreifen.
Sehr echt, sehr sehenswert.
Heile Welt
“Der große Navigator” war leider für Kurzentschlossene ausverkauft und so landeten wir in der parallel laufenden “Heilen Welt”. Für jemanden, der im behüteten, christlichen Unterfranken aufgewachsen ist, ist der Film schon harter Tobak. Das war mir zu viel Hass auf einmal.
Videokunstblock II
Videokunstfilme sind so etwas wie Musikvideos, in denen es nicht um Musik geht. Muss man schon mal gesehen haben, insbesondere die Filme von Corine Stübi spukten mir noch länger durch den Kopf. Eine schöne Idee ist der Film “Stealing Beauty”. Er wurde ohne Erlaubnis in zahlreichen Ikea-Filialen gedreht und handelt von persönlichem Eigentum.
Trashbots
Trashfilmnacht
Aus Gründen von Faulheit und schlechtem Zeitmanagement wurde mein Beitrag zur Trashfilmnacht auf nächstes Jahr verschoben. Leider, denn dieses Jahr war das Feld der sehenswerten Trashfilme sehr übersichtlich.
Eigentlich sind die meisten Filme total auf die Nerven gegangen, außer einem selfmade Cartoon Musikvideo namens “Autokino” und einem Fussballfan-Zombiefilm, der wohl dann auch gesiegt hat.
Erschreckend war der kleine Anteil mainfränkischer Beiträge.
Einzige Highlights waren die beiden Trashbotmoderatoren und der nötig gewordene Umzug in größere Räumlichkeiten.
Abspann – Die Filmparty
Letztes Jahr war die Filmparty noch im kleinen Cairo und mit tanzbarer Musik ganz auf die indie-esquen Trashfilmbesucher zugeschnitten. Dieses Jahr hingegen war das riesige Mozartgymnasium Veranstaltungsort mit einer sehr lauen Musikauswahl und extra Räumen mit Beamern für nimmersatte Filmkucker. Als Filmparty war das unbestritten angebrachter und gefühlsmäßig auch viel besser besucht.
Wer ein wenig auf der Tanzfläche abzappeln wollte, hätte eben auf die gleichzeitig stattfindende Samstagsausgabe von Indie*Hz im akw gehen müssen. (Notiz an mich selbst)
Der andere Junge
Am Sonntag ging es los mit dem “anderen Jungen”, der zeitweise an “Heile Welt” erinnerte. Es wird zwar in der portraitierten Familie nicht gleich geschlagen, dafür findet eigentlich gar keine Kommunikation mehr statt und jeder lebt in seiner eigenen Welt. Ein Unfall, bei dem ein anderer Junge ums Leben kommt, sollte dem eigentlich ein Ende setzen. Aber der gutbürgerliche Vater wehrt sich mit aller Gewalt dagegen und so wirds immer schlimmer.
Der Film ist nicht schlimm, aber nur in Ordnung.
Très bien, merci
Irgendwo hab ich gelesen, daß die Handlung auf einer wahren Begebenheit basiert, was den Film sehr gruselig macht. Nach einem starken Anfang kommt dann leider eine lange Durstrecke, die zwar authentisch sein mag, aber erzählerisch sicher besser zu lösen gewesen wäre. Trotzdem noch sehenswert.
Fazit
Bei der Filmauswahl hab ich dieses Jahr ziemlich ins Klo gegriffen, da liefen wohl einige gute Filme, die ich nicht gesehn habe.
Bei den Kurzfilmen fand eine bedauernswerte Niveauverschiebung statt. Das was ich von Videokunst erwartet hätte lief bei den Kurzfilmen, dafür liefen beim Videokunstblock die Trashfilme und bei den Trashfilmen lief das, was letztes Jahr in der langen Nacht der Selbstgedrehten kam. Auf die hab ich dieses Jahr Gott sei Dank verzichtet…