Die Seele, der Tod und danach

Der Einstieg in die Fragerunde ist gleich ziemlich abgehoben und unerfreulich.
Meine Oma ist gestorben und deshalb frage ich:

Gibt es eine Seele?
oder gleichbedeutend:
Kann man seinen Tod überleben?


grabDie Frage kommt sehr spät. Platon hat das Thema bereits vor 2400 Jahren erschöpfend untersucht. Seine Untersuchung ist bestechend logisch, letztendlich aber unpraktisch. Praktisch lässt sich die Existenz der Seele:

  • nicht beweisen
    Der Tod ist das Ende des Lebens. Es ist nicht möglich im Leben zu erfahren, was nach dem Tod passiert.

  • nicht widerlegen
    Es ist grundsätzlich unmöglich eine solche Existenzbehauptung zu widerlegen, selbst wenn es um die Teekanne zwischen Erde und Mars geht.

Wer Überlegungen zur Existenz der Seele trotzdem interessant findet, sollte unbedingt die Online-Vorlesung Death von Shelly Kagan hören.

sarg
Endstation oder Tor zum Jenseits?


Mit einer objektiven Beurteilung, wie der von Platon, lässt sich die Frage nach der Seele demnach nicht beantworten. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob der Glaube an die Seele sinnvoll ist. Es wird also immer Menschen geben, die an die Seele glauben (Dualisten) und solche, die es nicht tun (Monisten).


Diese Antwort ist unerfreulich deutlich und deutlich unerfreulich.
Glücklicherweise kann man bei jeder Ursache auch nach der Wirkung fragen:

Macht der Glaube an die Seele überhaupt einen Unterschied?
Ja!

Eher geht ein Kamel
durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher
in den Himmel kommt.

(Mk 10,25 – Bibel)

  • Der Dualist Sokrates hätte mühelos fliehen können, trank aber bereitwillig den Schierlingsbecher.
  • Jahrhundertelang wirkte das Himmelreich als “Opium fürs Volk”.
  • Auch im 21. Jahrhundert ist die Vorstellung des persönlichen Gerichts nach dem Tod sehr verbreitet.
  • Ganz extreme Zeitgenossen fliegen sogar mit Passagiermaschinen in Hochhäuser, um in den Himmel zu kommen.


Sollte der Glaube an die Seele einen Unterschied machen?
Nein!

Ein Leben nach dem Tod schließt ein erfülltes Leben vor dem Tod nicht aus.

jenseits
Gott sei Dank, im Jenseits gibt es WLAN!


Also liebe Dualisten, liebe Seelenglauber. Lasst euch bitte nicht vertrösten.
Lebt euer Leben so, als hättet ihr keine Seele.
Es könnte nämlich so sein.

Sokratischer Moment

Das flocblog leidet an einer Blogblockade. Flüssig bloggen kann ich nicht mehr, denn ich weiß nicht. Das war natürlich schon immer so. Es hat mich bisher nie vom Schreiben abgehalten. Nun aber doch.

blockade
Eine Blogblockade
Schuld daran ist im Grunde mein sokratischer Moment. Damit mein ich den Augenblick, in dem mir erstmals bewusst war, wie wenig ich eigentlich weiß. Seit dem sokratischen Moment ist das Bewusstsein um mein Nichtwissen gewachsen – täglich, stündlich und minütlich.

Ich weiß, dass ich nicht weiss
(Sokrates)


Ich kann wohl dazulernen und kein Tag vergeht ohne entsprechende Versuche. Aber mit jedem neuen Wissenskorn nimmt man zwangsläufig viele Körner Nichtwissen auf. Lernen heißt immer auch Lernen, was man alles wissen könnte.

wissen kuchen
Mit neuem Wissen wächst das bekannte Nichtwissen überproportional


Je mehr ich weiß, desto klarer erkenne ich, wie wenig das eigentlich ist. In Anbetracht der inzwischen erdrückenden Kenntnis um mein Nichtwissen verlege ich mich ab sofort besser aufs Fragen stellen. Das kann jedes Kind.

brockhaus
Wissen eingetütet

Wer, wie, was?
Wieso, weshalb, warum?
Wer nicht fragt, bleibt dumm.

(Sesamstraße)


Ich mag es konträr. Es werden also unangenehme Fragen sein, vielleicht sogar Schierlingsbecher unangenehm. Ich freue mich darauf.


Dieses ganze Gerede soll freilich keine Kritik am sokratischen Moment sein. Das war eine wesentliche Wendung für mich.

Das Studium war zu Ende und ich träumte vom Ende allen Lernens. Statt umfangreicher Weisheit, war mein Wissen aber eher bescheiden. So ist die Sehnsucht erwacht, die Welt zu verstehen.

Mein Fazit soweit

  • Das Ende allen Lernens ist nicht erstrebenswert sondern ein großes Unglück.
  • Sich ausgesprochen dumm zu fühlen ist schon in Ordnung.
  • Jede sogenannte Tatsache zu bezweifeln ist sogar sehr gut.


Die Kunst des Zweifelns nennt man schließlich Wissenschaft.
Und das ist das, was Wissen schafft (-;