Patagonien Highlights: Norden, Mitte oder Feuerland?

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Patagonien ist ein Traumziel und Patagonien ist riesig. Wo in Patagonien sind die Highlights, und welche Region kann man bei Zeitmangel getrost auslassen?

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Lago Todos Los Santos ganz im Norden von Patagonien

Das Patagonien Fazit vorweg

Gastautor ulmi von ulmisreisen ist 2 1/2 Jahre durch Südamerika gereist und hat viele Monate in Patagonien verbracht.

Auf die Frage ob Patagonien im Norden oder im Süden schöner ist, meinte er:

„Wenn Du entscheiden musst, wegen Zeit oder Geld, würde ich den Norden empfehlen, maximal noch El Chaltén/Perito Moreno/Torres del Paine, aber ohne Feuerland.

Wenn Du unendlich Zeit hast, so wie ich, ist bis ganz runter schon nochmal ein Erlebnis.“

Nord-Patagonien und kein Feuerland? Das wollen wir genauer wissen. Es folgt ein Gastbeitrag von ulmi

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Fischerei-Hafen von Dalcahue auf der Insel Chiloé

Warum überhaupt durch Patagonien reisen?

Im Südzipfel Südamerikas gelegen, dem „Cono Sur“, ist Patagonien das Sehnsuchts-Ziel vieler Reisender:

  • Unendliche Weiten mit meilenweiten Abschnitten ohne Zivilisation.
  • Vulkane, die sich in Seen spiegeln.
  • In Fjorde kalbende Gletscher.
  • Tiere, die Europäer nur aus dem Fernsehen kennen.
  • Auf einer Fläche mehrmals so groß wie Deutschland fast überall wild zelten können.

Und das alles gepaart mit südamerikanischer Gelassenheit. Grund genug, oder?

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Südamerikanische Gelassenheit in Bariloche

Patagonien, die Highlights nach Region

Nord-Patagonien

  • Insel Chiloé (Chile)
  • chilenisch-argentinisches Seengebiet mit Pucón (Chile), Puerto Varas (Chile), San Martín de los Andes (Argentinien) und Bariloche (Argentinien)
  • Carretera Austral (Chile)

Mitte von Patagonien

  • Nationalpark Torres del Paine (Chile)
  • El Chaltén (Argentinien) mit Fitz Roy
  • El Calafate (Argentinien) mit Perito Moreno Gletscher

Süd-Patagonien

  • Punta Arenas (Chile)
  • Feuerland mit Ushuaia (Argentinien)
  • Insel Navarino mit Puerto Williams (Chile)
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Typische Unterkunft in Patagonien, hier in Pucón)

Was erwartet Dich in Patagonien?

Das chilenische Patagonien ist sehr grün, auf der argentinischen Seite ist die Vegetation dagegen vielerorts eher karg.

Dies liegt an den feuchten Luftmassen, die – vom Pazifik kommend – am Anden-Gebirge aufsteigen, sich dabei abregnen und jenseits der Anden auf argentinischem Boden als trockene Luftmassen ankommen.

Typisch für Patagonien ist das unbeständige Wetter. Binnen weniger Stunden kann man erleben:

  • Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen
  • Trügerischer Sonnenschein gepaart mit eisigem Wind
  • Schneefall und Kälte
  • …oder alles zusammen!

Besonders der Wind, der ungebremst über das flache Land bläst und dabei manch Pflanze fast waagrecht wachsen lässt, ist prägend und manchmal lästig.

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Wassersport, hier auf dem Llanquihue See

Wohin in Patagonien?

In Patagonien kannst Du Dich monatelang aufhalten. Das Gebiet ist riesig und jede Region hat ihren Reiz. Darum fällt es vielen Urlaubern und Backpackern auch schwer, sich für eine Route zu entscheiden, vor allem dann, wenn Reisezeit und/oder Reisebudget knapp sind.

Fragen wie diese sind in einschlägigen Reise-Foren daher keine Seltenheit:

„Kann jemand einen Anhaltspunkt geben, wie lange man bis ganz runter braucht, ohne dass es zu stressig wird? Sind immerhin mind. 5000km und ich will auf dem Weg natürlich auch etwas sehen.

… Wo würdet ihr als erstes Abstriche machen, damit mir die Zeit nicht an den Höhepunkten davon läuft? Wäre die Zeitersparnis gross, wenn ich ab El Calafate nach BA fliegen würde anstatt von Ushuaia aus?

