Death Road: Gefährlichste Strasse der Welt mit dem MTB

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Bolivien, Death Road:
Links von dir der Abgrund, rechts von dir die Steilwand und vor dir ein entgegenkommender Jeep.

Adieu schnöde Welt?

Halb so wild, mit dem Fahrrad hat man mehr als genug Platz um auszuweichen und um die nächste Kurve zu fahren. Willkommen auf La Paz’s Touristenattraktion Nr.1, der Death Road.

In den Abgrund schauen

Jeder Mountainbiker kennt das: Man stürzt sich von einem Bergpass einen flowigen Trail ins Tal hinunter nur um jäh auf eine Straße zu treffen. Der Trail ist viel zu früh zu Ende und man muss bis ins Tal auf Schotter abfahren. So eine Verschwendung von Höhenmetern!

Auf der Death Road in Bolivien muss man auch eine anspruchslose Schotterstraße ins Tal abfahren. Leider gibt es statt einem Trail vorher eine Teerstraße. Eigentlich ist ein Mountainbike für die ganze Death Road Overkill.

Scheibenbremsen und Stollenreifen

Das hindert das halbe Duzend Touranbieter in La Paz nicht daran die Leute mit allem auszustatten was der Rose Katalog hergibt, damit sie mehr für die Tour verlangen können. So fahren täglich Touristen mit Integralhelm, Arm- und Beinschützern und Reflektorweste auf vollgefederten Mountainbikes mit High End Scheibenbremsen eine harmlose Schotterstraße herunter.

Vorher werden die Sicherheitsanweisungen durchgegangen und jeder Fahrer muss unterschreiben, daß er selbst für alle möglichen Folgen des Downhills verantwortlich ist. Dann wird man von Guides die deutlich markierte Straße heruntergeführt. Jeder, der schon mal Mountainbike gefahren ist, kann nur mit dem Kopf schütteln.

Touristen auf Rädern

Das Mißverständnis ist schnell erklärt. Die Death Road hat ihren tödlichen Ruf nicht von verunglückten Touristen auf Fahrrädern. Die Death Road war jahrzehntelang die einzige direkte Verbindung zwischen dem Altiplano Hochland und dem Amazonas Regenwald im Norden Boliviens.

Weil sie meistens nur einspurig ist und oft im Nebel liegt, kam es zu vielen schlimmen Verkehrsunfällen auf der Death Road. Wenn man sich vorstellt, daß dort auch viele Busse fuhren, dann ist es kein Wunder, daß teilweise 100 Personen auf einmal umkamen. Der Ruf als gefährlichste Straße der Welt ist eine reine Todesfall Statistikfrage.

Gegen "verkehr"

Seit 2006 gibt es eine Umgehungsstraße und die Death Road wird nur noch sehr spärlich befahren. Der entgegenkommende Jeep in der Einleitung war ein Einzelfall in 3 Stunden Death Road. Heute verunglücken auf der Death Road nur noch übermütige Touristen.

Bereits mehr als ein Duzend Touristen auf Rädern starben seit Beginn der Death Road Touren. Dabei ist die Death Road heute wahrscheinlich eine der sichersten Straße in ganz Bolivien, weil der Verkehr fehlt und auch die betrunkenen Busfahrer.

Tours, alles inklusive

Wer also eine Radtour in Bolivien machen will ist mit der Death Road gut beraten. Man kann Aussichten in 3 verschiedenen Klimazonen genießen und hinter jeder dritten Kurve einen Wasserfall bewundern. Nach dem 3.400m Downhill stärkt man sich am Pool im Dschungel vom leckeren All you Can Eat Buffet. Wem die Idee gefällt dabei kaum selbst in die Pedale treten zu müssen, dem sei die Tour ans Herz gelegt.

Mit Mountainbiken hat die Death Road aber nichts zu tun.

El Camino de la Muerte ist eine Touristenshow zum Facebook Posen…

Touristenshow

Günstigster Anbieter ist El Solario mit stolzen 280 Bolivianos, ungefähr 31 EUR.
(Stand November 2012)

Für ein „ruhiges Gewissen“ kann man bei anderen Touranbietern das Dreifache ausgeben. Die Straße kommt man trotzdem nicht besser, sicherer oder schneller hinunter…

 

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Deine Meinung? Sei freundlich. Verlinke ruhig.
  1. Skraal sagt:

    Schöner Artikel, gefällt mir gut.
    Außerdem ist es immer wieder witzig zu sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind: http://www.reisedepeschen.de/mutprobe-deathroad/

    Antworten
  2. floc sagt:

    @Skraal:
    Zugegeben, ich habe 4 Jahre meines Lebens dem Mountainbiken gewidmet. Trotzdem, wenn du regelmäßig Rad fährst, und sei es Rennrad, dann fällt es schwer die Death Road ernstzunehmen…

    Antworten
  3. Max sagt:

    Doch nicht so schlimm das Ganze? Über die Death Road habe ich auch schon ganz andere Artikel gelesen.

    Antworten
  4. floc sagt:

    @Max:
    Fürs Death Road Feeling, fahr einfach ne x-beliebige Schotterstraße in den Alpen. Die sind auch alle furchtbar schlimm…

    Antworten
  5. Oli sagt:

    Insbesondere freischaffende Reisejournalisten (und natürlich auch Blogger) neigen dazu, solche Roadtrips zu übertreiben. Das ist auch nicht überraschen. Wie kann man einen Artikel über eine Strasse verkaufen, die kaum anders wäre als eine Alpenabfahrt?

    Die Deathroad ist allerdings nicht die einzige Strasse, die mit einem solchen Image spielt/kämpft. Bekannt ist beispielsweise auch der Manali-Leh-Highway in Indien, den ich vielleicht in diesem Sommer einmal befahren werde.

    BBC hat vor kurzem ein Bildgeschichte zu den fünf „extremsten Strassentrips“ veröffentlich. Da war diese hier auch dabei. Siehe hier:
    http://www.bbc.com/travel/slideshow/20121101-the-worlds-most-extreme-road-trips

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