Nieselregen seit Stunden
und kalt
Knapp ein Dutzend Biker fragen sich gerade ob sie bei so nem Pisswetter um 13:00 am Bikestore beim Mountainbike Treff mitfahren wollen. Und nochmal ein gutes Dutzend Rennradler überlegen sich das Gleiche mit dem Rennradtreff an der Talavera. Wenn es bis zum Treffen nicht aufhört zu regnen werden die Gruppen heute sehr übersichtlich.
Ich frag mich nix und überleg auch nix. Ich bin raus.
Einen dicken Gips hab ich am linken Arm, genau wie vor einem Jahr. Während ich letztes Jahr aus eigener Dummheit vom Rad gestürzt bin, hab ichs diesmal echt net verdient. Aber ich fang vorne an.
Von meiner 4-wöchigen Saisonpause hab ich ja schon mal berichtet. Die setzte sich zusammen aus 3 Wochen vom Arzt verordnete Belastungspause und 1 Woche Sicherheitsreserve von mir aus. Nach diesem Zeitraum hab ich die vom Arzt prognostizierte “volle Belastbarkeit” für bare Münze genommen und bin mit meiner Freundin und ihrer Familie den Norissteig gegangen.
Größtenteils entpuppt sich der Steig als eine Wanderung durch den wunderschönen Herbstwald, nur vereinzelt gibt es mehr oder weniger gesicherten Kletterpassagen. Kurz vor dem Ziel gilt es als krönenden Abschluss die Mittelbergwand mit 40 Metern Höhe zu überwinden. In etwa 13 Metern Höhe will ich mich gerade mit der linken Hand an einem Stahlstift hochziehen, als mich ein krachendes Geräusch in der Bewegung erstarren lässt. Sekunden vergehen, bis ich verstehe, was passiert ist. Nicht etwa der Stahlstift ist gebrochen, sondern mein linker Arm. Mein linker Arm, der “voll belastbar” ist.
Abgestürzt bin ich nicht, nicht mal in die Klettersteigsicherung. Die Muskeln und Sehnen haben gehalten, wo der Knochen lautstark nachgegeben hat. Fürs Erste klammere ich mich mit rechts ans Stahlseil. Mein Gesichtsausdruck, als ich mich in diesem Moment umdrehe, spricht Bände. “Was denn?” fragt meine Freundin ganz verstört.
Mit Hilfe ihres Bruders kann ich einarmig auf die sichere Plattform in ca. 10m Höhe absteigen. Von hier geht es nur über einen engen Felsspalt zurück, der schon beim Aufstieg mit zwei Händen problematisch war. Und im Abstieg ist alles schwieriger.
“Nur Notrufe” zeigt das Handydisplay, doch unser Notruf geht im Rauschen unter und wird nicht verstanden.
Bange Minuten vergehen, in denen wir beratschlagen was wir tun können. Selbst wenn 100 Meter weiter Handy Empfang wäre, würden Stunden vergehen, bis Hilfe da ist. Sollen wir vorsichtig den Abstieg versuchen, gesichert und mit Abstützen von unten?
Unten auf dem Wanderweg passieren währenddessen 2 junge Kerle mit großen Rucksäcken unsere Wand. Ich versuche mein Glück:
“Hallo! HALLO! HABT IHR EIN SEIL?”
“JA!”
“WIR BRAUCHEN HILFE!”
Der Rest war schnell erklärt und keine zwanzig Minuten später waren wir alle abgeseilt und auf dem Weg ins Krankenhaus. Die beiden Kletterer-Retter hatten Ihre gute Tat des Tages vollbracht und konnten weiter zu ihrer Wand.
Hier noch ein Vorher-Nachher Bildvergleich:

Abseilen
Nein, bei so nem Wetter wie heute zu Radeln ist echt kein Spass.
Ich würde trotzdem gerne tauschen.





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