Krieg ich trotzdem noch irgendwo etwas grössere Pinguine zu sehen?“

[Quelle: weltreise-info.de]

Meine Empfehlung sieht nach Priorität so aus:

  • Patagoniens Norden
  • Patagoniens Mitte
  • Patagoniens Süden
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Seenlandschaft nahe Bariloche

Patagoniens Norden

Großer Vorteil ist die gute Erreichbarkeit. In einer läppischen Nachtfahrt kommst Du von Santiago de Chile nach Pucón oder Puerto Varas. Von dort ist es nur ein Katzensprung über die Grenze nach Argentinien.

Pucón, Puerto Varas und Bariloche gehören zu den bekanntesten, coolsten und angesagtesten Städten in Patagonien. Allesamt wirken sie wie Retortenstädtchen und versprühen nicht unbedingt authentisches südamerikanisches Flair.

Ihr Umland punktet jedoch jeweils mit einigen der besten Landschaften in ganz Südamerika. Der Blick vom Cerro Campanario in der Nähe von Bariloche findet beispielsweise regelmäßig Erwähnung, wenn es um die Orte mit den schönsten Aussichten auf dieser Erde geht.

Du kannst in nur wenigen Stunden von einer schönen Gegend in die nächste reisen. Die eigene Welt auf der geheimnisvollen Insel Chiloé, das Cochamó-Tal oder Rafting am Fluss in Futaleufú komplettieren das unerschöpfliche Angebot für Naturgenießer noch lange nicht. Sogar ein Tagesausflug ans Meer ist kein Problem. Valdivia mit seiner Brauerei Kunstmann sei hier empfohlen.

Die Gemütlichen der Region, fernab vom Tourismus: In Villa Traful (Argentinien) oder Maicolpué (Chile) kannst Du mal Urlaub vom Urlaub machen, denn dort herrscht Off-the-Beaten-Track-Feeling.

Off-the-Beaten-Track und gleichzeitig einer der bekanntesten Hingucker der Region ist die Carretera Austral. Die weit über 1000 Kilometer am größtenteils ungeteerten Hauptverkehrsweg dieser Region sind ein Abenteuer. Hitchhiken, wandern, wild campen, Selbstverpflegung, mehrere Nationalparks, Natur pur.

Der Norden steht bei der Trekking-Tauglichkeit den Wander-Hochburgen El Chaltén (inoffizielle Trekking-Hauptstadt Argentiniens) und dem Nationalpark Torres del Paine in der Mitte von Patagonien kaum nach.

Tipp: Entspanne Deine geplagten Wanderfüße in einem der Thermalbäder, z.B. den „Termas el Amarillo“ in der Nähe der Carretera Austral oder den Thermalbädern bei Pucón.

Das Wetter kann im patagonischen Norden zwar auch schnell wechseln. Verglichen mit weiter südlich wirst Du es hier aber normalerweise etwas angenehmer haben.

Pinguine: Eher nicht!

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Torres del Paine NP © ulmisreisen

Patagoniens Mitte

Eigentlich ist die Mitte schon ganz schön weit südlich. Abzüge daher bei der Erreichbarkeit. Die Highlights dieser Region liegen in patagonischem Niemandsland. Die legendäre Ruta 40 ist zwar nahe. Sie ist aber keine vielbefahrene Autobahn und die Busverbindungen sind sehr unregelmäßig.

El Calafate hat ein ähnliches Retortenstadt-Flair wie beispielsweise Pucón. Trotzdem ist es cool und angesagt, von dort den Perito Moreno Gletscher zu besuchen (oft mit dem albernen Whiskey-Trinken mit Gletschereis), und auch den Nationalpark Torres del Paine möchte ein „echter“ Südamerika-Backpacker nicht auslassen.

Die Region um El Chaltén zählt für mich mit zum Schönsten, was ich auf meiner gesamten Südamerikareise gesehen habe. Über sie und den Nationalpark Torres del Paine braucht man eigentlich auch nicht viele Worte verlieren, so bekannt sind sie.

Bemerkenswert am Nationalpark Torres del Paine finde ich, dass die Natur- und Wanderliebhaber hier auf einem relativ großen aber dennoch abgegrenzten Gebiet die Möglichkeit haben, selbständig zu wandern. Sie befinden sich dabei mitten in der Natur, können ein kleines Abenteuer erleben und müssen trotzdem nicht auf eine gewisse Infrastruktur verzichten. Durch die gute Frequentierung durch andere Wanderer ist es auch relativ sicher.

