Wie mir in Kambodscha ein Ladyboy den Geldbeutel geklaut hat

Ich habe einen neuen Geldbeutel, made in Cambodia.

Mein alter Geldbeutel ist jetzt in den Händen von 2 kambodschanischen Ladyboys.

Elefantengeldbeutel, made in Cambodia

Phnom Penh an einem Dienstag um 22:30 Uhr. Unser Reisebus aus Laos hält in der Hauptstadt von Kambodscha. Die Fahrgäste sind müde und hungrig. Wir können kaum aussteigen, weil sich ein Dutzend Tuktuk Fahrer benehmen, wie bei der Raubtierfütterung.

Bin ich noch in Südostasien,
oder ist der Bus nach Indien gefahren?

Sie lassen eine Tirade los von my friend, tuk-tuk, Sir, Laaa-dy und guesthouse, cheap cheap. Ich bekomme einen allergischen Schock. Aufdringliche Tuktukfahrer sind ein Alptraum.

Ich ergreife meinen Rucksack und versuche mein Glück zu Fuss. Ein Mofataxifahrer verfolgt mich, gibt aber bald auf. Dieser weisse Mann läuft!

kambodschanisches Tuktuk

Leider hat uns der Bus, mit 5 Stunden Verspätung und mehr als 5 km außerhalb des Zentrums von Phnom Penh abgesetzt. Au weia! Ich humpele mit meinem gebrochenen Zeh in die Nacht hinein.

Die Strassen sind hell beleuchtet und einige Mofas fahren vorbei. Ein paar Strassenecken weiter, steht ein Kambodschaner. Ich traue meinen Augen kaum, es ist ein Ladyboy. Er fragt mit Frauenstimme “Wo willst du hin?”.

Wäre ich nicht in Asien,
dann wäre ich jetzt beunruhigt!

Ich denke “hau ab!” und sage “nein, danke”. Er fragt weiter “Bist du ganz alleine”, jetzt mit Männerstimme. Ich murmele Unsinn und humpele weiter. Eine Wolke billiges Frauenparfüm zieht mir nach.

Kambodscha liegt in Asien, oder?

An einer Tankstelle freue ich mich über einen Geldautomaten ohne Gebühren. Kambodschaner zahlen anscheinend mit US Dollar, statt mit ihrer eigenen Währung. Wieviel Geld braucht man für eine Woche in diesem US Dollarland?

Ich stecke 150 druckfrische Dollar zu weiteren 20 Dollar in meinen Geldbeutel. Im Hostel werde ich das Geld auf Geldgürtel und Geldtasche verteilen. Diebstahlschutz ist wichtig, sagt man. Ich bin ja nicht von gestern!

Bin ich noch in Asien
oder im US Dollarland?

Ungefähr 10 Mofataxis haben mich in einer Stunde Laufzeit angehupt und angeplärrt. Das ist Rekord. Selbst Inder sind nicht so nervig. Zum Glück bin ich bald angekommen bei den billigsten Hostels von Phnom Penh, an einem ausgepumpten See.

Phnom Penh, die bezaubernde Stadt?

Ein weiterer Mofa Fahrer hupt hinter mir und verlangt zu wissen, wo ich hin will. Ich winke müde ab, als mich eine Wolke billiges Frauenparfüm einhüllt. Ich schaue mich überrascht um und sehe den Ladyboy.

Er bleibt auf seinem Mofa sitzen. Ich hinke weiter den Monivong Boulevard hinunter. Ich bin jetzt auf der Hauptstrasse von Phnom Penh, die um 23:30 Uhr noch recht befahren ist. Von der anderen Strassenseite nähert sich jemand. Es ist ein weiterer Ladyboy.

Bin ich noch in Asien,
oder in Absurdistan?

Was soll ich tun? Ich hatte seit Indien nur wenig mit aufdringlichen Menschen zu tun. In Indien lernt man, dass man aufdringliche Inder ignorieren muss, dann hören sie nach einer Weile auf. Also, am Besten ich beachte den zweiten Ladyboy gar nicht.

keine Gewalt in Phnom Penh?

Ladyboy 2 greift mir an die Eier. Ich schubse ins Leere. Er rennt weg. Ich schaue verblüfft. Er rennt weiter weg. Ich betaste meine Hose. Er ist beim Mofa. Mein Geldbeutel fehlt. Die Ladyboys geben Gas. Ich rufe fassungslos “Nein!”. Einige vorbeifahrende Mofafahrer schauen mich besorgt an.

Bin ich noch in Asien,
oder im wilden Westen?

2 Tage später habe ich mich beruhigt. Beim Frühstück treffe ich einen Holländer. Er ist am Boden zerstört. Letzte Nacht wurde er ausgeraubt. Phnom Penh ist angeblich berüchtigt für Kriminalität.

Er war betrunken in einer Bar, als ihm ein Ladyboy in alle seine Wertsachen abgenommen hat. Sein Geldbeutel ist weg und ebenso sein Schmuck, sein Handy und seine Kreditkarte. Er hat genug von Asien und will heimfliegen.

Bars in Phnom Penh

Ich will nicht heimfliegen. Ich vermisse nur ein Passfoto, einige Visitenkarten und viele Dollar. Aber vorsichtiger will ich sein. Mit übertriebenem Argwohn wollte ich eigentlich bis Amerika warten.

Bin ich noch im sicheren Asien,
oder schon im kriminellen Amerika?

Nach 9 Monaten in Asien, ohne vergleichbaren Zwischenfall, fühlte ich mich wie ein Kakapo-Papagei. In dessen Heimat Neuseeland gab es ursprünglich keine Raubtiere. Dann kamen die Europäer mit Katzen, Hunden und Ratten.

Der Papagei wurde niemals in die sozialen Konventionen zwischen Räuber und Beute eingeführt. Er wusste nicht, dass die angemessene Reaktion auf einen Angriff die Flucht ist. Der fluglose Vogel hielt einfach nur still und liess sich fressen.

Es gibt heute noch 126 Kakapos.
Noch einmal halte ich nicht still…

Kakapo Papagei - by Mnolf (CC-BY-SA-3.0)

 

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