Hier ist die Hemmschwelle für viele Wanderer, die sonst nicht alleine aufbrechen würden, sicher deutlich kleiner als beispielsweise auf dem Takesi-Trek in Bolivien, wo man tagelang niemanden trifft und im Falle eines Unfalls ein mittelschweres Problem hat. Die mittlere Region Patagoniens ist in Sachen Trekking ganz klares Highlight.

Off-the-Beaten-Track-Feeling kommt bei diesen Wander-Highlights sicher nicht auf. Einen größeren Abschnitt auf der Ruta 40 zu reisen – vor allem außerhalb der Hauptsaison – könnte hier Abhilfe schaffen.

Tipp: Trotz des tendenziell weniger milden Wetters empfehle ich, den Nationalpark Torres del Paine am Anfang oder Ende des Südhalbkugel-Sommers zu machen. In den Sommermonaten ist der Park wirklich sehr voll und an den teils sehr schmalen Wanderwegen entstehen dann sogar Staus.

Wetter: Etwas kühler als im nördlichen Patagonien.

Pinguine: Eher nicht!

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Fitz Roy © ulmisreisen

Patagoniens Süden

Feuerland ist ganz schön am Arsch der Welt und damit ist die Erreichbarkeit der Hauptgrund, das Ende der Welt auszulassen. Über Land von Buenos Aires bis nach Ushuaia zu reisen, kann ganz schön öde und außerdem langwierig sein. Darum empfiehlt sich für Reisende mit wenig Zeit und Geld, am ehesten den südlichen Teil Patagoniens wegzulassen.

Feuerland und Ushuaia finde ich generell etwas überbewertet. Gerade Ushuaia lebt einfach von seinem Mythos, die südlichste Stadt der Welt zu sein, was vom dortigen Tourismus rege beworben wird. Ushuaia ist damit angesagt, cool und berühmt, kann aber sonst mit den touristischen Zentren weiter nördlich in Patagonien nicht konkurrieren.

Das Naturerlebnis in dieser Region haut vor allem dann nicht mehr vom Hocker, wenn man schon andere Highlights in Patagonien genossen hat. Sehr hübsch fand ich den Blick auf Ushuaia vom kleinen Yachthafen auf der anderen Seite der Bucht, mit den Bergen Feuerlands im Hintergrund der Stadt.

Off-the-Beaten-Track in Patagoniens Süden? Kein Problem, hier sind die Gemütlichen Feuerlands: Porvenir ist ein kleines Städtchen im Norden der Insel und ist Zielort der Fährverbindung von Punta Arenas nach Feuerland. Porvenir wurde von kroatischen Auswanderern geprägt, es gibt ein kleines Museum und es ist dort eigentlich stinklangweilig. Wer ein paar ruhige Tage braucht und das Meer mag, warum nicht?

Tipp: Auf dem Weg von Porvenir nach Ushuaia gibt es die Möglichkeit, einer kleinen Königspinguin-Kolonie in freier Natur zu begegnen (im Rahmen einer kleinen Führung). Dass die Pinguine dort regelmäßig auftauchen, ist eine kleine Sensation.

Noch weiter am Ende der Welt als Ushuaia ist Puerto Williams, mein persönliches Fin del Mundo (obwohl es weiter südlich sogar noch ein kleines Dorf gibt). Leider verlangen die Argentinier für das Übersetzen von Ushuaia auf die Insel Navarino einen stolzen Preis. Will man damit verhindern, dass das – nicht immer geliebte – Nachbarland die noch südlichere Lage entsprechend vermarkten kann? Nicht schlimm, so bleibt Puerto Williams der Massentourismus erspart.

Puerto Williams ist ähnlich langweilig wie Porvenir. Es gibt auch ein kleines Museum. Highlight ist für mich die Seefahrerkneipe am Hafen (ein umgebauter, alter Rheindampfer): In uriger Atmosphäre kann man hier einen trinken und ein bisschen Seemannsgarn hören. Und schließlich ist der kleine Hafen nicht weniger als der letzte Stopp vor dem legendären Kap Hoorn.

Außerhalb des Dorfes lohnt sich eine Wanderung zum Aussichtspunkt Cerro la Bandera mit einem tollen Ausblick über den Beagle-Kanal und die Bergkette Dientes de Navarino.

Tipp: Wenn Du mal wirklich in unberührter Natur und am Ende der Welt Trekking machen willst, dann kannst Du es rund um die Dientes de Navarino tun.

Dann ist da noch Punta Arenas, Chiles südlichste Großstadt und letzte Stadt auf dem Kontinent, bevor es nach Feuerland rüber geht. Als Stadt durchschnittlich hübsch und durchschnittlich interessant. Es gibt ein paar Museen, im Marktgebäude kann man die für die Region typischen Centollas (Königskrabben) probieren.

Hauptgrund für einen Stopp in Punta Arenas ist in der Regel jedoch die Tour zu einer in der Magellanstraße liegenden Insel mit Pinguinen.

Das Wetter hier ganz im Süden des Kontinentes kann richtig ungemütlich werden. Aber gehört das nicht einfach zu so einer rauen Gegend und dem nicht minder rauen Ozean dazu?

Highlight des patagonischen Südens ist sicher die Antarktis. Das ist auch ein Grund, Ushuaia zu besuchen. Dort starten die meisten Touren.

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Chilenische Autofähre vor patagonischer Küste

Persönliches Fazit von ulmi

Nord-Patagonien gewinnt für mich ganz knapp vor der Mitte von Patagonien und mit etwas Abstand vor Süd-Patagonien.

Patagonien ist so riesig und hat so viel zu bieten, dass Du nie alles sehen kannst. Und nirgends etwas falsch machen kannst. Es wird nie einen klaren Sieger geben!

Zu empfehlen ist, unbedingt etwas von den Highlights des nördlichen Patagoniens mitzunehmen. Nimm nach Möglichkeit auch die etwas aufwändigere Anfahrt in die Mitte von Patagonien in Kauf, weil dort warten die Aushängeschilder von Patagonien auf Dich.

Nur wenn Du dann noch genug Zeit und Kohle hast, häng auch noch den Süden von Patagonien dran. Obwohl Manches dort etwas überbewertet ist: Es ist schon ein besonderes und einmaliges Gefühl, am Ende der Welt zu stehen!

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Westküste der Insel Chilóe

ulmi_profilGastautor ulmi schreibt auf ulmisreisen von seiner 2 1/2 jährigen Südamerika-Reise. Er reist als Backpacker mit viel mehr Zeit als Geld.

Auch zu den südamerikanischen Ländern nördlich von Argentinien und Chile hat ulmi viele Empfehlungen gesammelt

flocblog Tipp
Bitte nimm für Argentinien unbedingt Bargeld mit, egal ob Euro, Dollar oder chilenische Pesos. Der argentinische Peso kollabiert und Du bekommst am „Schwarzmarkt“ viel mehr Geld.

Hast Du Patagonien schon besucht? Welche Gegend war Dein Favorit?

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  1. Oliver sagt:

    Für mich war der Fitz Roy bei El Chalten mein pers. Highlight in Patagonien. Echt zu empfehlen!

    Lag vielleicht aber auch daran, dass ich nach der Wanderung dort im warmen Hostel-Bettchen schlafen konnte und nicht, wie bei den Torres del Paine, im kalten Zelt frieren musste. ;-)

    Antworten
  2. ulmi sagt:

    Hallo Oliver,

    der Anblick des Fitz Roy bei Kaiserwetter war auch für mich der hübscheste Anblick in SA, was Bergwelt betrifft. Auch verglichen mit den Torres in Torres del Paine, fand ich den Fitz Roy beeindruckender.

    Grüßle vom ulmi

    Antworten
  3. Cihan sagt:

    Würde mich über paar mehr Bilder im Artikel freuen, ist so alles bisschen schwierig sich vorstellen :) Sonst guter Artikel, gibt mir endlich mal einen groben Leitfaden!

    Antworten
  4. ulmi sagt:

    Komisch, bei mir zeigt’s sie immer noch verkehrt rum…??!!

    Antworten
    • Sorry, hat jetzt sollte es gehen. Habe ehrlich gesagt den Fitz Roy für Torres del Paine gehalten. Meine Freundin auch und die war schon in Torres del Paine ;)

      Sie hatte aber schlechtes Wetter und das scheint ja dort leider normal zu sein…

  5. ulmi sagt:

    …und das, obwohl ich den Fotos extra entsprechende Namen gegeben habe…

    Stimmt, bei dem wechselhaften Wetter in Patagonien kann es durchaus mal sein, dass man die Berge gar nicht sieht und dann sehen sie alle gleich aus ;-)

    Antworten
  6. karlien sagt:

    Es sieht unglaublich schön aus :)

    Antworten

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